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In der Wissenschaft wird fleißig gearbeitet und geforscht, jedoch braucht es ab und an auch einen klugen Gedanken. Denn wenn alle Berechnungen versagen ist dies nicht Zufall, sondern Unwissen.

Bernd Sternal

Die Beutekunst der Nationalsozialisten Teil 2

Die sowjetischen wie auch die US-amerikanischen „Beutekunstsucher“ folgten jedoch nicht nur ihrer Kulturmission, sie arbeiten leider, jedoch nachvollziehbar, auch im eigenen und mitunter persönlichen Interesse. Den es ging nach Kriegende nicht nur um Sicherung der Beutekunst sondern leider teilweise auch um sogenannte Wiedergutmachung und auch um persönliche Bereicherung. Denn es waren nicht nur geraubte Kunstgüter in Deutschland versteckt worden, sondern auch Kunstgüter, die vor den Nazis, vor den Alliierten oder auch vor anderen Räubern in Sicherheit gebracht werden sollten. So beispielsweise auch der Quedlinburger Domschatz, von dem große Teile Schenkungen der Ottonischen Kaiser waren. Es handelt sich dabei um einmalige Kunstwerke sowie kunsthandwerkliche Stücke, die vorrangig aus dem Früh- und Hochmittelalter stammen. Bereits 1943 waren die wertvollsten Teile des Domschatzes in einer Höhle bei Quedlinburg unter der Altenburg versteckt worden. Am 19. April 1945 besetzten dann amerikanische Truppen Quedlinburg. Die Verantwortung für die Höhle und den Schatz bekam der US-Leutnant Joe Tom Meador (* 30. Juni 1916, † 1. Februar 1980) übertragen. Dieser kunsthistorisch bewanderte Offizier erkannte die Bedeutung des Schatzes und entschloss sich die wertvollsten 21 Stücke davon zu stehlen und per Feldpost in seinen Heimatort nach Texas zu schicken. Gedacht, getan: 1980 verstarb Meador jedoch und die Schatzstücke befanden sich noch immer in Texas. Seine Erben versuchten die Kunstwerke auf dem internationalen Kunstmarkt zu verkaufen. Um Beutekunst im eigentlichen Sinne des Wortes handelte es sich hierbei jedoch nie, da der Diebstahl die Tat eines einzelnen Individuums war und nicht auf Befehl der US-amerikanischen Besatzungsbehörden erfolgte.
Der Kunsthistoriker Willi Korte entdeckte die Stücke auf dem Kunstmarkt und kämpfte nach der Wiedervereinigung um die Rückkehr nach Deutschland. Es wurde ein langes juristisches Ringen, das letztlich mit einem Vergleich abgeschlossen wurde. 1993 kehrten die gestohlenen Stücke des Quedlinburger Domschatzes nach Quedlinburg zurück, wo sie in der romanischen Stiftskirche St. Servatius zusammen mit den anderen Schatzstücken ausgestellt werden. Alle Beutestücke ließen sich jedoch nicht wieder auffinden und einige blieben bis heute verschollen.
Reichsmarschall Hermann Göring, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Nationalsozialisten, hatte einen ausgeprägten Hang zu Luxus und Glamour. Sein repräsentatives, neohistorisches Anwesen Carinhall in der Schorfheide, nordwestlich von Berlin, ließ Göring im Innen- und Außenbereich mit vielen Kunstwerken ausstatten. Er trug eine Privatsammlung zusammen, die im Wesentlichen aus Raub- und Beutekunstwerken bestand und von beträchtlichem Wert war: auf 50 Millionen Mark belaufen sich die Schätzungen.
Anfang 1945 ließ Göring Carinhall sprengen. Zuvor schaffte er die wertvollsten Stücke seiner Sammlung in Sonderzügen nach Berchtesgaden: aber eben nur die wertvollsten. Es heißt, seine Mannschaft habe sich dann noch reich bedient und vieles auf dem Gelände versteckt.
Dann kamen die Sowjets, inspizierten kurz das gesprengte Objekt und planierten es. Dennoch ist das Gelände, das nochmals nach der Wiedervereinigung von der Brandenburger Landesregierung planiert wurde, ein Schatzsuchereldorado. Wohl nicht ganz zu Unrecht, denn es werden immer wieder neue Funde bekannt. Zumal wohl von den zahlreichen unterirdischen Anlagen wenig bekannt. Im angrenzenden Großen Döllnsee, wurden von Tauchern des Innenministeriums drei Skulpturen des Bildhauers Arno Breker gefunden, auch der Kopf einer antiken Statue soll gefunden worden sein. Schatzsucher buddelten in den vergangenen Jahren silberne Serviettenringe, Silberlöffel, Orden und griechische Vasen aus. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/16689038 ©2017. Es werden auf dem Gelände noch zahlreiche „Schätze“ vermutet, bis hin zum Bernsteinzimmer, dass dort mehrfach gesucht wurde. Jedoch findet das Land Brandenburg bisher keinen Umgang mit der Geschichte von Carinhall. Und da das Graben nach Görings Schätzen juristisch als Raubgraben angesehen wird, werden wir von Funden wohl auch nur mit viel Glück etwas erfahren. Jedoch hat man mit Totschweigen noch nie ein Problem lösen können.
