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Über BerndSternal

Geboren 1956 in Gernrode/Harz, wo ich bis heute zuhause bin. Ausbildung: Realschule, abgeschlossene Lehre als Werkzeugmacher und Flugzeugmechaniker, Studium der Ingenieurwissenschaften mit Diplomabschlüssen, Weiterbildung in Betriebswirtschaft und Publizistik. Berufliche Stationen: Manager in der Metallindustrie, Messgeräteindustrie, Holz- und Möbelindustrie, Fleisch- und Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Unternehmensgründer, Geschäftsführer, Unternehmensberater, Erfinder, Patentinhaber, Publizist, Journalist, Buchautor, Herausgeber, Verleger, Radioredakteur und Moderator.

Aussterben abgesagt, oder nur verschoben?

Der Demografiebericht der Bundesregierung wurde im Februar 2017 verabschiedet und kaum jemand hat in wahrgenommen. Dabei ist er nicht ohne Bedeutung für unser Land und auch nicht ohne Brisanz. Stellt sich die Frage warum kaum Medien darüber berichtet haben, die Ausnahmen sind die Rheinische Post und die Huffingtonpost. Stattdessen sind die Leitmedien geprägt von Nebensächlichkeiten, Effekthaschereien, Schlagzeilen und halt auch von Ignoranz.
Über viele Jahre hinweg wurde uns ein starker Rückgang der Bevölkerungszahlen prognostiziert. Ein Szenarium wurde entworfen, als wenn Deutschland aussterben würde. Ein gewisser Hang zur Panikmache kann den Medien diesbezüglich nicht abgesprochen werden, zudem haben wir ethnisch Deutschen diesen wohl auch fast alle. Dabei ist es in unserer globalen Welt fast nicht möglich 10 Jahre und mehr voraus zu blicken. Was die Politik jedoch nicht davon befreien kann Lösungen für erkennbare Probleme der Zukunft zu suchen und auch zu finden.
Nun der neue Demografiebericht: Das Aussterben ist abgesagt, vorerst zumindest. Am 31. Dezember 2015 lebten 82,2 Millionen Menschen in Deutschland. Es wird auch davon ausgegangen, dass sich die Bevölkerungszahl bis 2060 nicht ins Negative verkehrt. Eher das Gegenteil könnte der Fall sein.
Die Bevölkerungszahl setzte sich 2015 aus 73,5 Millionen Deutschen sowie 8,7 Millionen Ausländern zusammen. Von den Deutschen, also den Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft, sind 17,1 Millionen mit Migrationshintergrund.
Um die Bevölkerungszahl stabil zu halten wird eine mögliche Zuwanderung bis 2060 von 12 Millionen Menschen in Betracht gezogen. Es heißt in dem Papier: „Aus bevöl¬ke¬rungs¬wis¬sen¬schaft¬li¬cher Sicht erscheint auch eine höhere dau¬er¬hafte Zuwanderung als von 300 000 jährlich mög¬lich.“
Gemäß Bericht sind im Jahr 2015 2,137 Millionen Menschen zugezogen und 998 Tausend sind weggezogen. Das ergibt eine netto Zuwanderung von 1,139 Millionen Menschen. Soweit die nackten Zahlen. Nimmt man jedoch diese Zuwanderung von 2015 – von 2016 liegen noch keine Zahlen vor – und betrachten wir die derzeitige Flüchtlingslage, so scheint die Zahl von 300 000 pro Jahr illusorisch niedrig.
Zudem möchte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach einem Wahlsieg die bisher von der Regierungskoalition CDU/CSU/SPD getragene Aussetzung des Familiennachzugs von allen behelfsmäßig (subsidiär) Schutzbedürftigen abschaffen. Das wären nach Schätzungen allein etwa 120 000 Syrer und täglich werden es mehr. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder anerkannte Schutzbedürftige seine Familienangehörigen nachholen könnte, so könnte man die Anzahl der Zuwanderer wohl verdreifachen. Das wäre eine Situation, die Deutschland kulturell und auch finanziell schnell überfordern würde. Wie vor kurzen bekannt wurde, sind die Kosten für die Flüchtlinge für das Jahr 2016 von den geplanten 17 Milliarden auf zirka 23 Milliarden Euro angestiegen.
