Archiv der Kategorie: Geschichte

Was die Erfahrung und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Große Entdecker und Erfinder – Kokainentdecker Albert Niemann

In loser Folge möchte ich in nächster Zeit einige bedeutende deutsche Entdecker, Erfinder und Ingenieure vorstellen, deren Leistungen wir zwar alle kennen, die uns jedoch als Persönlichkeiten weitgehend unbekannt geblieben sind.
Wir jubeln Künstlern zu, Dichtern und Schriftstellern, mitunter auch religiösen Führern oder Politikern. Doch wer bejubelt schon Entdecker, Erfinder oder Ingenieure? Bereits seit Beginn der Industriellen Revolution weisen Technikphilosophen auf die Bedeutung von Entdeckertum und Ingenieurkunst hin, geändert hat sich jedoch bis heute nicht viel.

Albert Niemann – der Kokainentdecker
Schon bei den frühen Entdeckungsreisen, über den Altlantik, nach Südamerika wurden Entdecker auf den Cocastrauch aufmerksam. Die Einheimischen kauten die Blätter des Strauches. Für sie waren die Blätter Genussmittel und Nahrungsergänzungsmittel zugleich, zudem wurden sie für kultische und medizinische Zwecke genutzt.
Die ersten Cocasträucher kamen 1750 aus Südamerika nach Europa. Die Wirkung der Blätter faszinierte, jedoch war die Chemie noch nicht in der Lage die Wirkstoffe zu analysieren. Das tat als erster Albert Niemann im Jahr 1859/60.
Albert Friedrich Emil Niemann wurde am 20.Mai 1834 als Sohn eines Lehrers in Goslar geboren. 1849 wurde er Lehrling in der Göttinger Ratsapotheke. Nach Abschluss seiner Lehre begann Niemann 1852 an der Universität Göttingen Pharmazie und Botanik zu studieren. Zudem besuchte er Vorlesungen zur Chemie bei Prof. Dr. Friedrich Wöhler. Um seine Studien zu finanzieren arbeitete er bis 1858 in der Krankenhausapotheke in Linden bei Hannover. In jenem Jahr begann er auch sein pharmazeutisches Staatsexamen an der Universität Göttingen abzulegen. Dazu besuchte er auch Vorlesungen in Physik und Mineralogie. Zudem erhielt er die Möglichkeit als Assistent im Labor von Prof. Wöhler tätig zu sein.
Der österreichische Abenteurer Karl von Scherzer brachte 1859 von der Novara-Expedition auf Bitten Wöhlers einen Ballen Kokablätter nach Göttingen mit. Die Novara-Expedition (1857–59) war die erste und einzige groß angelegte Weltumsegelungsmission der Kaiserlich Österreichischen Kriegsmarine. Weltweit bekannt wurde sie durch die später als Bestseller in mehreren Sprachen veröffentlichten Berichte über die wissenschaftliche Ausbeute der Reise.
Bedingt durch sein Studium der Pharmazie und Botanik begann sich Niemann für die Cokablätter zu interessieren. Er isolierte 1860 als erster das Kokain in kristalliner Form aus diesen Kokablättern und gab ihm seinen Namen. Bei genaueren Untersuchungen stellte er unter anderem fest, dass es bei 98 °C schmilzt und beim weiteren Erhitzen in Salz- und Benzoesäure sowie Methanol und Ekgonin zerfällt.
Niemann konnte seine Untersuchungen nicht vollenden und musste schwerkrank zu seiner Familie nach Goslar zurückkehren, wo er kurze Zeit später mit nur 26 Jahren am 19.01.1861 verstarb. Wahrscheinliche Todesursache war eine Vergiftung mit Senfgas, mit dessen Erforschung sich Niemann vor seinen Kokain-Studien intensiv beschäftigt hatte. In seiner Arbeit „Ueber die Einwirkung des braunen Chlorschwefels auf Elaylgas“ beschreibt er ein „dem Meerettichöl gleichendes und mit einem ähnlichen, wenn nicht so heftigen penetranten Geruch begabtes Öl“. Wahrscheinlich handelt es sich um Dichlordiäthysulfid, eine hochgiftige Substanz. Niemann erforschte und beschrieb diese Substanz und wurde auch ihr erstes Opfer, bevor sie als Senfgas (chemisches Kampfmittel) im 1. Weltkrieg eingesetzt wurde und tausenden Soldaten das Leben kostete.
