Archiv der Kategorie: Wissenschaft

In der Wissenschaft wird fleißig gearbeitet und geforscht, jedoch braucht es ab und an auch einen klugen Gedanken. Denn wenn alle Berechnungen versagen ist dies nicht Zufall, sondern Unwissen.

Bernd Sternal

Das Kellwasser-Ereignis

Im Verlauf der Erdgeschichte kam es mehrfach zu Ereignissen, die einen Faunenschnitt oder Faunenwechsel mit sich brachten. Diese Ereignisse gingen mit Massensterben einher, die sich über geologisch kurze Zeitabschnitte von einigen zehntausend bis mehreren hunderttausend Jahren hinzogen. Geologie und Paläontologie gehen heute davon aus, dass es neben mehreren kleinen, fünf große Ereignisse dieser Art gab. Die fünf größten Massenaussterben werden auch als Big Five bezeichnet.
Die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte bei den radiometrischen Datierungs- und Nachweisverfahren führten zu einer erheblichen Zunahme der Messgenauigkeit. Dadurch wurde es möglich, verschiedene Massenaussterben zeitlich genauer einzugrenzen, relativ umfassend zu beschreiben und vorher unbekannte biologische und ökologische Krisen im Laufe der Erdgeschichte zu dokumentieren.
Dennoch muss konstatiert werden, dass es diesbezüglich in der Wissenschaft keinen eindeutigen Konsens gibt. Der Streit über Begrifflichkeiten – wir kennen dies aus der Politik – ist dabei ein ausschließlich geisteswissenschaftlicher Diskurs. Jedoch fehlen zur wissenschaftlichen Beweisführung bisher auch die eindeutigen Beweise, denn auch die Ursachen der Massenaussterben sind umstritten.
Der Harzer Gebirgsfluss Oker ist weitgehend unbekannt.

Okerstausee bei Schulenberg
Okerstausee bei Schulenberg
Die Oker wird durch einen künstlichen Damm gestaut. Am obersten Zipfel dieses Okerstausees mündet ein Nebenfluss ein, das Kellwasser. Nichts Außergewöhnliches also, auch wenn der Wanderweg, der durch das Kellwassertal führt zahlreichen Wanderfreunden bekannt sein dürfte. Beliebt ist der Rundweg vom Torfhaus, durch das Kellwassertal zum Okerstausee, nach Altenau und zurück zum Torfhaus.
Das dieses Tal in den Wissenschaften der Geologie und der Paläontologie weltweit einen Namen hat, wird außer einigen Experten kaum jemand bisher zur Kenntnis genommen haben. Bereits um 1850 erkannte der Geologe und Botaniker Friedrich Adolf Roemer im Kellwassertal einen geologischen Aufschluss, der ihn zu genaueren Untersuchungen veranlasste. Roemer legte mit seinen diesbezüglichen Forschungen und Beschreibungen einen bedeutenden Beitrag zur geologischen und paläontologischen Forschung.
Heute, etwa 160 Jahre später haben wir folgenden Erkenntnisstand:
Im Erdaltertum – wissenschaftlich Paläozoikum – begann sich vorrangig das Leben der Mehrzeller zu entwickeln. In der Zeitspanne von 542 – 251 Mio. Jahren vor heute, entwickelte sich zuerst das Leben in den Ozeanen. Später begann sich die Landfauna und -flora zu entwickeln. Aber diese Entwicklung lief nicht reibungslos ab. In diesem Zeitalter fanden die fünf größten, bekannten Massenaussterben statt. Die Gründe für diese sogenannten Massenaussterbe-Events sind bisher nicht durchgehend bekannt, an erster und zweiter Stelle der Ursachen stehen aber Impakte von Himmelskörpern, sowie gewaltige vulkanische Aktivitäten. Am bekanntesten von diesen Aussterbe-Events ist das KT-Event in der Kreidezeit, das zum spektakulären Aussterben der Dinosaurier geführt hat und auf einen gewaltigen Asteroidenaufprall oder Vulkanausbruch zurückgeführt wird.
Clausthal-Zellerfeld TU Geomuseum - Saurier-SkelettFür Deutschland von einer gewissen Bedeutung ist das „Kellwasser-Event“. Denn dieses, im Oberdovon (395 – 385 Mio. Jahre vor heute) stattgefundene Aussterbeereignis, hat nicht nur Deutschland betroffen, nein es betraf, wie alle fünf Ereignisse, den gesamten Planeten. Nach dieser Lokalität im Okertal werden die dunklen, meist mergeligen Gesteine als Kellwasser-Kalk bezeichnet und das Ereignis als Kellwasser-Event. Unter den fünf großen Massenaussterben war dieses Event nach der Anzahl der ausgestorbenen Arten das Drittschwerste. Dabei starben wahrscheinlich 50 bis 75 Prozent der Arten aus, vor allem die Faunengruppen flacher tropischer Meere, wie Fische, Korallen, Trilobiten sowie etliche „Riffbauer“.
Die Ursachen für das Kellwasser-Event sind bisher nicht bekannt. Vermutet wird Megavulkanismus, der extreme Klimaveränderungen mit sich brachte, was wiederum zu einer biologischen Katastrophe führte.
Das Kellwassertal hat für die Wissenschaften, die sich mit der geologischen und paläontologischen Entstehung der Erde beschäftigen, einen weltweiten Rang. Damit diese Schichten gut sichtbar bleiben, wurde der Aufschluss vor einiger Zeit großflächig frei gelegt und mit einer Informationstafel ausgestattet; er stellt nun innerhalb das Geoparks Harz einen bedeutenden Geopunkt dar.