Görings Kunstsammlung wurde schon auf dem Transport sowie bei der Einlagerung in Berchtesgaden stark geplündert. Schon 1943 hatte er einen Teil seiner Sammlung ins Salzbergwerk Altaussee schaffen lassen. Alle noch auffindbaren Kunstwerke aus Görings Sammlung wurden von den US-Amerikanern beschlagnahmt und in die zentrale Sammelstelle nach München geschafft.
Von den geheimen Einlagerungsstätten der Nationalsozialisten für ihre Raub- und Beutekunst ist erschreckend wenig bekannt. Auch über das Salzbergwerk bei Heilbronn wurde nur wenig publiziert, obwohl es das wohl größte Depot darstellte. Der Film „Monuments Men“ rief die Einlagerungsstätte dann als „Schatzkammer der Kunst“ ins Gedächtnis zurück. Zuvor hatte bereits 1997 der Heilbronner Archivdirektor Christhard Schrenk ein 400seitiges Werk mit dem Namen „Schatzkammer Salzbergwerk“ herausgegeben, das jedoch seit langer Zeit nicht mehr im Handel erhältlich ist. Schrenk hat darin den Ablauf und den Umfang der Kunsteinlagerungen minutiös dargestellt. Dabei war die Faktenlage dünn, die Unterlagen und Akten waren überall verstreut, genauer, wenn auch nicht immer ganz korrekt waren die amerikanischen Quellen und Augenzeugenberichte. 40 000 Kisten mit Kunstgegenständen sollen es gewesen sein, die dort in Heilbronn eigelagert waren und den Amerikanern in die Hände fielen.
Dennoch muss der Autor eingestehen, dass sich über die Inventarlisten die Kisteninhalte nur bruchstückhaft ermitteln lässt. Dennoch konnte Schrenk dokumentieren, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Einlagerungen imponierend war.
Nach langem Häuserkampf war Heilbronn am 12. April 1945 endgültig von den Amerikanern eingenommen worden, nur vier Tage später traf hier, so recherchierte es Schrenk, James R. Rimorer als zuständiger Kunstschutzoffizier ein. Zunächst jedoch sicherte er Kunstschatz-Depots in Neuschwanstein, auf Herrenchiemsee sowie bei Memmingen. Die Kunstschatz-Offiziere sicherten und begutachteten die Heilbronner Kunstschätze. Erwähnt werden muss jedoch, das damals nur etwa zwei Prozent der aufgefundenen Kunstschätze als illegale Raubkunst eingestuft worden sind.
Wie groß die Anzahl der von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke ist, darüber kann bis heute nur spekuliert werden. Nicht anders sieht es bei der Anzahl der Kunstwerke aus, die an ihren ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben worden sind. Auch dazu gibt es keine Dokumentationen, nicht einmal verlässliche Zahlen: Die Schätzungen diesbezüglich bewegen sich zwischen 50 und 80 Prozent. Es gibt zudem jedoch auch Expertenmeinungen, die besagen, dass nur etwa ein Drittel der „Nazischätze“ bisher wiedergefunden worden ist.
Wo die noch vermissten Kunstobjekte abgeblieben sind darüber kann nur spekuliert werden. Ein Teil ist sicherlich noch immer in Depots versteckt, die bisher noch nicht aufgefunden wurden. Ein Teil wurde von den Nazis auch ins Ausland geschafft, insbesondere in die Schweiz. Auch die deutsche Bevölkerung hat sich an Plünderungen von Transporten beteiligt. So kamen beim Abtransport der Kunstschätze aus Heilbronn drei ganze LKWs samt Ladung abhanden. Zudem wird davon ausgegangen, dass noch heute zahlreiche geraubte Kunstwerke vergessen in den Archiven deutscher und österreichischer Museen ihrer Entdeckung harren.
Viele Kunstwerke verschwanden auch bei den Alliierten, insbesondere bei den US-Amerikanern und den Sowjets. Sol Chaneles, ein 1990 verstorbener Kunstraubforscher und Professor für Kriminalrecht der Rutgers University, New Jersey, berichtete über ein großes mit deutschem Kulturgut vollgestopftes Transportflugzeug, das im Sommer 1945 von München in die USA geflogen sei – was daraus geworden ist, ist bis heute ungeklärt. Chaneles berichtete ebenfalls von dem Verschwinden der Sammlung Schloss, einer Sammlung niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts, deren Bestände angeblich nun nach einem wahren Irrweg zwischen Vichy-Frankreich und den Nationalsozialisten im Depot der National Gallery in Washington liegen sollen. Es gab aber auch viele US-amerikanische Soldaten, die sich ohne Auftrag privat bereicherten, was auch auf Sowjetsoldaten zutrifft.
