Zivilschutz – Prepper‘s

Unsere Bundesregierung hat eine neue Zivilschutzstrategie verabschiedet. Das Konzept, das zahlreiche Maßnahmen für einen potentiellen Krisenfall in Deutschland enthält, ist umstritten und heiß diskutiert.
Aber warum? Sind wir mittlerweile in Deutschland so überheblich, dass wir meinen es könnte bei uns keinen Krisenfall geben? Vorsorge zu betreiben ist eine der ältesten Tugenden der Menschheit. Besonders in den Nordeuropäischen Gebieten hat diese Vorsorgementalität, die zumindest psychologisch bedingt – wenn nicht sogar genetisch – , maßgeblich unsere kulturelle Entwicklung beeinflusst. Die Menschen, die vor tausenden von Jahren aus dem Süden hier ankamen, erkannten schnell, dass sie ohne Vorsorge nicht überleben können. Die Extreme der Jahreszeiten machten es erforderlich, dass besonders für den Winter Vorräte angelegt werden mussten. Zudem waren wetterfeste Behausungen erforderlich, angemessene, warme Kleidung und vieles mehr.
In den letzten Jahrzehnten wurde diese Vorsorge des Einzelnen zumeist stark vernachlässigt. Die Politik gab uns das Gefühl: alles ist sicher, der Staat hat alles im Griff. Das ist eine krasse Fehleinschätzung! Wir haben ein ähnliches Krisenpotential wie die Menschen vor tausend oder zweitausend Jahren. Jedoch ist eine Gefahr drastisch reduziert bei uns – die Kriegsgefahr. Dafür sind andere hinzugekommen, ich werde darauf noch eingehen.
Über Jahre hinweg habe ich mich besonders mit den alten Aufzeichnungen aus Klöstern in Nord- und Mitteldeutschland beschäftigt. Die Mönche haben akribisch aufgeschrieben, wie den Menschen Wetter, Klima und Naturkatastrophen mitgespielt haben; ihre Aufzeichnungen reichen zum Teil fast tausend Jahre zurück. Die modernen Naturwissenschaften können durch die verschiedensten Methoden noch viel weiter zurückblicken. Demnach haben schon immer mächtige Naturkatastrophen sowie Wetterunbilden den Menschen schwer zu schaffen gemacht: Meteoriteneinschläge, Vulkanausbrüche und Erdbeben sind solche Naturkatastrophen, die zum Glück in Deutschland nur Randerscheinungen sind. Dennoch hat der Ausbruch des Tambora vor 200 Jahren auch bei uns zu einem – oder mehreren – Jahren ohne Sonne geführt; eine Hungerkatastrophe war die Folge. Regelmäßig hatten wir jedoch mit Überschwemmungen, gewaltigen Sturmfluten und Stürmen, sinnflutartigen Niederschlägen in Form von Regen und Schnee, langanhaltende und starke Frostperioden oder auch lange Trockenperioden zu kämpfen.
Alles das kann uns auch heute jederzeit treffen und auch unsere moderne, technisierte Gesellschaft kann uns nur begrenzt davor schützen. Wir sind recht hilflos, wenn die Strom-, Gas- und Wasserversorgung zusammenbricht; dann ist auch die Versorgung mit Lebensmitteln stark beeinträchtigt.
In diesem Sinne ist die neue Zivilschutzverordnung sehr positiv zu bewerten. Vorsorgen muss jeder Einzelne für sich selbst und seine Familie, das kann ihm der Staat nicht abnehmen. Gut, der Zeitpunkt dafür ist nicht sehr günstig gewählt: Terror und Flüchtlingskrise, Kriege im Nahen Osten, Euro- und Finanzkrise verunsichern uns. Das sind jedoch Befindlichkeiten, über die die Menschen vor ein paar hundert Jahren nur hätten lächeln können – damals ging es ums blanke Überleben.