Meine bisherigen Ausführungen hinterlassen vielleicht den Eindruck von Fremdenfeindlichkeit. Das ist nicht der Fall! Ich habe nur offizielle Zahlen wiedergegeben und etwas analysiert. Es gibt viele Zuwanderer, die sich sehr gut in unsere Gesellschaft integriert haben und die eine echte Bereicherung für unser Land darstellen. Es gibt jedoch auch den anderen Teil und über den müssen wir reden.
Dass die deutsche Integrationspolitik der letzten Jahrzehnte weitgehend gescheitert ist, sehen wir in diesen Tagen deutlicher als je zuvor an vielen türkischstämmigen Mitbürgern. Statt sich für unser wunderbares Land und seine Demokratie einzusetzen, lancieren sie Erdogan und sein angestrebtes autokratisches Präsidialsystem. Diese Mitbürger können sich anscheinend mit unserer Gesellschaft, unserer Kultur und Lebensform, nicht wirklich anfreunden. Was wollen wir jedoch dagegen tun, wie können wir das ändern? Auf jeden Fall nicht mit politischen Floskeln und schon gar nicht mit einer Überforderung der deutschen Bevölkerung. Es heißte in jedem zweiten Statement der Politik: Fördern und Fordern. Es herrscht jedoch bisher ein starkes Ungleichgewicht, denn es wird sehr viel gefördert und wenig gefordert. Auch ich habe kein Patentrezept zur Hand, jedoch der Demografiebericht der Bundesregierung macht mir Sorge. Gefragt sind jetzt besonders die Ausländer und die Bürger mit Migrationshintergrund, die für Deutschland stehen. Sie müssen ihre Landsleute und Glaubensbrüder und -schwestern unterstützen, ihnen jedoch auch, wenn es Not tut, die Stirn bieten.
Wir können und wollen uns als Deutschland und Teil Europas weder abschotten, noch können wir die Zeit anhalten oder zurückdrehen. Hilfebedürftige abzuweisen wiederspricht zudem unserem Grundgesetz sowie den Internationalen Menschenrechtskonventionen. Dennoch müssen wir mit Maß und Verstand handeln um unsere Kultur zu bewahren. Diese ist zwar christlich geprägt, dennoch ist Religion Privatangelegenheit und prägt nicht das gesellschaftliche Leben. Diese Teilung zwischen privatem Glaube und öffentlichem Leben müssen wir auch von dem Teil unserer islamischen Bevölkerung einfordern. Gegenseitige Achtung und Wertschätzung, aber auch Toleranz – besonders in Glaubensfragen -, stellen die Grundlage für eine Integration und ein friedliches Zusammenleben dar. Wer jedoch zu uns kommt und keine Toleranz gegenüber andersgläubigen walten lassen will, sondern auf seinen Glaubensgrundsätzen beharrt und alle anderen als Ungläubige und Feinde ansieht, der kann weder Förderung noch Sympathie erwarten.
Wenn der türkische Präsident Erdogan die in Europa lebenden Türken auffordert, ihren Einfluss in Europa in Zukunft zu stärken, indem sie nicht „drei sondern fünf Kinder machen sollen“, so spricht er das offen aus, was auch zahlreich islamistische Führer strategisch lancieren. Die Zukunft hält demnach viele Herausforderungen für Deutschland und Europa bereit, denen wir uns stellen müssen. Machen wir das human und humanistisch, jedoch auch mit Sinn und Verstand, ohne die heraufziehenden Gefahren geflissentlich zu übersehen. Und beziehen wir die Ausländer und Bürger mit Migrationshintergrund, die für unser Grundgesetz und unsere Demokratie stehen, intensiver als bisher mit ein. Und die, die unser Gemeinwesen und unsere Kultur missachten und verachten, gegen diese sollten wir engagiert und durchsetzungsstark vorgehen, diese Menschen haben keinen Anspruch auf unsere Hilfe und Solidarität. Denn wer Gastrecht missbraucht, hat sein Gastrecht verwirkt.

Große Entdecker und Erfinder – Kokainentdecker Albert Niemann

In loser Folge möchte ich in nächster Zeit einige bedeutende deutsche Entdecker, Erfinder und Ingenieure vorstellen, deren Leistungen wir zwar alle kennen, die uns jedoch als Persönlichkeiten weitgehend unbekannt geblieben sind.