Zwar wurde dieser sogenannte geologische Aufschluss bereits um 1850 entdeckt, jedoch bestanden zu jener Zeit noch keine wissenschaftlichen Möglichkeiten und Erkenntnisse diese Entdeckung weiter zu verfolgen. Auch an diesem Beispiel zeigt sich erneut, eine Entdeckung ist weder eine Erfindung, noch muss sie umgehend zu neuen Erkenntnissen führen. Oftmals bedarf es von einer Entdeckung bis zu einer wissenschaftlichen Expertise eine recht lange Zeit.
Doch auch wenn die Ursachen dieses gravierenden Aussterbeereignisses bis heute strittig sind, so sind deren Existenz und Auswirkungen nicht strittig. Was will ich damit sagen: Die Flora und Fauna hat sich von diesem gravierenden Ereignis erholt und sich neu „sortiert“. Frei nach unserem bekanntesten deutschen Förster Peter Wohlleben: Jeder unserer Eingriffe in die Natur ist einer zu viel, die Natur regelt seine Probleme auch ohne unser Zutun. Sie hat dies zu allen Zeiten getan und wird es auch in Zukunft nicht unterlassen.

Der Selbstmordgürtel in Indien

Baumwolle auf einem Feld
Baumwolle auf einem Feld, Foto von David Nance

Was die globalisierte und vernetzte Weltwirtschaft mitunter für traurige Blüten treibt, möchte ich im folgenden Beitrag exemplarisch darlegen.
Wir sehen, lesen, hören und reden täglich über die Immigrationswelle aus asiatischen und afrikanischen Ländern. Und viele in unserem Land sind der Meinung wir müssen diesen armen Menschen helfen, sie aufnehmen, versorgen und integrieren. Doch damit tragen wir nicht zur Lösung des „Flüchtlingsproblems“ bei, man könnte sogar davon ausgehen, dass damit das Problem langfristig nur verstärkt wird. Sich selbst ein gutes Gewissen einzureden, mag hilfreich für den einzelnen Bundesbürger sein, für die Herkunftsländer der Flüchtlinge ist es wohl eher kontraproduktiv, wenn die Starken und Gutausgebildeten ihr Land für immer verlassen.
Die eigentlichen Fluchtursachen von sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen werden zwar immer aufs Neue analysiert, Änderungen der Wirtschaftspolitik der westlichen Industrieländer gegenüber den Schwellen- und Entwicklungsländern finden dennoch kaum statt. Da führen Traktoren, Mäh- und Erntemaschinen einen ungleichen Kampf gegen Büffel, Holzpflüge und Handarbeiter. Hinzu kommen westliche Agrarsubventionen in Milliardenhöhe, die die Weltmarktpreise niedrig halten.
Und wenn dann noch die Saatgut- und Chemiegiganten dieser Welt in die globale Landwirtschaft eingreifen – ausschließlich um ihren Profit zu erhöhen und nicht um das Leben der Menschen zu verbessern -, so haben wir schnell ein humanitäres Fiasko. So beispielsweise geschehen in den mittelindischen Baumwollanbaugebieten.
Auf Grund der, in den letzten 15 Jahren, vorgenommenen Selbsttötungen, wird diese indische Region auch als Selbstmordgürtel bezeichnet.
Was war geschehen? Über Jahrhunderte hatten die Inder Naturbaumwolle angebaut. Die war angeblich nicht so ertragreich wie die gentechnische Baumwolle BT Cotton, dennoch warf der Anbau der Naturbaumwolle Gewinne ab, von denen die Bauern leben konnten. Zwar war das Leben dieser indischen Bauernfamilien bescheiden, jedoch hatten sie ihr Auskommen, wie man so schön sagt.