Nach seinem Tod führte sein Kollege Wilhelm Lossen (1838–1906) seine Arbeiten weiter und bestimmte 1862 die Summenformel des Kokains C17H21NO4. Im 1879 Jahr entdeckte Vassili von Anrep (1852–1927) an der Universität Würzburg die schmerzstillende Wirkung des Kokains. Um 1884 kam es als lokales Anästhetikum in Deutschland in klinischen Gebrauch. ungefähr zur selben Zeit, als Sigmund Freud über dessen Wirkungen in seinem Werk über Coca schrieb: „Die psychische Wirkung des Cocainum mur. in Dosen von 0,05 bis 0,10 Gramm besteht in einer Aufheiterung und anhaltenden Euphorie, die sich von der normalen Euphorie des gesunden Menschen in gar nichts unterscheidet. Es fehlt gänzlich das Alterationsgefühl, das die Aufheiterung durch Alkohol begleitet, es fehlt auch der für die Alkoholwirkung charakteristische Drang zur sofortigen Betätigung. Man fühlt eine Zunahme der Selbstbeherrschung, fühlt sich lebenskräftiger und arbeitsfähiger; aber wenn man arbeitet, vermisst man auch die durch Alkohol, Tee oder Kaffee hervorgerufene edle Excitation und Steigerung der geistigen Kräfte. Man ist eben einfach normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, dass man unter irgendwelcher Einwirkung steht.“
In den folgenden Jahrzehnten fand Kokain Eingang in zahlreiche medizinische Anwendungen. In der ersten Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola war bis 1906 einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen) enthalten, sodass ein Liter Coca-Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Auch heute enthält Coca-Cola noch – allerdings nichtalkaloide – Inhaltsstoffe der Cocablätter. Auch sonst war Kokaingebrauch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa weit verbreitet und legal. Die Gefährlichkeit der Substanz wurde nur allmählich erkannt, denn Kokain ist eine Rauschdroge mit hohem psychischen aber keinem physischen Abhängigkeitspotenzial.




Interessantes zum Klimawandel

Der Klimawandel wird schon den Kindern im Kindergarten vermittelt. Er stellt mittlerweile bei den Deutschen eine der größten Sorgen dar. Auch ich möchte ihn nicht in Zweifel ziehen, doch es gibt ihn schon seit es auf der Erde ein Klima gibt. Über die Umstände die zu diesen Klimaveränderungen führten und führen bestehen nur ansatzweise Erkenntnisse. Dennoch wird den Menschen heute eine entscheidende Rolle für unseren derzeitigen Klimawandel zugesprochen. Ihre Lebensweise soll den Klimawandel stark forcieren. Die uns dafür von der Wissenschaft gelieferten Fakten sind vom normalen Bürger nicht zu widerlegen. Auch ich möchte eine gewisse Mitwirkung der Menschen am Klimawandel nicht bestreiten. Der Tenor liegt jedoch auf „gewisse Mitwirkung“, denn der Klimawandel findet auch ohne unser Mitwirken statt und wir können nichts dagegen tun.
Sicher ist, die Menschen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit hatten an Klimaveränderungen keinen Anteil, was wohl auch weitgehend auf das Mittelalter zutrifft. Heute machen Wissenschaft und Politik aus einem unbestrittenen Problem ein Drama, eine Existenzfrage.
Vom vor- und frühgeschichtlichen Klimawandel kann uns nur die Archäologie berichten. Im Mittelalter begannen die Menschen schwere Unwetter, die wohl auf klimatische Veränderungen zurückzuführen sind, schriftlich festzuhalten. Besonders die Mönche in den Klöstern taten sich dabei hervor.