Wir jubeln Künstlern zu, Dichtern und Schriftstellern, mitunter auch religiösen Führern oder Politikern. Doch wer bejubelt schon Entdecker, Erfinder oder Ingenieure? Bereits seit Beginn der Industriellen Revolution weisen Technikphilosophen auf die Bedeutung von Entdeckertum und Ingenieurkunst hin, geändert hat sich jedoch bis heute nicht viel.

Albert Niemann – der Kokainentdecker
Schon bei den frühen Entdeckungsreisen, über den Altlantik, nach Südamerika wurden Entdecker auf den Cocastrauch aufmerksam. Die Einheimischen kauten die Blätter des Strauches. Für sie waren die Blätter Genussmittel und Nahrungsergänzungsmittel zugleich, zudem wurden sie für kultische und medizinische Zwecke genutzt.
Die ersten Cocasträucher kamen 1750 aus Südamerika nach Europa. Die Wirkung der Blätter faszinierte, jedoch war die Chemie noch nicht in der Lage die Wirkstoffe zu analysieren. Das tat als erster Albert Niemann im Jahr 1859/60.
Albert Friedrich Emil Niemann wurde am 20.Mai 1834 als Sohn eines Lehrers in Goslar geboren. 1849 wurde er Lehrling in der Göttinger Ratsapotheke. Nach Abschluss seiner Lehre begann Niemann 1852 an der Universität Göttingen Pharmazie und Botanik zu studieren. Zudem besuchte er Vorlesungen zur Chemie bei Prof. Dr. Friedrich Wöhler. Um seine Studien zu finanzieren arbeitete er bis 1858 in der Krankenhausapotheke in Linden bei Hannover. In jenem Jahr begann er auch sein pharmazeutisches Staatsexamen an der Universität Göttingen abzulegen. Dazu besuchte er auch Vorlesungen in Physik und Mineralogie. Zudem erhielt er die Möglichkeit als Assistent im Labor von Prof. Wöhler tätig zu sein.
Der österreichische Abenteurer Karl von Scherzer brachte 1859 von der Novara-Expedition auf Bitten Wöhlers einen Ballen Kokablätter nach Göttingen mit. Die Novara-Expedition (1857–59) war die erste und einzige groß angelegte Weltumsegelungsmission der Kaiserlich Österreichischen Kriegsmarine. Weltweit bekannt wurde sie durch die später als Bestseller in mehreren Sprachen veröffentlichten Berichte über die wissenschaftliche Ausbeute der Reise.
Bedingt durch sein Studium der Pharmazie und Botanik begann sich Niemann für die Cokablätter zu interessieren. Er isolierte 1860 als erster das Kokain in kristalliner Form aus diesen Kokablättern und gab ihm seinen Namen. Bei genaueren Untersuchungen stellte er unter anderem fest, dass es bei 98 °C schmilzt und beim weiteren Erhitzen in Salz- und Benzoesäure sowie Methanol und Ekgonin zerfällt.
Niemann konnte seine Untersuchungen nicht vollenden und musste schwerkrank zu seiner Familie nach Goslar zurückkehren, wo er kurze Zeit später mit nur 26 Jahren am 19.01.1861 verstarb. Wahrscheinliche Todesursache war eine Vergiftung mit Senfgas, mit dessen Erforschung sich Niemann vor seinen Kokain-Studien intensiv beschäftigt hatte. In seiner Arbeit „Ueber die Einwirkung des braunen Chlorschwefels auf Elaylgas“ beschreibt er ein „dem Meerettichöl gleichendes und mit einem ähnlichen, wenn nicht so heftigen penetranten Geruch begabtes Öl“. Wahrscheinlich handelt es sich um Dichlordiäthysulfid, eine hochgiftige Substanz. Niemann erforschte und beschrieb diese Substanz und wurde auch ihr erstes Opfer, bevor sie als Senfgas (chemisches Kampfmittel) im 1. Weltkrieg eingesetzt wurde und tausenden Soldaten das Leben kostete.