Von den Amerikanern wurde jedoch auch eine Vielzahl von Kunstwerken mitgenommen, die nicht der Raubkunst zugerechnet werden konnte. Insbesondere deutsche Archive und Bibliotheken wurden systematisch geplündert und wertvolle alte Bücher in die USA geschafft. Schon häufig bin ich bei Recherchen auf alte Bücher gestoßen, die in Deutschland nicht mehr vorhanden sind, jedoch von US-amerikanischen Universitäten eingescannt im Netz zu finden sind.
Zwar waren die Amerikaner, entgegen aller vorheriger Absprachen den Sowjets häufig zuvor gekommen, dennoch hatte die sogenannte sowjetische Trophäenkommission in ihren besetzten ostdeutschen Gebieten viele deutsche Kulturgüter beschlagnahmt und in die Sowjetunion verbracht. Auch diese Kunstgüter stammten nur zu einem geringen Teil aus Raubgutbeständen. Die Sowjets betrachteten deutsche Kulturgüter ganz einfach als Reparatiobsobjekte.
Zwar wurden bereits 1955 die in der Sowjetunion eingelagerten Bilder der Dresdner Gemäldegalerie zurückgegeben, doch erst 1992 hob die russische Regierung die jahrzehntelange strenge Geheimhaltung der in geheimen Magazinen versteckten „Beutekunst-Bestände“ auf. In einem deutsch-russischen Vertrag wurde vereinbart, „unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter an den Eigentümer“ zurückzugeben. In der Folgezeit führte in Russland die Behandlung des Beutekunst-Problems zu massiven innenpolitischen Auseinandersetzungen. Mehrfach erklärte die Duma gegen den Widerstand von Präsident Boris Jelzin die Beutekunst zum ständigen Eigentum Russlands. Die Beutekunstfrage gilt als ein wesentliches, derzeit noch immer ungelöstes Problem in den deutsch-russischen Beziehungen.
In den 1990er Jahren gingen das Puschkin-Museum und das Historische Museum in Moskau sowie die Eremitage in Sankt Petersburg dazu über, Beutekunst-Bestände aus den Geheimlagern herauszuholen und in Ausstellungen öffentlich zu zeigen. So zeigte 1995 die Eremitage französische Gemälde des 19. Jahrhunderts aus den Sammlungen von Friedrich Carl Siemens (1877–1952), Eduard von der Heydt, Alice Meyer (Witwe von Eduard Lorenz Lorenz-Meyer), Otto Gerstenberg, Otto Krebs, Bernhard Koehler und Monica Sachse (Witwe von Paul Sachse). Ein Jahr später folgte dort die Ausstellung mit Meisterzeichnungen aus deutschen Privatsammlungen. 1996 zeigte das Puschkin-Museum den so genannten Schatz des Priamos und 2007 die merowingerzeitlichen Funde aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, darunter die Schwertscheide von Gutenstein. Weitere bedeutende Objekte der Beutekunst in Russland sind umfangreiche Bestände der Kunsthalle Bremen (u. a. die so genannte Baldin-Sammlung), die Nachlässe von Ferdinand Lassalle und Walther Rathenau, Bestände der Gothaer Bibliothek und der fürstlichen Bibliothek in Wernigerode sowie die Rüstkammer der Wartburg. 2008 wurde bekannt, dass im Museum der ukrainischen Stadt Simferopol 87 Gemälde des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen ausgestellt werden, die bis 2005 als verschollen galten.
Der bronzezeitliche Eberswalder Goldschatz wurde 2013 im Rahmen der Ausstellung „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ in Sankt Petersburg gezeigt. In einer kurzen Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 21. Juni 2013 forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die russische Regierung dazu auf, die geraubten deutschen Kulturgüter zurückzugeben.
2016 wurden 59 Statuen, die ehemals im Bode-Museum in Berlin standen, im Puschkin-Museum in Moskau wiedergefunden.
Zudem wurde so einiges an Kunst- und Wertgegenstände vor den Alliierten versteckt, wobei es sich in der Regel nicht um Raubkunst, sondern um Eigentum gehandelt hat. Besonders der Adel brachte in der sowjetischen Besatzungszone Wertgegenstände vor den Sowjetsoldaten in Sicherheit. Und häufig konnten die Besitzer dann nicht zurückkehren oder kamen nicht mehr an die verstecke heran. Oder die Besitzer verstarben ohne die Verstecke weitergegen zu haben.