Ich möchte in der Folge derartige Unwetter, die ja auch Naturkatastrophen waren, für den norddeutschen Raum aufzeigen. Sie sind ein beredendes Zeugnis dafür, wie wenig Einfluss wir Menschen auf das Klima haben. Dennoch möchte ich Umwelt-, Klima- und Naturschutzmaßnahmen nicht in Abrede stellen: Nur die Verhältnismäßigkeit sollte gewahrt bleiben.

– 516: Bei einer Sturmflut in Friesland sollen 6 000 Menschen ertrunken sein.
– 533: Nach dreitägigem Sturm eine sehr große Sturmflut an der Nordsee.
– 584: Große Sturmflut in Friesland.
– 586: Die Nordseeküsten werden von einer großen Sturmflut heimgesucht.
– Um 626: Ungeheure Sturmflut in Friesland
– 792: 7. November ungeheure Sturmflut in Friesland.
– 800: Sehr große Sturmflut er Nordsee schädigt Helgoland, das damals aus zwei Tafelbergen bestand, die annähernd gleich hoch waren.
– 806: Sehr große Sturmflut in Friesland.
– 821/22: Die bereits im September einsetzende Winterkälte hält ununterbrochen bis April an.
– 838: 26. Dezember, eine schwere Sturmflut, deren Höhe die Dünenkämme erreicht, sucht unsere Nordseeküste heim; wahrscheinlich erster Ansturm zur Entstehung der Leybucht; ein großer Teil der zwischen Ems und Weser überlebenden Ostfriesen wandert nach Nordfriesland aus.
– 863: Der Winter bleibt frostfrei. Es folgt eine Heuschreckenplage, die bis zehn Jahre lang die Enten zerstören und in Frankreich und Deutschland zu großen Hungersnöten führte.
– 975: Nach langem hartem Winter fällt am 14. Mai noch sehr viel Schnee.
– 984/85: Sehr kalter Winter mit Frost von November bis Mai.
– 989: mächtige Sturmflut in Friesland.
– 993/94: Strenger Winter mit starkem Frost bis Mitte April. In der darauf folgenden Sommerdürre versiegen viele Bäche und Flüsse.
– 999 und 1000: Zwei unerhört heiße und trockene lassen viele Bäche und Flüsse versiegen.
– 1015 -1017: Alljährlich besonders starke Sturmfluten an der Nordsee.
– 1066: Ungeheure Sturmflut an der Nordsee (soll auch des Schloss Mellum vernichtet haben).
– 1072: Besonders milder Winter, so dass die Bäume schon zu Neujahr ausschlagen und die Vögel im Februar Junge haben.
– 1076/77: Der äußerst strenge Winter legte die Flüsse von Ende November bis Ende März unter Eis.
– 1120: In den Dörfern um Halberstadt werden neben Vögeln sogar Ochsen und anderes Vieh vom Hagelschlag getötet.
– 1122: Von Magdeburg bis Halberstadt starker Hagel, der große Zerstörungen anrichtet.
– 1124: Bemerkenswerte Sturmflut an der Nordsee.
– 1128: Zu Pfingsten fällt ungewöhnlich viel Schnee.
– 1144: Eine starke Sturmflut soll von der Nordseeküste fast 12 Meilen weit ins Land eingedrungen sein.
– 1162: Ungeheure Sturmflut an der Nordsee; gleichzeitig im ganzen Land schwerste Gewitterstürme.
– 1164: 17.Februar ungeheurer Gewittersturm in ganz Norddeutschland, Überschwemmungen an Elbe und Weser sowie schwere Sturmflut an der Nordsee mit angeblich 100 000 Toten. Mit dieser „Julianenflut“ begann die Bildung des Jadebusens.
– 1170: Außerordentlich schwere Sturmflut schädigt die ostfriesische Küste stark.
– 1171: schwere Sturmflut an der Nordsee, schwere Gewitterstürme in ganz Norddeutschland.
– 1172,1173,1174: Außergewöhnliche Sommerhitze mit großer Dürre.