Wir machen uns Sorgen – dass ist verständlich und auch richtig. Wenn wir alle Gefahren ignorieren und mit übertriebener Selbstsicherheit – teils Selbstüberschätzung – durch das Leben wandern, könnte das böse Folgen haben.
Der Zeitpunkt der Bundesregierung für die Zivilschutzordnung ist dennoch unglücklich. Der Terror bestimmt die Debatte und auch das Gefühl unserer Bürger. Nur mit diesen grausamen islamistischen Auswüchsen werden wir wohl noch Jahrzehnte zu tun haben und für ihn kann dieses Maßnahmen-Paket auch nicht vorrangig geschaffen worden sein.
Wir haben ein allgemeines Identitätsproblem: Wir glauben, weil Elektrizität, Elektronik, Computer, Flugzeuge, Kraftfahrzeuge und viele weiter Technik zum alltäglichen Leben gehören, sind wir den Kräften der Natur gewachsen – dass ist ein gefährlicher Trugschluss, siehe auch dem Erdbeben Italien am 24.08.16.
Für die Krisenvorsorge hat sich im anglistischen Sprachraum aus dem Wort „prepare“ das Wort Prepper gebildet und etabliert. Prepper sind Menschen, die sich privat für Krisen und Katastrophen rüsten. Natürlich kann dieses Preppertum auch glossenhafte Formen annehmen, auf die möchte ich jedoch nicht eingehen.
Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von Tag zu Tag. Alles ist wichtig: Nur Krisenvorsorge sowie auch finanzielle Vorsorge werden ausgeblendet. Zunehmend etabliert sich die Auffassung, der Staat wird’s schon richten. Doch der ist im Krisenfall maßlos überfordert, was eigentlich jeder anhand des aktuellen Flüchtlingsstroms erkennen sollte. Dennoch scheint der Staat diese Delegierungsmentalität gern anzunehmen, denn sonst würde er früher und konsequenter agiert haben und zudem nicht nur Bevorratungsempfehlungen geben.
Bildung tut Not! Viele Stadtmenschen, und es werden immer mehr, sind ohne Supermarkt und elektrischem Dosenöffner aufgeschmissen. Sie wissen nicht, wie unsere Lebensmittel entstehen, schon gar nicht wären sie in der Lage sich selbst zu versorgen. Kräuter-, Beeren-, Wildfrüchte-, Wildgemüse- und Pilzkenntnisse wären wünschenswert. Ebenso, wie man Feuer entfacht, ohne Piezofeuerzeug, wie man Verwundete oder Verletzte versorgt, ohne Hightech-Medizin. Auch grundlegende Handwerkstechniken mit einfachen Werkzeugen wären wünschenswert, nicht nur Computerkenntnisse.
Leider findet derartige Wissensvermittlung heute in unseren Schulen kaum noch statt. Unser Wissenskanon fokussiert sich immer weiter auf Geisteswissenschaftliche Inhalte. Nun, da die Wehrpflicht abgeschafft ist, fallen für die jungen Männer (und auch Frauen) auch noch die letzten Survival-Erfahrungen weg. Da schafft insgesamt auch die neue Zivilschutzstrategie wenig Abhilfe.
Ich weiß nicht, auf was für Informationen die Bundesregierung, bezüglich terroristischer Bedrohungen, baut. Ich sehe jedoch diesbezüglich keine erhebliche Gefahr für Anschlägen, die Katastrophen-Charakter haben könnten. Zwar besteht eine gewisse Gefahr an terroristischen Cyberattacken auf unsere Infrastruktur, die ist wohl aber erheblich geringer als deren Beschädigung oder Zerstörung durch Naturkatastrophen.
Also bitte keine Untergangsprophezeiungen und Verschwörungstheorien – nie zuvor hatten Menschen mehr Sicherheit als wir heute und dass trotz der terroristischen Bedrohungen und aller Weltprobleme. Und dennoch sollte private Vorsorge für den Krisenfall getroffen werden, dass beruhigt ihre Familie und beugt Angst und Panik vor.