Einige Beispiele:
1996 wurde von Schatzgräbern bei Schloss Moritzburg der Schatz der Wettiner gefunden. Die Söhne von Ernst Heinrich Prinz von Sachsen, Dedo und Gero und der Revierförster hatten im Februar 1945 43 Kisten vergraben. Unter Folter verriet der Förster später das Versteck an die sowjetische Besatzungsmacht. Die Sowjets gruben den einen großen Teil aus und brachten den Schatz als angebliche Beutekunst widerrechtlich in die Sowjetunion, wo er sich bis heute befindet. Jedoch wurden 3 Kisten wohl übersehen und erst 1996 gefunden. Der Gesamtwert des Inhalts der drei Kisten wurde auf etwa 12 Millionen Euro geschätzt. Welchen Wert haben dann wohl die anderen 40 Kisten gehabt?
Auf Burg Falkenstein im Harz wurden bereits zwei Schätze der dort bis 1945 residierenden Asseburger gefunden. Der erste bestand aus wertvollen Kunst- und Kulturgütern und wurde vor 25 Jahren entdeckt. Vor wenigen Tagen wurde nun bei Bauarbeiten verstecktes Meißner Porzellan sowie weitere Kunstgüter gefunden.
Schloss Neumühlen in der Altmark ist Besitz der Grafen von der Schulenburg. 2001 wurde der Geschichtsforscher, Architekt und Schatzsucher F.H. Rainer Friebe von Günzel Graf von der Schulenburg beauftragt einen 1945 im Schloss versteckten Familienschatz zu finden. Die Mutter des Grafen hatte die Wertsachen der Familie vor den Sowjets versteckt, dem Sohn jedoch das Versteck nicht anvertraut. Friebe hatte Glück und fand den umfangreichen Schatz: Milchkannen voller alte Münzen, Gold, Silber, Schmuck, wertvolles Porzellan und einen Koffer voller wertvoller alter Dokumente.
Als Resümee kann zusammengefasst werden, dass auch über 70 Jahre nach Kriegsende die Problematik Raubkunst der Nationalsozialisten sowie Kunstraub der Alliierten noch nicht Ansatzweise geklärt werden konnte. Daher werden wohl immer wieder neue Funde und Widerentdeckungen gemacht werden. Und besonders das sogenannte Nazigold hat auch in seinen geheimen verstecken keine Verfallszeit. Aber darüber berichte ich demnächst.

Beutekunst der Nationalsozialisten Teil 1

Genter Altarbild
Genter Altarbild

Alle Einzelheiten über den Kunstraub der Nationalsozialisten weiß man bis heute nicht. Es gibt nur Schätzungen. Die Anzahl der beschlagnahmten und geraubten Kunstwerke auf wird auf etwa 600.000 Kunstwerke geschätzt: 200.000 innerhalb Deutschlands, 100.000 in Westeuropa und 300.000 in Osteuropa. Für Kunstwerke aus jüdischem Besitz galt vor Kriegsbeginn die Regelung, dass sie nur noch bis zu einem Preis von 1 000 Mark frei verkauft werden durften.
Für die erbeuteten Kunstgegenstände hatte Adolf Hitler die Vision in Linz ein Führermuseum zu errichten, in dem die bedeutendsten von ihnen ausgestellt werden sollten. Die übrigen Kunstgegenstände sollten in Deutschland auf exponierte Museen und Ausstellungen verteilt werden und die „entartet Kunst“ sollte einfach aus dem öffentlichen Bereich verschwinden. Hitler erließ dazu einen „Sonderauftrag Linz“ dessen Leiter zunächst der langjährige Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, Hans Posse, wurde. Nach dessen Tod 1942 übernahm der Kunstexperte Hermann Voss diese Sonderaufgabe.
Ursprünglich sollte der Führerbau in München als Depot für die Kunstwerke dienen. Dahinter stand die Absicht, Hitler eine bequeme Besichtigung, Auswahl und Kontrolle zu ermöglichen. Angesichts der schnell wachsenden Bestandszahlen mussten jedoch ab 1940 zusätzliche Depots eingerichtet werden, und zwar vornehmlich im Gau Oberdonau, der als der „Luftschutzkeller des Deutschen Reiches“ galt. Man fand sie in den von den Nationalsozialisten enteigneten Stiften Kremsmünster und Hohenfurth/Vyšší Brod.
Jedoch kam das Führermuseum in Linz nie über den Planungsstatus hinaus. Lange Zeit rankten sich zahlreiche Sagen und Mythen um dieses Hitler-Projekt. Es hieß unter anderem, es sollte das größte Museum der Welt in Linz entstehen. Größer als der Louvre, die Uffizien und die Nationalgalerie in Washington zusammen, so stellte man sich das Führermuseum vor.