Dann kam der USA-Gen-Saatgutkonzern Monsanto und machten den indischen Bauern ihre Gen-Baumwolle BT Cotton schmackhaft. Der Konzern lockte mit erheblich höheren Erträgen. Die indische Regierung wurde bestochen und zwingt nun die Bauern das teure BT Cotton Saatgut zu kaufen. Natürliches Baumwoll-Saatgut gibt es nicht mehr.
Das amerikanische Saatgut ist jedoch nicht nur teuer, es ist auch gezüchtet für den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Und auch die müssen die zentralindischen Bauern teuer kaufen. Aber nicht nur dass, auch die erwarteten Erträge kommen nicht. Diese Baumwollpflanzen sind auf künstliche Bewässerung getrimmt, doch die gibt es in diesen Regionen nicht. Entweder ist es zu trocken, oder aber der Monsun weicht den Boden auf. Beide Konstellationen mag die Gen-Baumwolle nicht. Bei idealen Bedingungen ist der Baumwollertrag erheblich besser als bei natürlicher Baumwolle. Doch diese Bedingungen treten nicht oft ein. Was den Bauern bleibt ist, sich zu verschulden: immer weiter, immer höher.




Diese Verschuldung hat zu einer Selbstmordserie geführt, die weltweit wohl ihres Gleichen sucht. Geschätzte 250.000 Bauern haben sich in den letzten 15 Jahren das Leben genommen: erhängt, vergiftet, erschossen oder erstochen werden die Bauern aufgefunden.
Einer von ihnen war Gajanand Gattawar: Er war verzweifelt, sah keine Zukunft mehr. Aufgehängt an einem Baum, gleich neben seinem Häuschen, in einem Wäldchen. Natürlich war die Witwe Sasi Kala traurig, mehr jedoch noch verzweifelt. Sie ist Mutter von drei Kindern und hat nichts mehr, außer Schulden. Kein Geld, keinen Mann, keinerlei Einkommen und nur so viel zu essen, dass die vierköpfige Familie nicht verhungert. Und keiner hilft ihr!
Die zentralindische Region wird mittlerweile als Selbstmordring tituliert und ein Ende ist nicht abzusehen.
Über den Syrienkrieg, bei dem bisher etwa 450.000 Menschen ihr Leben verloren haben, wird jeden Tag berichtet. Das war auch nicht immer so, erst mit dem Flüchtlingsdrama geriet dieser Krieg, der zugleich Bürger- und Religionskrieg ist, in den Fokus der deutschen Berichterstattung.
Indien hingegen ist weit weg! Inder zählen auch kaum zu den Flüchtlingen. Das Leid der Männer, die sich aus finanziellen Gründen das Leben nehmen und das ihrer hinterbliebenen Familien ist bei uns kein Thema. Die betroffenen Menschen jedoch bekriegen sich nicht aus religiösen Gründen. Sie sind friedlich und fleißig und dennoch chancenlos. Ein trauriges Geschehen, dass die Weltöffentlichkeit ignoriert. Menschen, die keine Lobby haben, die keiner unterstützt. Es wäre ein Thema für Menschenrechtler und Humanisten. Jedoch ist Indien friedlich und ganz weit weg. Und so können sich die Konzerne sowie die indischen Staatsbeamten weiter die Taschen füllen. Frei nach dem Motto: Was sind bei über einer Milliarde Menschen schon 250.000 tote Bauern. Eine Schande für die „Freie Welt“! Den Krieg in Syrien kann sie nur schwerlich beenden, den indischen Bauern hingegen eine Change zu geben, wäre wohl recht einfach, wenn man denn wollte.