Nach seinem Tod führte sein Kollege Wilhelm Lossen (1838–1906) seine Arbeiten weiter und bestimmte 1862 die Summenformel des Kokains C17H21NO4. Im 1879 Jahr entdeckte Vassili von Anrep (1852–1927) an der Universität Würzburg die schmerzstillende Wirkung des Kokains. Um 1884 kam es als lokales Anästhetikum in Deutschland in klinischen Gebrauch. ungefähr zur selben Zeit, als Sigmund Freud über dessen Wirkungen in seinem Werk über Coca schrieb: „Die psychische Wirkung des Cocainum mur. in Dosen von 0,05 bis 0,10 Gramm besteht in einer Aufheiterung und anhaltenden Euphorie, die sich von der normalen Euphorie des gesunden Menschen in gar nichts unterscheidet. Es fehlt gänzlich das Alterationsgefühl, das die Aufheiterung durch Alkohol begleitet, es fehlt auch der für die Alkoholwirkung charakteristische Drang zur sofortigen Betätigung. Man fühlt eine Zunahme der Selbstbeherrschung, fühlt sich lebenskräftiger und arbeitsfähiger; aber wenn man arbeitet, vermisst man auch die durch Alkohol, Tee oder Kaffee hervorgerufene edle Excitation und Steigerung der geistigen Kräfte. Man ist eben einfach normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, dass man unter irgendwelcher Einwirkung steht.“
In den folgenden Jahrzehnten fand Kokain Eingang in zahlreiche medizinische Anwendungen. In der ersten Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola war bis 1906 einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen) enthalten, sodass ein Liter Coca-Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Auch heute enthält Coca-Cola noch – allerdings nichtalkaloide – Inhaltsstoffe der Cocablätter. Auch sonst war Kokaingebrauch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa weit verbreitet und legal. Die Gefährlichkeit der Substanz wurde nur allmählich erkannt, denn Kokain ist eine Rauschdroge mit hohem psychischen aber keinem physischen Abhängigkeitspotenzial.




Transatlantischer Zankapfel

Seit zwei Wochen herrscht weitgehend Ruhe in der Politik und den Medien in Deutschland, was die Führung der Amtsgeschäfte von US-Präsidenten Trump angeht. Wir haben einen neuen Aufreger, der die Schlagzeilen füllt – die Türkei mit Präsident Erdogan. Und auch Präsident Trump hat seine rüden Töne gegen das Ausland und besonders gegen Deutschland anscheinend etwas zurückgefahren.
Es hat den Anschein, als wenn Trump durchaus eine gut durchdachte Strategie hat, auch wenn ihm dass die meisten deutschen Politiker und Meinungsbildner nicht zugestehen wollen: Zunächst harte Kante fahren, die eigenen Positionen unmissverständlich zur Kenntnis geben, um dann seinen entsprechenden Verhandlungspartnern die Möglichkeit zu geben, seinen Forderungen entgegen zu kommen. Keine klassische politische Diplomatie, jedoch eine in der Wirtschaft nicht unübliche Verhandlungstaktik.
Der Zankapfel für das deutsch-amerikanische Verhältnis hat einen Namen: deutsche Exportüberschüsse. Mit dieser Kritik stehen zudem die US-Amerikaner nicht allein, auch der IWF sowie die EU-Kommission drängen Deutschland umzusteuern. Natürlich ist es überspitzt, wenn die deutschen Überschüsse als Problem der Weltwirtschaft dargestellt werden. Auch, obwohl die deutsche Wirtschaft zu den stärksten der Welt zählt und sie den Exportweltmeistertitel 2016 von China zurückerobert hat. Im Jahr 2016 hat die deutsche Wirtschaft Waren im Gesamtwert von 1,2075 Billionen Euro ausgeführt, eingeführt wurden hingegen Waren im Wert von 955 Milliarden Euro. Beides sind absolute Rekordwerte und dennoch herrscht ein erhebliches Ungleichgewicht in Richtung Exportüberschüsse. Und diese kritisiert Donald Trump besonders stark, denn die USA haben seit Jahren ein Handelsbilanzdefizit in entgegengesetzter Richtung; im Jahr 2016 belief sich dieses auf 502 Milliarden Dollar. Er vertritt die Meinung, Deutschland saniert und bereichert sich auf Kosten anderer, besonders der USA.
Die bundesdeutsche Wirtschaft ist Überschussweltmeister, kein anders Land der Welt erzielt im Verhältnis zwischen Einfuhren und Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen einen solches Plus bei den Exporten. Das ist gut für Deutschland jedoch schlecht für die USA mit ihrem Außenhandelsdefizit. So sieht es jedenfalls die neue amerikanische Regierung und legt nach: Die Überschüsse lege Deutschland in den USA an und trage damit sogar zur Immobilienblase bei. Zudem ginge der mit dem Exportüberschuss verbundene deutsche Beschäftigungsboom zu Lasten der US-Arbeiter.