Dann fand die Wiener Kunsthistorikerin Birgit Schwarz um das Jahr 2000 herum in der Berliner Oberfinanzdirektion Fotoalben und Unterlagen zum Projekt Linz. Durch diesen Fund konnte Schwarz belegen: Hitlers Gemäldegalerie sollte eine große Abteilung zur europäischen Altmeisterkunst bis zum 18. Jahrhundert beherbergen und eine Abteilung deutscher und österreichischer Malerei des 19. Jahrhunderts. Neuzeitliche und moderne Kunst sollten nie in Linz präsentiert werden. Der Mythos von der Riesengalerie in Linz resultierte wohl ausschließlich auf der Masse der Funde an Kunstgegenständen nach dem Krieg.

Bruegger Madonna Altaussee
Bruegger Madonna Altaussee
Als die Bombardierungen in Deutschland zunahmen und von Westen und Osten sich die Kriegsgegner näherten, wurden zahlreich Depots aufgelöst um die Kunstwerke in Sicherheit zu bringen. Man suchte nach neuen Depots, die gut versteckt und zudem Bombensicher waren. Als neues Zentraldepot, wurde Ende 1943 das Salzbergwerk Altaussee in Österreich hergerichtet. Jedoch konnte dieses gewaltige Raubkunst-Depot nur mit Glück und sehr viel Mut und Engagement einiger Männer gerettete werden. Im April 1945 hatte der damalige Gauleiter Im Reichsgau Oberdonau, August Eigruber, eigenmächtig den Entschluss gefasst, die Kulturgüter im Salzbergwerk zu vernichten: Sie sollten keinesfalls in die Hände der Kriegsgegner fallen. Zu diesem Zweck ließ Eigruber acht 500 kg-Fliegerbomben in das Salzbergwerk transportieren, um mit diesen das Stollensystem zu sprengen. Die Bergwerksleitung unter Generaldirektor Emmerich Pöchmüller konnte jedoch, unter tatkräftiger Mitwirkung der Bergmänner, die Bomben am 3./4. Mai wieder aus dem Bergwerk entfernen und so die Zerstörung verhindern. Um erneute Zerstörungsversuche zu verhindern wurden zudem die maßgeblichen Stolleneingänge zu gesprengt. Nur 4. Tage später wurde Altaussee von den Amerikanern besetzt und die Kunstschätze konnten gesichert und geborgen werden.
Ein großer Teil dieses Bestandes gilt als NS-Raubkunst. Nachweislich stammen 567 Werke aus beschlagnahmtem jüdischen Eigentum aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Tschechien, Polen und Russland. Weitere etwa 1000 Gemälde stammen aus Zwangsverkäufen oder wurden von NS-Dienststellen eingeliefert. Etwa 3200 Objekte wurden über den Kunsthandel oder über Privatkäufe erworben, auch diese stammen zu einem unbekannten Teil aus Sammlungen, die unrechtmäßig entzogen oder als sogenanntes „Fluchtgut“ unter Zwang verkauft werden mussten. Die Forschungen über die Herkunft der einzelnen Werke dauert bis heute an, sie wird seit August 2008 über eine online gestellte Datenbank des Deutschen Historischen Museums unterstützt.
Doch es gab noch zahlreiche andere Kunstdepots und viele Kunstschätze gelten bis heute als verschollen. Ob diese vermissten Kunstgegenstände vor Kriegsende in Privatsammlungen verkauft wurden, ob sie noch heute in versteckten Lagern deponiert sind oder durch die Kriegseinwirkungen zerstört wurden ist häufig unklar.
Wie undurchsichtig, unklar und rechtlich strittig sich die Situation im Bereich Beutekunst darstellt, läst sich gut am Bespiel des sogenannten „Schwabinger Kunstfundes“ von 2013 erläutern. Damals wurde eine umfangreiche Sammlung des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt (1932-2014) in München-Schwabing durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Augsburger Staatsanwaltschaft begründete ihre Beschlagnahme sowie das Ermittlungsverfahren mit dem Verdacht, dass es sich bei der Sammlung um NS-Raubkunst handelt. Insgesamt wurden bei Gurlitt in München sowie in Österreich über 1500 Kunstwerke sichergestellt und beschlagnahmt. Die Sammlung, die Gurlitt von seinem Vater, dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt geerbt hatte, bestand aus Werken verschiedener Epochen, jedoch schwerpunktmäßig aus Gemälden, Gouachen, Zeichnungen und Druckgrafiken der Klassischen Moderne und des 20. Jahrhunderts, unter anderen von Max Beckmann, Marc Chagall, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Max Liebermann, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Emil Nolde, Pablo Picasso und Karl Schmidt-Rottluff. Doch auch Werke aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu Arbeiten aus dem 16. Jahrhundert wurden gefunden, so zum Beispiel von Canaletto, Gustave Courbet, Pierre-Auguste Renoir, Carl Spitzweg und Henri de Toulouse-Lautrec.