Können wir den Klimawandel stoppen?

In Garzweiler und an einigen anderen Standorten wurde gerade von sogenannten Aktivisten gegen den Klimawandel demonstriert.
Eine Demokratie lebt davon, dass Meinungen reflektiert und durch Demonstrationen und vergleichbare Aktionen der Öffentlichkeit publik gemacht werden. Jedoch dürfen bei diesen Meinungskundgebungen keine Gesetze gebrochen und vor allem keine Gewalt angewandt werden.
Wir leben in turbulenten Zeiten, doch wenn wir unsere Geschichte betrachten, hatten wir eigentlich immer solche Zeiten. Auch wenn derzeit in Syrien, Afghanistan der Ukraine und weiteren Ländern Krieg herrscht, war dennoch unsere Welt wohl noch nie so friedliche wie heute.
Es wird in Garzweiler demonstriert um den Klimawandel zu stoppen! Dazu sind „Aktivisten“ aus aller Herren Länder nach Deutschland angereist. Sie haben hehre Ziele, die durchaus verständlich sind. Sie wollen unseren Planeten retten. Doch so simpel, wie die Aktivisten propagieren, ist das nicht!
Auch haben diese Aktivisten wohl nicht so ganz den Überblick. Gut gemeint, ist noch lange nicht gut gemacht! Sobald selbsternannte Umweltschützer tausende von Kilometern per Flugzeug oder Auto zurücklegen, um an derartigen Demos teilzunehmen, haben sie bereits einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verspielt. Nicht, dass ich gegen Natur- und Umweltschutz wäre, ganz im Gegenteil. Ich versuche mit meinem Verhalten und dem meiner Familienmitglieder tagtäglich dazu beizutragen.
Hingegen verstoßen die selbsternannten Aktivisten gegen Gesetze und verursachen Schäden und Kosten in Millionenhöhe, die im Wesentlichen Steuerzahler zu bezahlen sind.
Es ist wohl unstrittig, dass der Kapitalismus wenig Rücksicht auf Natur, Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit nimmt um den Profit zu erhöhen. In einer Demokratie rechtfertigt dies jedoch keine Gewaltanwendungen.
Besonders junge Menschen suchen nach dem Sinn des Lebens, nach Erklärungen, nach Perspektiven, sie sind gegen das „Etablissement“ und kämpfen um Veränderungen. Das war wohl schon immer so!
Doch früher waren das Wissen und die Möglichkeiten sich umfassend zu informieren sehr begrenzt. Heute hingegen kann man sich Wissen aneignen und sich umfassend informieren. Jedoch blenden die unterschiedlichen ideologischen Strömungen die Wahrheiten weitgehend aus.