Meinungsdiktat zur Flüchtlingskrise

Die IB – Identitäre Bewegung – wurde jetzt vom Bundesverfassungsschutz unter Beobachtung gestellt. Ich kannte diese Bewegung bisher nur dem Namen nach, jedoch war mir nicht untergekommen, das von ihr bereits Straftaten begangen wurden oder dass sie verfassungsfeindlich agierte. Nun habe ich mich Kundig gemacht.

Wie die AfD gebraucht auch die IB sprachliche Formulierungen die nicht der political correctness der sogenannten etablierten Parteien entsprechen. Ist das jedoch verfassungsfeindlich? Haben wir ein Meinungsdiktat dieser Parteien? Es scheint in diese Richtung zu laufen, was bedenklich ist und durchaus auch nicht unserem Grundgesetz entspricht.

Wer in heutiger Zeit etwas gegen den Islam als Religion, gegen übermäßige Zuwanderung, gegen Immigranten und gegen Multikulti äußert, wird automatisch in die rechte Ecke gestellt und als Gesprächspartner abgelehnt. Ist das Meinungsfreiheit, Meinungsvielfallt, ist das Pressefreiheit?

Tut es nicht Not Missstände und Fehlentwicklungen anzusprechen, darüber zu diskutieren und nach gemeinsamen Lösungen für die Probleme zu suchen?

Menschen sind keine Engel: In allen Ethnien und Religionen gibt es Menschen die sich außerhalb der Gesellschaft stellen, gibt es Integrationsunwillige, gibt es Kriminelle und vor allem auch Egoisten und Besserwisser. Dennoch zeichnet sich ein Land dadurch aus, das es eine eigenständige Kultur und eigenständige Regeln des Zusammenlebens hat. Gibt es diese auf, gibt es sich selbst auf!

Jedes Land kann und muss verlangen, dass sich seine Bürger an die nationale Kultur und die geltenden Regeln und Gesetze halten. Das gilt auch – ohne Abstriche – für Zuwanderer aller Couleur. Dabei ist auch nicht zwischen Kriegsflüchtlingen, politischen Flüchtlingen oder Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden.

Dennoch gibt es die größten Probleme mit Zuwanderern islamischen Glaubens. Das sind keine schlechteren Menschen – das keinesfalls -sie kommen nur aus einem ganz anderen Kulturkreis und haben eine grundsätzlich andere Erziehung genossen. In zahlreichen Ländern mit islamischer Religion ist diese zugleich Staatsdoktrin. Was wir in Deutschland keinesfalls dulden dürfen ist, zu zulassen, dass diese auch hier Eingang finden.

Besonders kritisch ist beim Islam die Glaubenszugehörigkeit durch Geburt zu bewerten. Wir haben in Deutschland gemäß Grundgesetz Religions- und Glaubensfreiheit. Somit entscheidet über seine Glaubens- und Religionszugehörigkeit jeder Bürger frei und unabhängig für sich selbst. Bei Minderjährigen übernehmen dies die Eltern.

Im Islam sieht das ganz anders aus. In der Regel ist jedes geborene Kind, dessen Vater Moslem ist automatisch auch Moslem. Es gibt zudem islamische Richtungen, die davon ausgehen, dass ein Elternteil genug ist, um Moslem zu sein. Auch kann ein Mensch, wenn er volljährig ist, nicht aus dem Islam, wie aus der Kirche austreten – Moslem bleibt man noch islamischem Verständnis ein Leben lang. Wer dennoch einem anderen Glauben oder einer anderen Religion beitritt, wird zum Ungläubigen. Und Apostasie – der Abfall vom Islam – wir in zahlreichen islamischen Ländern mit dem Tod bestraft. In Ländern, deren staatliche Rechtsordnung sich zwar an der Scharia orientiert, die aber keine islamischen Gerichtshöfe haben, kann der bekundete „Abfall vom islamischen Glauben“ zivilrechtliche (Erbrecht, Eherecht), wie auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Nun gilt in Deutschland nicht die Scharia und kein religiöser oder politischer Führer kann den islamischen Glauben hier einfordern oder Ungläubige bestrafen. Dennoch muss es sich jeder Moslem gut überlegen, wenn er sich vom Islam lossagen möchte. Will oder muss er in sein Heimatland zurückkehren kann das durchaus sehr gefährlich werden.

Zudem stellt diese Islamzugehörigkeit durch Geburt ein echtes Problem für die Zukunft Deutschlands sowie der anderen EU-Länder mit starkem islamischen Bevölkerungsanteil dar.

Seltsamerweise gibt es für die Zahl der Muslime in Deutschland keine einheitlichen Angaben. Die kursierenden Zahlen gehen weit auseinander und häufig wird der Anteil der verschiedensten islamischen Glaubensrichtungen angegeben – ausrechnen muss man allein. Hat das System?

Die diesbezüglichen Zahlen variieren etwa zwischen 4 und 6 Millionen Muslime in Deutschland. Doch die Zahl der Muslime steigt weiter an und das sehr stark. Muslimische Familien sind in der Regel kinderreicher als christliche sowie die Vertreter anderer Glaubensrichtungen und Religionen. Zudem vermischen sich Muslime mit Partnern aus anderen Religionen – alle Nachkommen sind gemäß Islam Muslime. Diese Vermischung ist gut und notwendig für die Integration der Muslime. Doch sie stellt auch ein Gefahrenpotential dar.