Die Sammlung wurde von Hildebrand Gurlitt in der Zeit des Nationalsozialismus zusammengetragen. Als einer von wenigen ausgewählten Kunsthändlern war er von den Nationalsozialisten damit beauftragt entartete Kunst ins Ausland zu verkaufen. Doch, wie es den Anschein hat, wurden von Gurlitt viele Werke nicht weiterverkauft – wie vorgeschrieben – sondern verblieben in seinem persönlichen Besitz. Zudem war Gurlitt nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als einer der Haupteinkäufer für das Hitlermuseum in Linz am nationalsozialistischen Kunstraub vorwiegend in Frankreich beteiligt.
1945 wurde Gurlitt von US-Soldaten beim Transport von Kunstwerken aufgegriffen und unter Hausarrest gestellt. Nach Gurlitts beeidigter Aussage hatte er auf dem Lastwagen Kisten mit Kunstwerken aus seinem Besitz transportiert, die er zuvor an verschiedenen Orten in Sachsen deponiert hatte.Die Kisten wurden von der Spezialeinheit Monuments, Fine Arts, and Archives Section beschlagnahmt, zunächst nach Bamberg gebracht und dann im Wiesbaden Central Collecting Point verwahrt. Gurlitt kämpfte um die Herausgabe und hatte 1950 Erfolg. Im Entnazifizierungsverfahren sowie bei entsprechenden Befragungen konnte Gurlitt keine Beteiligung am Kunstraub nachgewiesen werden. Da Gurlitt weder einer NS-Organisation angehörte und zudem jüdischer Herkunft war, wurde sein Verfahren schnell zu seinen Gunsten abgeschlossen.
Die Beschlagnahme der Sammlung Gurlitt wird von zahlreichen Juristen stark kritisiert, da das gesamte Vorgehen der Augsburger Staatsanwaltschaft als rechtswidrig eingestuft wird.
Der Rechtshistoriker Uwe Wesel erklärte am 1. Dezember 2013 im Deutschlandfunk, Gurlitt sei der rechtmäßige Besitzer aller bei ihm beschlagnahmten Werke. Es gebe heute keine Möglichkeit mehr, den ursprünglichen Eigentümern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Alliierten gesetzlich geregelt, dass Rückerstattungsansprüche an die ursprünglichen Eigentümer ausgeschlossen seien (MilRegG Nr. 59). Es sei leider so, dass Juristen von heute diese alliierten Gesetze oft nicht mehr kennen würden. Die Staatsanwaltschaft Augsburg habe deshalb wahrscheinlich aus Unkenntnis schwere rechtliche Fehler begangen und sich der Amtspflichtverletzung schuldig gemacht. Die Beschlagnahme und die Veröffentlichung der Bilder in der Lost-Art-Datenbank seien nicht rechtmäßig.




Cornelius Gurlitt verstarb 2014 und hat testamentarisch seine gesamte Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Über den Wert der Sammlung gegen die Schätzungen weit auseinander: Sie bewegen sich etwa zwischen 50 Millionen und 1 Milliarde Euro. Die Sammlung Gurlitt steht jedoch bis heute unter Verwaltung der Staatsanwaltschaft da sich immer neue rechtliche Probleme auftun und auch die Familie Gurlitt gegen das Testament klagt.
Die Amerikaner und auch die Sowjets hatten bereits vor Kriegsende 1945 Spezialeinheiten gegründet, deren Aufgabe es war, diese versteckten Kunstgüter aufzuspüren, zu sichern und an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben. Die US-Armee gründete dazu eine Abteilung aus Spezialisten, die sich Monuments, Fine Arts und Archives Section (MFA & A) nannte. Die dort tätigen Kunstschutzoffiziere wurden als Monuments Men bezeichnet. Zu dieser Thematik hat George Clooney 2014 den Film Monuments-Men produziert.
Die sowjetischen, wie auch die US-amerikanischen Spezialabteilungen wussten genau was von den Nationalsozialisten geraubt worden war, sie mussten es nur finden.
So wurde auch nach dem legendären Bernsteinzimmer gesucht, das Preußenkönig Friedrich I. anfertigen und ins Berliner Stadtschloss einbauen ließ. 1716 schenkte er dieses einmalige Kunstobjekt dem russischen Zaren, der es in den Katharinenpalast bei St. Petersburg einbauen ließ. Nachdem das Bernsteinzimmer 1941 als Kriegsbeute durch die deutschen Besatzer geraubt und ab 1942 im Königsberger Schloss ausgestellt wurde, ist es seit der ebenfalls kriegsbedingten Evakuierung des Schlosses von 1945 verschollen. Bis heute wird das Bernsteinzimmer gesucht. Alle paar Jahre kommen dazu neue Vermutungen und Theorien auf, die bisher jedoch alle im Sande verlaufen sind. Allein in der ehemaligen DDR gab es zur Suche nach dem Bernsteinzimmer eine Operation „Puschkin“, die direkt Stasi- Chef Milke unterstellt war: 130 mögliche Verbringungsorte wurden recherchiert, an 30 Orten wurden Grabungen ausgeführt. Der Entdeckung des Bernsteinzimmers kam man dennoch keinen Schritt näher.