Nichts davon ist zutreffend. Im Gegenteil: Deutsche Firmen beschäftigen in den USA geschätzte 700 000 Arbeitnehmer und sie investieren zudem kräftig in Werke in den USA.
Dennoch will Trump mehr industrielle Wertschöpfung in den USA. Diese Ziele will er durch Abschottung und Einfuhrsteuern erreichen. Die eigenen Exporte hingegen will er verbilligen. Ich denke nicht, dass ein solcher Ansatz Erfolg haben kann. Zwar sind auf diese Weise Importe einzuschränken, Exporte können so jedoch kaum erhöht werden.
Exporte zu erhöhen ist keine Frage von Importbeschränkungen, sondern von der Produktion international nachgefragter Waren. Und da haben die USA den vergangenen Jahrzehnten wohl den Anschluss etwas verpasst. Wer will beispielsweise amerikanische Autos kaufen? Auch die Fertigung von Anlagen, Maschinen und Werkzeugen wurde in den USA stark vernachlässigt. Nun wird versucht, das eigene Versagen auf andere abzuschieben, so wie es heute leider häufig die Praxis ist. Die USA haben zwar viele Hightec- und IT-Firmen, doch Google, Facebook, Microsoft und Co. schaffen keine Produktionsarbeitsplätze. Mit dieser Wirtschaftskonstellation geht der Niedergang der amerikanischen Arbeiterklasse einher.
Das der deutsche Exportüberschuss in Amerika und auch um EU-Raum für Kritik sorgt ist dennoch verständlich, denn ein großer Teil der deutschen Exporte geht in diese Wirtschaftszonen. Diese Länder finanzieren die deutschen Waren teilweise mit Schulden. In politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten besteht dann für beide Seiten ein erhebliches Ausfallrisiko.
Deutschland profitiert von seinen Stärken im Automobilbau, im Anlagenbau, im Maschinen- und Werkzeugbau sowie weiterer Branchen. Für die Exporte in die USA kommt der schwache Euro als Verkaufsargument hinzu. Für das internationale Interesse an deutschen Qualitätswaren kann man Deutschland wohl nicht kritisieren, genauso wenig für den niedrigen Euro-Kurs, da besteht kein Grund für Manipulationsvorwürfe.
Es wird zudem die Binnennachfrage in Deutschland beanstandet. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Bundesregierung einen gewissen Sparkurs fährt, wenn man den Verzicht auf weitere Neuverschuldungen dafür ansieht. Nur ist die Staatenverschuldung das eigentliche weltweite Problem der Wirtschaft und auch der Staaten selbst. Doch es muss immer ein Schuldiger her, um das eigene Versagen zu kaschieren. Es ist schließlich nicht von der Hand zu weisen, dass die BRD 2016 auch einen neuen Importrekord aufgestellt hat und dass zudem der Bundeshaushalt der höchste seiner Geschichte war.
Doch für Trump und seine Regierung zählen keine Argumente, mögen sie auch noch so überzeugend sein. Schließlich zwingt Deutschland kein Land, Waren „Made in Germany“ zu kaufen. Zudem ist die Binnennachfrage nicht auf Knopfdruck zu erhöhen. Die Deutschen sind halt sparsam und da die Zeiten nicht einfach sind, lassen sie sich höchstens durch besonders qualitative Angebote verleiten Geld auszugeben und dazu zählen beispielsweise amerikanische Autos nicht. Eine gesteigerte Binnennachfrage in Deutschland sowie eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen kann zwar helfen die Handelsbilanz weiter auszugleichen, eine Garantie für amerikanische Exporte sind diese Maßnahmen dennoch nicht.
Es gibt da ein altes Sprichwort: Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man hingegen geschenkt. Ich bin mir jedoch inzwischen sicher, dass Präsident Trump mit seiner verbalen Exportschelte an Deutschland sich nur eine gesicherte, starke Verhandlungsposition schaffen will, denn auch er weiß sicherlich, dass eine Politik der Abschottung den USA nicht helfen kann.
Dieser transatlantische Zankapfel ist also sicherlich keiner Dauerbrenner und nach entsprechenden Verhandlungen werden sich beide Seiten als Sieger präsentieren.