– 1185: Außergewöhnlich warmer Winter, in der Adventszeit bilden sich Knospen, im Januar 1186 spießen die Blätter und die Bäume stehen in Blüte.
– 1200: 100 000 Menschen sollen einer starken Sturmflut an der Nordsee zum Opfer gefallen sein.
– 1212-1214: Auffallend starke und zahlreiche Sturmfluten an der Nordsee.
– 1216: Sehr starke Sturmflut soll allein in der Bremer Gegend 20 000 Menschen dahingerafft haben.
– 1218: 17. November: Ungeheure Sturmflut schädigt die ostfriesische Küste und soll insgesamt 100 000 Menschen getötet haben.
– 1219: 16. Januar: Eine ungeheure Flut vertieft den bereits 1164 begonnenen Jadebusen und soll 36 000 Menschenopfer gefordert haben.
– 1220: Riesige Sturmflut am 4. Januar.
– 1222: Große Sturmflut am 14. Januar
– 1223: 27. Januar mächtige Sturmflut an der Nordsee.
– 1228: Schwerste Regengüsse überschwemmen große Teile Ostfrieslands sowie des Magdeburger Gebietes.
– 1230: Ungeheure, mit Sturmfluten verbundene, Sturmflut an unseren Küsten.
– 1233: Alle norddeutschen Flüsse waren in extrem hartem Winter zugefroren.
– 1237: Sehr große Sturmflut on der ostfriesischen Küste.
– 1242: Große Sturmflut am 20. November an der ostfriesischen und oldenburgischen Küste.
– 1248: Sehr starke Sturmflut am 19. November an der Nordseeküste.
– 1257: 9. Oktober: große Sturmflut an der Küste und große Überschwemmungen an der Ems.
– 1263: 23. Juni: Wolkenbruch fordert im Braunschweigischen mehrere Todesopfer.
– 1266: 16. Januar: Sehr große Sturmflut an der Nordsee.
– 1268/69: Sehr strenger Winter von November bis Februar – Skagerrak und Kattegatt komplett zugefroren.
– 1273: In Ostfriesland kommen 2 000 Menschen bei einer Überschwemmung (Sturmflut?) um.
– 1277: 13. Januar: Sehr große Sturmflut in Ostfriesland. Das Nordseewasser wir bis zum holländischen Kloster Ter Apel (grenznah) getrieben, dass sin ca. 40 km landeinwärts. Im Kloster sterben 70 Menschen.
– 1287: Sehr milder Winter, die Bäume blühen bereits im Januar. Eine heftige Sturmflut an der Nordseeküste soll wieder, wie 10 Jahre zuvor, tief ins Binnenland vorgedrungen sein und erneut in Ter Apel viele Menschen getötet haben.
– 1288: Schwere Sturmfluten an der Nordsee und heftige Orkane in den Monaten Januar und Februar.
– 1289: sehr warmer Winter, um Neujahr blühen Violen und Korn, die Mädchen schmücken sich mit Blumen, die Vögel brüten im Januar, im Februar ist man Waldbeeren, Im April blühen die Reben.
– 1292: Milder Winter bis Februar, dann jedoch frieren alle Flüsse zu und können schwere Lasten tragen, auch das Kattegatt friert zu.
– 1300: Helgoland und andere Nordseeinseln leiden unter sehr starken Sturmfluten.
– 1301: extrem warmer Winter.
– 1303 und 1304: Sehr große Trockenheit, die Weser und zahlreiche andere Flüsse in ganz Deutschland trocknen im Sommer aus.
– 1313: sehr große Sturmflut an der Nordsee.
– 1313 bis 1317: ungewöhnlich nasse Jahre in ganz Deutschland.
– 1323: Sehr harter Winter: Es herrscht so strenger und langer Frost, dass man von Lübeck bis Kopenhagen über die Ostsee laufen konnte.
– 1333: Ein Wolkenbruch zerstört die Dörfer Wagenrode und Wisenhorst, westlich der Rehburger Berge, fast vollständig.