Mehr zur NS-Beutekunst demnächst:

Große Entdecker und Erfinder – Franz Carl Achard, der Erfinder der Zuckerraffination

Zucker ist ein Lebensmittel, das heute allgegenwärtig ist und von dem jede Person in Deutschland um die 30 kg pro Jahr verbraucht. Es ist ein süß schmeckendes, kristallines Granulat, das aus Pflanzen gewonnen wird und hauptsächlich aus Saccharose besteht.
Doch Zucker stand nicht immer in unbegrenzter Menge und zudem preisgünstig zur Verfügung. Die Wissenschaft geht davon aus, das Zucker bereits vor 10.000 Jahren bekannt war, wie archäologische Funde untermauern. Über die Jahrtausende hinweg war Zucker ein Luxusgut und Arzneimittel. In der Antike war Zucker im Römischen Reich, in Persien und Indien bekannt.
Für die Zeit um 600 n. Chr. ist nachgewiesen, das in Persien in Holz- oder Tonkegel gefüllter Zuckerrohrsaft mit speziellen Klärmitteln behandelt wurde. In der Kegelspitze kristallisierte so Zucker aus, ein teures und rares Gut. Die Zuckerknappheit sollte noch weitere tausend Jahre andauern. Einzig Rohrzucker wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit importiert, war jedoch nur den Reichen und Wohlhabenden vorbehalten. Das Volk süßte weiterhin mit Honig.
Der deutsche Chemiker Andreas Sigismund Marggraf (* 3. März 1709 in Berlin; † 7. August 1782 in Berlin) begann sich ab etwa 1750 für den Zuckergehalt in heimischen Pflanzen zu interessieren. So entdeckte er auch den hohen Zuckergehalt in der Runkelrübe, die wir heute Zuckerrübe nennen.
Doch diese Erkenntnis brachte zunächst noch keinen nennenswerten Nutzen. Erst der deutsche Naturwissenschaftler und Erfinder Franz Carl Achard schaffte es, Zucker zum Allgemeingut werden zu lassen.
Franz Carl Achard - Erfinder der Zuckerraffination (Quelle: Wikipedia)Achard wurde am 28. April 1753 in Berlin geboren und war ein Nachkomme französischer Glaubensflüchtlinge. Er entstammte einer sehr angesehenen und wohlhabenden Hugenotten-Familie, sein Vater war Theologe in der französischen Kolonie in Berlin.
Über die Kindheit und Jugend von Achard ist sehr wenig bekannt. Es wird angenommen, dass er sich seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse auf autodidaktische Weise angeeignet hat, was für die damalige Zeit nicht unüblich war. 1774, mit 21 Jahren, wurde er in die „Gesellschaft Naturforschender Freunde“ in Berlin aufgenommen. Die Akten der Gesellschaft vermerken, „dass dieser Herr bloß von seinem Gelde leben und lediglich nach seinem Geschmack arbeiten kann“. 1775 schickte Achard Beispiele seiner wissenschaftlichen Untersuchungen an König Friedrich II. und erhielt mit dessen wohlwollender Unterstützung 1776 eine Stelle im Chemielabor von Andreas Sigismund Marggraf, als Mitarbeiter an der Berliner Akademie der Wissenschaften. Ein Gehalt allerdings wurde ihm erst, nach wiederholten eigenen Bitten und Fürsprache von Kollegen, 1778 bewilligt.
1776 heiratete Achard unstandesgemäß und überwarf sich mit Teilen seiner Großfamilie. Die Ehe hielt jedoch nicht lange. Achard hatte dennoch keine finanzielle Unterstützung durch die Familie mehr zu erwarten.
Achard arbeitete interdisziplinär als Physiker, Chemiker und Biologe an einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Probleme. Derartiges war im damaligen Wissenschaftsbetrieb noch möglich und daher prinzipiell nicht ungewöhnlich, auch die Preußische Akademie der Wissenschaften war noch interdisziplinär strukturiert. Achard wurde dort 1782 als Nachfolger Marggrafs Abteilungsleiter.
Zunächst erforschte Achard die Elektrizität und suchte entsprechende Anwendungen. Dann untersuchte er verschiedene Gase, entwickelte Sauerstoffgebläse, um damit die Hüttentechnologien zu revolutionieren. Er erforschte Mineralien und Metalle und war der Erste, der Platin zum Schmelzen brachte.