Gut nun könnte man sagen, es gibt absolute und relative Wahrheiten und zudem objektive und subjektive Wahrheiten, wobei es eine reine absolute Wahrheit wohl nicht gibt. Nur es kann sich nicht jeder seine eigene Wahrheit basteln, wie es ihm gefällt.
So wird täglich über die Tragödien der Flüchtlinge im Mittelmeer berichtet. Es ist traurig und mir ist dieses Massensterben – durch das viele Profiteure reich werden – keinesfalls egal. Dennoch ist die Meinungsbildung zu diesem Thema in den Medien sehr einseitig. Die angebliche Betroffenheit vieler Menschen ist subjektiv und psychologisch fragwürdig. Psychologisch betrachtet, kann kein Mensch eine emotionale Beziehung zu einem ihm unbekannten Menschen aufbauen. Lesen wir die regionale Tageszeitung, so finden wir Traueranzeigen für zahlreiche Verstorbene: dabei sind junge Menschen, Menschen mittleren Alters und alte Menschen. Für Menschen, die wir kennengelernt haben können wir Emotionen entwickeln, für Fremde wohl kaum, obwohl ein gewisses Mitgefühl nicht ausbleibt. Was sollen wir also tun? Eine Frage, die momentan die politische Landschaft und auch die Bevölkerung entzweit. Ich werde demnächst dazu meine Vorstellungen äußern!
Mit der Umweltpolitik ist es nicht anders. Es gibt die „angeblichen Weltretter“, die überall als Aktivisten auftreten, und es gibt die Pragmatiker sowie viel Tendenzen und Strömungen dazwischen.
Unsere Erde hat schon kaum vorstellbare Naturkatastrophen und wohl auch kosmische Katastrophen durchmachen müssen und alle dies überstanden. Wir können mit großer Wahrscheinlichkeit sagen: Ohne diese Katastrophen würde es den Menschen wohl nicht geben.
Gerade höre ich in der Tagesschau vom 28.08.: „Wir schämen uns für die deutsche und die europäische Flüchtlingspolitik“. Deutschland und Europa kann jedoch nicht viele Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, die zudem vorrangig Wirtschaftsflüchtlinge sind. Selbst unsere „Leitmedien“ verleugnen die Wahrheit: nur eine begrenzte Anzahl von Emigranten können die Europäischen Staaten aufnehmen und integrieren sowie auch finanzieren ohne den sozialen Frieden nachhaltig zu gefährden. Und wenn dieser gefährdet ist, so steht es auch um unsere Demokratie schlecht.
Auch bei unseren Umweltsünden sieht es vergleichbar aus. Wir begehen diese im großen Umfang: alle. Der technische und der zivilisatorische Fortschritt bringt es mit sich, dass wir den Umweltsünden immer nur hinterherhecheln. Viele Faktoren sind dafür verantwortlich, die hier nicht alle aufgezählt und erläutert werden können.
Doch wir erkennen diese Missstände und versuchen gegenzusteuern. Das geht nicht immer schnell und oftmals sind die Gegenmaßnahmen mit viel Streit verbunden.
Jedoch ist unsere Erde lange, unvorstellbar lange Entwicklungsprozesse gewohnt und selbst die größten geologischen Aussterbeereignisse, sowie die vermuteten kosmischen Einwirkungen konnten die Erde nicht zerstören. Die Ursachen für diese Ereignisse sind noch weitgehend ungeklärt.
mammuts zu Beginn der Eiszeit - Harz-Geschichte, Band 1 von Bernd SternalDie Erdgeschichte ist eine Geschichte von Klimawandel und Klimaveränderungen: Warmzeiten wechselten mit Kaltzeiten. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Die letzte Eiszeit verließ Deutschland vor etwa 10.000 Jahren. Seitdem steuern wir, mit zahlreichen Klimaschwankungen, auf eine Warmzeit hin. Die Ursachen dafür sind bisher weitgehend unbekannt. Sicherlich jedoch sind sie sehr vielschichtig und vom Menschen kaum zu beeinflussen.
Ich streite also keineswegs einen Klimawandel ab. Auch zweifele ich nicht an, dass der Mensch mit seinen Umweltsünden den Klimawandel in geringem Maße forciert. Jedoch bin ich mir sicher, dass wir ihn mit keiner Maßnahme, die uns zur Verfügung steht, aufhalten können.