– 1334: 23. November: Die Clemensflut erweitert den östlichen Teil des Jadebusens; die Heete stößt zur Weser durch und Butjadingen wird zur Insel.
– 1336: 27. Und 28. Oktober: Ungeheurer Sturm und mächtige Sturmflut an der Küste.
– 1342: Juli: Höchstes bis heute bekanntes Hochwasser aller niedersächsischen Flüsse, viele massive Brücken werden zerstört, viele Häuser brechen zusammen, viele Städte wie Hann.-Münden, Hameln, Minden stehen tagelang unter Wasser, ungezählte Tote.
– 1362: 16. Januar: Die zweite Marcellusflut, auch Grote Mandrenke genannt (großes Ertrinken) war eine gewaltige Sturmflut in Friesland. Sie verursachte wahrscheinlich den ersten Dollart-Einbruch, ferner die Leybucht und große Landverluste am Jadebusen.
– 1370: 16. Januar: schwere Sturmflut an der ostfriesischen Küste.
– 1372: große Sturmflut an der Nordsee.
– 1373: 9. Oktober: Sehr große Sturmflut.
– 1374. 9. Oktober: Die furchtbare Dionysusflut schädigt die Nordseeküste schwer.
– 1377: 15./16. November: Große Sturmflut vernichtet 30 Kirchspiele.
– 1382: Ungeheurer Regenguss überschwemmt Braunschweig.
– 1387: Die außerordentliche Hitze jenes Sommers gibt ihm auf Jahrhundert hinaus den Namen „Der alte, heiße Sommer“; niedrigster Flusswasserstand im ganzen Land.
– 1398: Die große Insel Bant zerfällt nach gewaltiger Sturmflut in die heutigen Inseln Borkum, Juist und Norderney.
– 1400: Große Sturmflut, „de vriessche vloet“ genannt, wütet an der ostfriesischen Küste.
– 1401: 23. April bis 17. September fällt täglich Regen.
– 1403 und 1404: Im November sehr große Sturmfluten an der Nordsee.
– 1405: Täglicher Regen von Anfang August bis Neujahr.
– 1407/08: Außerordentlich strenger Winter – Der Große Winter genannt.
– 1421: Außergewöhnlich schwere Sturmflut an der Nordsee.
– 1424: Die Besiedlung von Aldesum im heutigen südlichen Jadebusen, noch um 1350 ein vielbesuchter Markt mit einer Gaukirche, wird infolge von Sturmfluteinwirkungen aufgegeben.
– 1425: Extrem warmer Winter, Kornblumen, ausgefallene Erbsen und Bohnen blühen im Dezember.
– 1427: Bäume blühen im Dezember.
– 1434 bis 1437: Jährlich große Sturmfluten:
– 1446: 10. April: ungeheurer Sturm, schwere Gewitter, sehr starke Schneefälle und verderbliche Kälte; furchtbare Sturmflut vernichtet 16 Küstenorte und verschlingt angeblich 100 000 Menschen.
– 1468: Sehr kühler, nasser Sommer mit großen Hochwässern; in Braunschweig werden Tote aus den Gräbern gespült, das Korn bleibt ungemäht stehen, der Wein missrät, im folgenden Winter extrem starker Schneefall der Schäden an Häusern verursacht, schwere Schneebrüche im Wald.
– 1473: Sehr trockener Sommer, denn „Wasser war teurer als Wein“. Von Mitte April bis zum 8. September kein Tropfen Regen. Mühlen stehen wegen Wassermangel still, schwere Waldbrände im Harz.
– 1479: Heißer, trockener Sommer, Mangel an Wasser, in Braunschweig kann weder gebacken noch gebraut werden, alles wird aus Magdeburg geholt.
– 1481: In Magdeburg fallen hühnereigroße Hagelkörner in riesigen Mengen, Unwetter bringt ein Ausufern der Elbe und mächtige Überschwemmungen.
– 1485: Den ganzen Januar über große Sturmfluten.