Der muslimische Bevölkerungsanteil nimmt also stark zu und das nicht in linearer Form. Schon in 2 bis 3 Jahrzehnten könnte der muslimische Bevölkerungsanteil in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent liegen; dann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Islam das Christum als Hauptreligion ablöst und damit auch die prägende christliche Kultur. Dieser Zustand würde unsere abendländische Kultur deutscher Prägung erheblich verändern. Ob dieser Kulturwandel als gut oder schlecht eingeschätzt werden soll, ist wohl Ansichtssache und vielleicht auch nebensächlich, wenn die Muslime sich integriert haben und sich selbst als deutsche Staatsbürger sehen.

Die derzeitigen politischen Entwicklungen in der Türkei und die Reaktionen muslimischer Menschen in unserem Land lassen daran jedoch erhebliche Zweifel aufkommen.

Wenn sich derzeit türkische Mitbürger mehr für ihr Herkunftsland interessieren, als für das Land in dem sie leben, dann läuft etwas aus dem Gleis.

Religion ist Privatsache in unserem Land und sollte es auch bleiben. Mit einem gemäßigten Islam, wie ihn viele Muslime leben, sollte es ein problemloses Zusammenleben geben. Jedoch ignorieren wir hartnäckig die starken äußeren Kräfte des Islam, die dem ganzen auch eine andere Richtung geben könnten.

Von daher ist es nötig, dass wir Bürger uns keinen politischen Maulkorb umhängen lassen. Das betrifft ganz besonders auch die islamischen Mitbürger, die sich bezüglich dieser Entwicklungen ganz besonders engagieren müssen, was ich bisher leider vermisse.

Es ist somit durchaus angebracht, das Meinungsdiktat aufzubrechen und unkonventionelle Fragen zu stellen. Und wenn die Politik uns Bürgern keine Antworten gibt, dann müssen wir uns diese selbst suchen.