Daher ist Panikmache fehl am Platze. Natur- und Umweltschutz haben große Priorität, dennoch können sie nicht kosten was sie wollen. Und Natur- und Umweltschützer können und dürfen sich keinesfalls das Recht herausnehmen, gegen geltendes Recht zu verstoßen. Zudem ist zu resümieren, das Natur- und Umweltschutz kein Selbstzweck sind. Leider ist in diesem Sektor seit langem auch der Lobbyismus und die Geschäftemacherei allgegenwärtig.
Betrachten wir uns einmal den neuen e-Golf: äußerlich vom „Normalen Golf“ nicht zu unterscheiden. Auch das Fahrverhalten, der Komfort, der Platz, alles wie gehabt. Fast: Denn der Kofferraum ist 40 l kleiner. Der e-Golf hat 136 PS, was für einen Kompakten ausreichend sein kann um auch flott unterwegs zu sein. Dagegen sprechen eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Und die Beschleunigung von 0 auf 100 in 12,7 s ist gelinde gesagt, für ein modernes Auto, unzumutbar. Gut ich fahre gern schnell, das braucht nicht ein Jeder. Jedoch bei dieser Beschleunigung ist ein Überholmanöver bereits eine Mutprobe. Der e-Golf hat nach VW-Angaben eine Reichweite bis zu 200 km, wenn man allerdings 150 fährt oder schnell beschleunigt sinkt die Reichweite enorm. Dennoch ein Auto, mit dem Mann oder Frau gut leben könnte, wenn: die Ladedauer nicht mindestens 45 Minuten dauern würde, überall reichlich Ladestationen vorhanden wären, diese Auto in Magerausstattung nicht 35.000 Euro kosten würde.
Niemand sagt, wie groß die Reichweite des e-Golfs ist, wenn das Auto vollbeladen ist, Licht, Heizung oder Klima an sind. 100 km? Und das für mindestens 35.000 Euro. Der e-Golf ist in der Regel nur als Zweitauto zu gebrauchen. Und wer hat schon 35.000 Euro für einen Zweitwagen übrig?
Ich will hier keinesfalls nur VW kritisieren. Ich könnte wohl fast jedes E-Auto heranziehen und zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Preise jenseits von Gut und Böse, obwohl die teuersten Bauteile eines herkömmlichen Autos fehlen: Motor, Getriebe, Einspritz- und Tankanlage, Abgasanlage.
Wir forcieren mit allen Mitteln die Installation von Solar- und Fotovoltaikanlagen, die oftmals noch keine lange Lebensdauer haben und zudem dem Brandschutz der Gebäude, auf denen sie errichtet sind, entgegenstehen. Übrigens ist der Brandschutz auch ein weitgehend ungelöstes Problem bei Elektroautos.
Wir fördern die Wärmedämmung von Gebäuden mit Verbundwerkstoffen, die keine lange Lebensdauer haben, und von denen noch keiner so recht weiß, wie sie einmal entsorgt werden sollen.
Aktivisten demonstrieren im Garzweiler-Tagebau und setzen sich dabei über Recht und Ordnung hinweg. Sie fühlen sich moralisch in einer Position, die dies rechtfertigt. Doch wir brauchen die Kohle noch ein Weilchen, auch die Verbrennungsmotoren. Die neuen Technologien müssen erst ausgereift sein und das dauert. Sonst lösen wir alte Umweltsünden durch neue ab. Auch die Umweltaktivisten brauchen da Geduld. Und Verständnis für die Menschen, die anders denken oder anders leben wollen und auch nicht das Geld haben, sich alle diese neuen umweltfreundlichen Technologien leisten zu können.
In diesem Sinne hoffe ich, dass auch Natur- und Umwelt- bzw. Klimaschützer sich den Argumenten Andersdenkender öffnen. Unsere Erde stirbt nicht an einigen Jahren oder Jahrzehnten. Sie hat eine unvorstellbare Regenerationskraft. Und Garzweiler wird vielleicht in hundert Jahren ein riesiger sauberer See sein, an dem sich die Menschen erfreuen und der sich selbst renaturieren wird. Ein gutes Beispiel dafür ist der Harz. Vor wenigen Jahrhunderten zerstört durch den Bergbau, heute überall Naturschutzgebiete, die künstlichen Seen und Teiche und ihre Verbindungskanäle sind Weltkulturerbe. Und auch die Lausitzer Seenlandschaft kann sich nach weniger als 20 Jahren schon durchaus sehen lassen.