Diese Unwetterchronik führt nur die bedeutendsten Ereignisse auf und zudem nur für Nordwestdeutschland. Sie zeigt jedoch eindrucksvoll, dass es mächtige Unwetter auch vor vielen Jahrhunderten gab. Auch damals fand ein Klimawandel statt, dessen Ursachen wir jedoch nicht kennen und wohl ohne Zutun des Menschen. Wir sollten dennoch Klimaschutz betreiben, jedoch ohne Hysterie und mit Augenmaß.
Dazu demnächst das Thema Wärmedämmung.




Der letzte Versuch den 2. Weltkrieg zu verhindern – letzter Teil

Am 1. September 1939 um 8 Uhr morgens traf Birger Dahlerus wie vereinbart bei Hermann Göring ein. Göring wirkte bedrückt und redete über allerhand unwesentlicher Dinge. Doch dann berichtete er Dahlerus, dass in der Nacht polnische Freischaren die Radiostation Gleiwitz besetzt hätten. Von dort hätten sie dann die Mittelung verbreitet, das die Polnische Armee in Deutschland eingedrungen sei und es zu mehreren schweren Gefechten zwischen polnischen und deutschen Einheiten gekommen sei. Dieser angebliche Vorfall wurde von Hitler als polnische Kriegserklärung an Deutschland gesehen.
Heute gilt als gesichert, gemäß der Aussage von SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks, dass dieser vom Chef des SD Reinhard Heydrich den Befehl zu dieser Geheimoperation erteilt bekommen hatte und dass dieses Täuschungsmanöver „Unternehmen Tannenberg“ von deutschen SS-Kräften ausgeführt wurde. Laut Naujocks hatte Heydrich gesagt: „Ein tatsächlicher Beweis für polnische Übergriffe ist für die Auslandspresse und für die deutsche Propaganda nötig.
Ob Göring zu diesem Zeitpunkt die Wahrheit über diese Ereignisse wusste ist nicht geklärt, nach den Schilderungen von Dahlerus jedoch anzuzweifeln.
Göring berichtete in seinem Salonwagon Dahlerus, dass Hitler nach dieser polnischen Kriegserklärung in der Nacht dem Deutschen Heer den Befehl erteilt habe, in Polen einzumarschieren und die Polen zurückzuschlagen. Zudem sei der Befehl an die deutsche Luftwaffe gegangen, die polnische Fliegerei zu zerstören.
Hitler hatte den Frieden gebrochen und begonnen Polen mit Waffengewalt zum Nachgeben zu zwingen – so sah es der Schwede Birger Dahlerus. Das Gespräch war nicht von langer Dauer. Göring musste zur Reichstagsversammlung nach Berlin und Dahlerus begab sich in die englische Botschaft.
Henderson und Dahlerus hörten Hitlers Rede und waren sich einig, dass die Lage wenig hoffnungsvoll war. Es drohte ein verheerender Krieg in ganz Europa.
Kurz nach 11 Uhr erhielt Dahlerus einen Anruf von Göring, der Dahlerus bat in die Reichskanzlei zu kommen, da Hitler eine Rücksprache mit ihm wünsche. Dahlerus hatte zwar Bedanken, sagte aber dennoch zu. Kurze Zeit später wurde er abgeholt und in die Reichskanzlei gebracht. Dort wurde er von Göring empfangen, der ihm stolz mitteilte, dass er von Hitler zu dessen Stellvertreter ernannt worden war. Weiterhin teilte er Dahlerus mit, dass er zwar loyal zur Politik des Deutschen Führers stehen müsse, sich aber dennoch weiterhin für einen Friedensprozess einsetzen würde.