Der Sachsenspiegel – Deutschlands erstes Rechtsbuch

sachsenspiegel01a[1]Die Bibel, „Das Buch der Bücher“, ist eine Urkunde des Christentums und Handlungs- und Verhaltensanweisung für alle Christen. Sie ist eine redaktionelle Zusammenstellung von Schriften, Überlieferungen und Erfahrungen aus einem Kulturzeitraum von weit über zweitausend Jahren.
Eine vergleichbare Urkunde, sowie Handlungs- und Verhaltensanweisung auf juristischem Gebiet für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation des Mittelalters, stellt der „Sachsenspiegel“ dar. Er ist das erste deutsche, überlieferte Rechtsbuch. Sein Verfasser war Eike von Repgow (es gibt verschiedene Schreibweisen). Repgow entstammte einem sächsischen Rittergeschlecht, das auf Gut Reppichau seinen Stammsitz hatte und von welchem auch der Familienname abgeleitet wurde. Dieses Rittergut lag südöstlich von Aken, zwischen Köthen und Dessau.
Über der Kindheit und Jugend von Repgow liegt Dunkelheit, es gibt nur Vermutungen. Auch sein Geburtsjahr kennen wir nicht, es soll zwischen den Jahren 1180 und 1190 liegen. Gesichert ist, dass der junge Eike eine gute und umfassende Bildung genossen hat, die auf Grund seiner Kenntnisse in Latein und Bibelkunde kirchlichen Schulen zugesprochen wird. Auch wird angenommen, dass Repgow Jura studiert hat und dann das Deutsche Reich bereiste, um Erfahrungen in den einzelnen Gauen zu sammeln. Es war eine unsichere Zeit, auch Walther von der Vogelweide, von dem man annimmt, dass er Repgow gut kannte, schrieb in einem Minnelied: „Gewalt fährt auf den Straßen, und Fried und Recht sind sehr wund ….“. Vielleicht waren Repgows Erlebnisse und Erfahrungen Auslöser für den Gedanken, ein einheitliches Rechtsbuch zu verfassen. Auf jeden Fall muss er ein außergewöhnlicher junger Mann gewesen sein, denn der kleine Edelmann vom Lande, kam mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten im Reich zusammen, wie zum Beispiel König Philipp von Schwaben, Fürst Heinrich von Anhalt und Markgraf Dietrich von Meißen. Repgow war bei vielen wichtigen Rechtsbeschlüssen dabei. Seine Anwesenheit auf einigen Things ist beurkundet worden.
Während dieser Reisen, häufig im Gefolge adliger Herren, hat Repgow wohl auch Graf Hoyer von Falkenstein kennen gelernt. Der Graf war Burgherr auf Burg Falkenstein, im schönen Selketal. Beide verband fortan eine Freundschaft, die dazu führte, dass der Graf den Ritter Eike als Dauergast auf seine Feste lud. Eike von Repgow hatte so die Muße, sein Vorhaben eines einheitlichen Rechtsbuches in die Tat umzusetzen.
Ein wahrhaft schwieriges Unterfangen! Es gab kein einheitliches Reichsrecht, die Volksstämme – Sachsen, Schwaben, Franken usw. – wiesen ein weit auseinanderklaffendes Gefüge von Rechten, Pflichten, Bräuchen und Traditionen auf. Eike versuchte diese Gemengelage nach Möglichkeiten auszugleichen und für alle Völker und alle Volksschichten eine akzeptable, einheitliche Rechtslage zu schaffen. Dabei ließ er geistliches Recht außen vor und beschränkte sich auf weltliche Normen und Regeln. Trotzdem war sein Vorhaben für die damalige Zeit eine gewaltige und hochkomplizierte Aufgabe. Sicher kann davon ausgegangen werden, dass sein Gastgeber und Freund ihn tatkräftig unterstützte und er auch gelehrte Assistenten zur Seite hatte. Zudem kann angenommen werden, dass die Herrscher im Reich ein ernstzunehmendes Interesse an Eikes Arbeit hatten.
Zunächst schrieb Repgow sein Werk in Latein, dann noch in seiner Muttersprache Niederdeutsch. Der „Sachsenspiegel“ stellt ein Konvolut verschiedener Genre aus Lyrik und Prosa, aber auch aus biografischen und wissenschaftlichen Elementen dar. Entstanden zwischen den Jahren 1220 und 1240 auf Burg Falkenstein, entwickelte sich der „Sassen Speyghel“ schnell zum „Bestseller“ und wurde zum „Klassiker“. Er leitete eine Entwicklung ein, die der Adel so sicherlich nicht gewollt hatte, nämlich die Neu- und Umgestaltung der bürgerlichen Rechte in den aufblühenden Städten.
Eine Vorreiterrolle spielte dabei die Stadt Magdeburg, deren errungenes freibürgerliches Recht weit ins Deutsche Reich strahlte. Besonders aber in der Harzregion (Goslar, Halberstadt, Osterwieck, Wernigerode, Aschersleben, Quedlinburg, Nordhausen) entstanden zunächst neue Stadtrechte. Es begründete sich eine neue bürgerliche Freiheit, die in den Rolandsbildnissen Symbol und Wahrzeichen fand. Eike von Repgow schuf mit seinem Sachsenspiegel ein epochales Werk. Ob er sich dessen bewusst war und ob er die Verbreitung seines Werkes noch erlebte, wissen wir nicht. Im Jahr 1233 verliert sich bisher seine Spur.