Später arbeitete er auf Wunsch des Königs daran einheimische Pflanzen auf ihre Brauchbarkeit zum Färben von Textilien zu untersuchen. Zudem erhielt er den königlichen Auftrag fremde Tabaksorten in Preußen anzubauen und einheimische Sorten zu veredeln.
1795 konstruierte Achard einen transportablen Feldtelegrafen und testete ihn zwischen Spandau und Berlin, ein nachhaltiger Erfolg war ihm jedoch nicht beschieden. Zudem baute er Blitzableiter und ließ Ballons in Berlin aufsteigen. Doch alle seine experimentellen Arbeiten waren nur sehr begrenzt erfolgreich.




Durch seinen Lehrer und vormaligen Chef Marggraf war er auch mit dessen Runkelrüben-Forschungen vertraut. Er wusste von dem hohen Zuckergehalt der Rübe und kannte Marggrafs Forschungsergebnisse. 1782 griff er das Thema auf und kaufte das kleine Gut Kaulsdorf im Nordosten Berlins. Zurückgreifend auf seine landwirtschaftlichen Erfahrungen beim Tabakanbau, testete er verschiedene einheimische Pflanzen auf ihren Anbau und ihren Zuckergehalt hin, sowie dessen Extrahierung. Dann erlitt er einen schweren Rückschlag: 1786 brannte sein Kaulsdorfer Gut ab.
Nach einigen Jahren Pause setzte Achard seine Versuche 1792 fort, nun auf seinem Anwesen in Französisch Buchholz in der Nähe Berlins. 1799 informierte er den König über seine Ergebnisse und bat um finanzielle Unterstützung. Zuvor hatte er in einer Berliner Zuckersiederei Raffinade gewinnen können, von der er dem König eine Probe übersandte.
König Friedrich Wilhelm und seine Berater erkannten das Potential dieses Projektes und genehmigten nur vier Tage später die beträchtliche Summe von 50.000 Talern. Achard erwarb daraufhin von Graf Maximilian von Pückler das Gut Kunern nahe der Oder gelegen und bereitete die Produktion vor. 1801 wurden dort 250 Tonnen Rüben geerntet. Zugleich entwickelte und baute Achard Anlagen um die Rüben zu verarbeiten und daraus Zucker zu gewinnen. Es war 1802 die erste vorindustrielle Anlage, mit welcher Zucker aus Zuckerrüben gewonnen werden konnte.
Die Zuckerrübe (Quelle: Wikipedia)Dieses Verfahren zur Herstellung von Zucker aus einheimischen Rohstoffen war zur damaligen Zeit von großer Bedeutung, insbesondere auch für das Königreich Preußen. Durch die Kontinentalsperre von Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Import von Zucker nach West- und Mitteleuropa unterbunden. Die industrielle Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben war deshalb von großer Wichtigkeit, insbesondere auch für Preußen, um diesen Ausfall der Importe auszugleichen. Hierdurch wurde die Einführung dieses neuen Verfahrens in die Praxis stark beschleunigt.
Im Jahr 1807 fielen während des Krieges mit Frankreich die Fabrik und einige Gebäude des Gutes einem Brand zum Opfer. Achard war ruiniert und musste sich hoch verschulden. Der König übernahm 1810 seine Verbindlichkeiten und ließ bis 1812 die Produktionsanlagen unter der Bedingung wiederaufbauen, sie für längere Zeit zur Lehranstalt für die Herstellung von Rübenzucker zu machen. Achards Gesundheit war jedoch inzwischen stark angegriffen. Bereits 1814 musste die Lehranstalt, an der auch ausländische Schüler unterrichtet wurden, geschlossen werden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er unter bedrückenden Bedingungen. Er starb am 20. April 1821, verarmt und weitgehend vergessen. Kein Nachruf erinnerte an sein Leben und seine Verdienste. Beerdigt wurde Achard in Herrnmotschelnitz, seit 1945 poln. Moczydlnica Dworska und gegenwärtig ein Stadtteil von Wołów. Die Fabrik und das Gutshaus in Kunern hatte die Rote Armee im Januar 1945 niedergebrannt. Auf ihren Grundmauern errichtete die polnische Regierung um 1960 einen Gedenkstein für Achard und im Berliner Zuckermuseum erinnert eine Büste im Eingangsportal an das Wirken des Erfinders der Technologie, aus Zuckerrüben Zucker herzustellen.
Franz Carl Achard war jedoch nicht nur der Technologiegeber für die industrielle Zuckerherstellung. Die in seinen Verfahren erdachten Maschinen und Ausrüstungen zur Extraktion, Filtration, Verdampfung, Kristallisation und Stofftrennung mittels Zentrifugalkraft wurden auch bald in anderen Industriezweigen eingesetzt und waren damit Beschleuniger der beginnenden Industriellen Revolution.

(Fotos – Quelle Wikipedia – siehe Bildadressen)