Dann brachte Göring Dahlerus zu Hitler. Dahlerus bezeichnet Hitlers Auftreten als „anomal , wie von Sinnen“. Zwar dankte Hitler Dahlerus für seine Friedenbemühungen, schob jedoch das Misslingen allein auf England. Göring versuchte einzulenken woraufhin Hitler sich zu weiteren Gesprächen mit England bereit erklärte. Doch schon im nächsten Augenblick schien er erneut die Kontrolle zu verlieren. Gemäß Dahlerus begann er erregt zu schreien und wild zu gestikulieren: „ Wenn aber die Engländer nicht verstehen, dass sie es in ihrem eigenen Interesse vermeiden müssen, mit mir zu kämpfen, so werden sie ihren Fehler teuer bezahlen müssen. Wenn England ein Jahr kämpfen will, so werde ich ein Jahr kämpfen; wenn England zwei Jahre kämpfen will so werde ich zwei Jahre kämpfen; wenn England drei Jahre kämpfen will so werde ich drei Jahre kämpfen und wenn es erforderlich ist, so werde ich auch zehn Jahre kämpfen.“
Dahlerus verlies Hitler mit der Erkenntnis, dass von diesem nichts Gutes zu erwarten war. Er fuhr dann mit Göring ins Esplanada zum Lunch. Dabei versuchte er zu ergründen, ob Göring wirksame Schritte unternehmen könnte und würde, um den Krieg aufzuhalten – zu einem Ergebnis kam er jedoch nicht.
Dieser Tag verging mit Gesprächen, die Dahlerus wechselseitig mit Göring und der englischen Botschaft führte. Der Schwede wollte, trotz der aussichtslos erscheinenden Lage, in dieser Situation seine Bemühungen nicht aufgeben.
Am 2. September um 8 Uhr traf Dahlerus wiederum mit Göring zusammen. Doch er erkannte, das Göring sich verändert hatte und den Ernst der Situation wohl nicht erkannt hatte oder aber nicht erkennen wollte.
Nach einer englischen Note vom 1. September, die von deutscher Seite nicht beantwortet worden war, überbrachte der britische Botschafter Henderson am Sonntag, den 3. September 1939, gegen 9 Uhr ein Ultimatum an Außenminister Ribbentrop. Dieses Ultimatum verlangte Bescheid von der deutschen Regierung über die bereits am 1. September nachgefragten Punkte bis 11 Uhr des Tages: 1. Wann und ob Deutschland die Feindseligkeiten gegen Polen einstellt; 2. Wann und ob die deutschen Truppen sich wieder hinter die deutschen Grenzen zurückziehen werden.
Dahlerus und Göring diskutierten dann das englische Ultimatum. Dann einigte man sich, dass Göring unverzüglich Hitler anrufen sollte, um von diesem den Standpunkt zu erfahren. Es waren Minuten des Bangens. Göring telefonierte mit Hitler und Dahlerus aus Görings Sonderzug mit London und es schien nochmals einen Funken Hoffnung zu geben. Jedoch die Zeit verstrich ohne eine Annäherung zu erzielen. Göring konnte nichts mehr beeinflussen und auch nicht Birger Dahlerus. Beide waren zum Warten verdammt, das Geschehen hatte eine Eigendynamik entwickelt die wohl nicht mehr aufzuhalten war.
Dahlerus saß noch immer mit Göring zusammen, es war mittlerweile 11.15 Uhr, als einige höhere deutsche Offiziere kamen und Hermann Göring, dem zweiten Mann im Deutschen Reich, eine Mitteilung überreichten. Göring trug Dahlerus die Nachricht vor: Sie besagte, Chamberlain habe gleich nach 11 Uhr im Rundfunk die Nachricht bekanntgegeben, das Großbritannien sich mit Deutschland im Kriegszustand befinde, da Deutschland die Note nicht vor 11 Uhr beantwortet habe.
So war auch der letzte Versuch einen neuen Weltkrieg zu vermeiden, gescheitert. Der schwedische Industrielle Birger Dahlerus hatte sich wochenlang ins Zeug gelegt und mit den höchsten Vertretern aus Deutschland und Großbritannien verhandelt und äußerst viel diplomatisches Geschick bewiesen. Kein anderer war wohl so in die Kriegsverhinderungsdiplomatie verstrickt, kein anderer Zeitzeuge war mehr involviert als dieser Schwede, dessen Engagement heute kaum noch bekannt ist und dessen geschichtsträchtiges Wissen um diese Geheimverhandlungen kaum Eingang in die Geschichtsschreibung gefunden hat.