Aber, dass er edel und dankbar war, hat er uns mit der Reimvorrede seines Werkes hinterlassen, in der er seinen Gastgeber und Freund, Graf Hoyer, seinen Dank kund tut:
„Nu dankit al gemeine deme von Valkensteine,
Der greve Hoyer ist genant,
daz an dutz (deutsch) ist gewant
Diz buch durch sine bete: Eike von Rypchow ez tete,
Ungerne her es abir ane quam, (ungern er daran ging)
do her abir vernam
So grosz dar zu des herren gere (Wunsch)
Do en hatte her keine were; (konnte er sich nicht wehren)
Des herren libe in gar verwan,
daz her des buches began,
Dez im waz vil ungedacht, (woran man nicht dachte)
Do herz hatte in latin bracht.
Ane hulfe unde ane lere;
Do duchte (dünkte) in daz zu swere,
Daz herz an dutz wante.
Zu letzt her doch genante (wagte sich)
Der arbeit unde tete
Greven Hoyers bete.“
Der folgende Abschnitt soll sich dem Inhalt von Eikes bedeutendem Rechtsbuch widmen. Es entstand im Hochmittelalter, einer Epoche in der das ursprüngliche Recht der einzelnen germanischen Stämme zu zerbröseln begann. Schon allein durch die Fülle von Landes- und Ortsrechten, fiel es den deutschen Herrschern schwer, das zersplitterte Reich zu ordnen. Dazu kam der ständige Herrschafts- und Rechtsanspruch des Klerus.
Repgow erkannte wohl dieses gesellschaftliche Defizit, konnte es aber nicht auflösen. Daher legte er von Anfang an Wert auf eine Abgrenzung zum allgegenwärtigen Kirchenrecht. Dies tat er, indem er gleich eingangs hervorhebt, dass dem Papst nur das christliche Schwert, dem König dagegen das weltliche zu führen gebühre. Diese Abgrenzung christlicher und weltlicher Machtsphäre ist eindeutig, was Repgow natürlich in kirchlichen Kreisen viele Anfeindungen eingebracht hat. Trotzdem war für ihn unstrittig, dass die Obrigkeit von Gott eingesetzt war. So beginnt Repkows Sachsenspiegel mit dem tiefgründigen Gedanken: „ Got, der da ist, begin und ende aller dinge …“.
Der „Sachsenspiegel“ ist kein Gesetzbuch nach unseren Vorstellungen. Paragrafen und Durchführungsbestimmungen waren noch nicht erfunden. Repgow hatte sich nur die Aufgabe gestellt, geltendes Gewohnheitsrecht aufzuschreiben und dabei unterschiedlichste Befindlichkeiten unter einen Hut zu bekommen. Dass er damit unbewusst neues Recht schuf war ihm nicht bewusst. Im Wesentlichen umfasst sein Werk zwei Rechtsbereiche, das Landrecht und das Lehnrecht.
Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf das Landrecht. Das umfasste das Recht aller Freien und regelt das tägliche Leben, zudem auch das Strafrecht und die Rechtsprechung. Besonders ausführlich ließ er sich auf die rechtliche Lage zwischen Mann und Frau ein. Er fixierte die rechtliche Stellung der Frau in allen Ebenen und engte sie damit stark ein. Was bisher Tradition war, wurde jetzt niedergeschrieben, es wurde zum Recht und so galt es bis in die Neuzeit.
Das Lehnrecht regelte die Verhältnisse zwischen den Ständen. In diesem Kapitel wendet sich Repgow ausführlich dem damit in Zusammenhang stehenden Zins- und Abgaberecht zu. So fixiert er alle „Zinstermine“, die nach alter Tradition an bestimmten Tagen fällig waren, wie zum Beispiel: St. Walpurgistag (30. April) Lämmerzins; St. Urbanstag (25. Mai) Wein- und Baumzins; St. Johannistag (24. Juni) Fleischzins; St. Margaretentag (20. Juli) Kornzins; St. Martinstag (11. November) Gänse- und Geflügelzins usw.
Auch dem Bauerntum, sowie dem in engem Zusammenhang stehenden Jagd- und Forstrecht, widmete er sich ausführlich. Somit kann resümiert werden: Repgow hat mit seinem „Sachsenspiegel“ wesentliche Rechtsfragen des täglichen Lebens aufgeschrieben, erläutert und somit verankert. Aber er hat in seinem Werk auch einige Rechtsgebiete, sicher in voller Absicht, außen vorgelassen. Dem Dienstrecht und Hofrecht hat er sich zum Beispiel nicht zugewandt.
Eike von Repkow und sein Förderer und Unterstützer Graf Hoyer von Falkenstein haben auf der idyllischen Burg Falkenstein Rechtsgeschichte geschrieben, die das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation über Jahrhunderte prägen sollte. Heute sind vom „Sachsenspiegel“ noch vier, zum Teil vergoldete, Bilderhandschriften überliefert, die nach ihren Aufbewahrungsorten als: „Wolfenbütteler“, „Oldenburger“, „Dresdner“ und „Heidelberger“ bezeichnet werden sowie mehrere hundert Handschriften und Fragmente. Ob sich dabei ein Original befindet, oder ob alles Abschriften sind, ist unklar und deswegen strittig.
Aber wir dürfen Eike von Repgow nicht allein auf seinen „Sachsenspiegel“ reduzieren, denn er war auch ein bedeutender Geschichtsschreiber. Vermutlich ebenfalls auf der Harzer Burg Falkenstein hat er seine „Sächsische Weltchronik“ verfasst.