Das Raubgold der Nationalsozialisten Teil 2

Wieviel Raubgold die Nationalsozialisten insgesamt beiseitegeschafft haben, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen, nur Schätzungen und Spekulationen. Denn das Raubgold wurde nicht nur in die Schweiz geschafft, in geheimen Depots verwahrt und von Nazigrößen in private Kanäle verschoben, vieles davon wurde während des Krieges auch ausgegeben um Waffen, Rohstoffe und andere Dinge im Ausland zu bezahlen.
Bei allen Diskussionen und Spekulationen um das Nazi-Gold wird folgendes oftmals vergessen: Bereits vor Kriegsbeginn, im Januar 1939 war Deutschland faktisch pleite, alle Finanzreserven waren aufgebraucht. Reichsbank-Präsident Hjalmar Schacht berichtete dies Hitler schonungslos und wurde für seine Offenheit gefeuert und mit ihm das gesamte Reichbankdirektorium. Der Führer wählte statt der Staatspleite den Krieg, um die Kassen wieder zu füllen.
Hitler hatte schon mit der Machtübernahme die Währungsdeckung durch Gold aufgegeben. Die Reichsmark war zur blanken Papierwährung verkommen, für die Deutschland keine Importe vornehmen konnte. Also wurde die Notenpresse ständig aufs Neue angeworfen um die Aufrüstung im eigenen Land zu finanzieren. Die sich so ausbreitende Inflation wurde durch drastische Zwangsmaßnahmen wie Lohn- und Preisstopps ausgebremst.
Deutschlands Nachbarn erkannten die gefährliche Situation, doch nicht alle handelten rechtzeitig oder richtig. Zunächst musste Österreich nach dem Anschluss an Deutschland sein Gold herausgeben. 1939 wurde dann die Tschechei als erstes Land gezwungen seine Goldreserven an Hitler übergeben.
Frankreich und Dänemark brachten ihre Währungsreserven rechtzeitig in Sicherheit, nach Großbritannien und Amerika. Die Niederlande aber wurden überrumpelt. Die fetteste Beute holte Hitler in Belgien und Polen. Beide hatten zwar ihr Gold zunächst bei der Banque de France deponiert, was jedoch schon bald für nicht mehr sicher erachtet wurde. Das Gold wurde nach Dakar in die französische Westafrika-Kolonie verschifft. Aber die Kollaborateure des Vichy-Regimes verrieten Hitler später den Aufenthaltsort. Auf abenteuerlichen Wegen, mithilfe von Kamelen, Schiffen und Bahn, landete es schließlich in Berlin.
Nachdem Italien die Allianz mit Deutschland verlassen hatte, schafften deutsche Truppen das italienische Gold nach Deutschland. Dazu gehörte auch das Gold aus Jugoslawien und Albanien, das sich Mussolini zuvor angeeignet hatte.
Das von den Nationalsozialisten geraubte Währungsgold lässt sich noch beziffern. Es sollen insgesamt etwa 517,5 t Gold gewesen sein. Bei dem aus der Bevölkerung eingezogenen Gold sowie bei dem von den Juden geraubten Gold gibt es jedoch keine verlässlichen Zahlen.
Schon vor Kriegsende hatten die Alliierten Spezialkommandos gegründet, die nach dem Raubgold suchen sollten. Zwar hatten die deutschen Kriegsgegner USA, Großbritannien und Sowjetunion sich auf der Jalta-Konferenz im Februar 1945 auf die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen verständigt, was Raubkunst und Nazi-Gold betraf, kochten die Alliierten und die Sowjetunion jedoch ihr eigenes Süppchen. So kam es auch, dass die US-Amerikaner entgegen aller Vereinbarungen, zunächst weit in das Gebiet der Sowjets vordrangen. Schon damals bewies sich der Satz von Gorbatschow: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ So konnten die schnelleren Amerikaner neben den Forschungs- und Entwicklungsergebnissen der Nazis, wie Flugzeug und Raketentechnik, auch vieles vom Raubgut der Nazis wegschaffen.
Der größte Cup der Amerikaner war wohl diesbezüglich der von Merkers in Thüringen. Als weltgrößte Kalifabrik hatte das Kalibergwerk Merkers der Wintershall AG 1925 den Betrieb aufgenommen. Nachdem gegen Kriegsende Berlin immer stärker von Luftangriffen betroffen war, entschied im Februar 1945 Reichsbankpräsident Walther Funk die Finanzreserven der Reichbank auszulagern. Als Depot wurden die Kalistollen von Merkers in Thüringen ausgewählt. In streng geheimer Mission wurden Kunstgegenstände, Banknoten, Münzen, Goldbarren und andere Edelmetalle per Reichsbahn in die thüringische Provinz geschafft. Im März wurden dann auch die wertvollsten Kunstbestände der Berliner Museen nach Merkers ausgelagert.
Nur wenige Wochen später traf die 3. US-Armee unter General George S. Patton in Thüringen ein, wo sie eigentlich gemäß Jalta-Konferenz nicht zu suchen hatte. Es war der 4. April 1945. Schon zuvor machte unter den Einheimischen das Gerücht von einem riesigen Schatz die Runde. Dieses Gerücht erreichte auch gleich die Amerikaner. Es heißt, dass zwei Frauen die Nazi-Aktionen beobachtet hatten und den Amerikanern das Versteck verrieten. Belegbar ist dieses Gerücht jedoch nicht, aber dennoch glaubhaft. Ausgerüstet mit Waffen und Sprengstoff fuhren die Soldaten mehrere hundert Meter tief in einen Schacht des Kalibergwerkes Kaiseroda und erkundeten mit Fahrzeugen die unterirdischen Gänge – bis sie irgendwann vor einer gewaltigen Stahltür standen, die in eine dicke Ziegelmauer eingelassen war. Die Tür war jedoch mit den vorhandenen Mitteln nicht zu öffnen. So machten sich die Soldaten daran die Ziegelwand, in der die Tür eingesetzt war, aufzusprengen. Dann betraten sie, mit Taschenlampen ausgestattet, die dahinterliegenden Räume. Im Lichtschein, der das Licht der Lampen reflektierenden Salzkristalle, stapelten sich kniehoch abertausende Beutel, Pakete, Kisten und Koffer. Wie viele Behältnisse die Soldaten vorfanden ist wohl nicht überliefert. Jedoch zeigen die Fotos, dass die Salzgrotte von 60 m Länge und 15 m Breite flächendeckend vollgestapelt war. Dort lagerte ein gewaltiger Schatz, vielleicht der größte, der jemals gefunden wurde.




So schnell wie der Nazi-Schatz gefunden worden war, so schnell verschwand er auch aus Merkers. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Westeuropa, General Dwight D. Eisenhower nahm sich dieser widerrechtlichen Aktion persönlich an. Denn eigentlich stand der Schatz von Merkers den Sowjets zu und die näherten sich Thüringen schnell. Der gesamte Fund wurde auf Lastwagen verladen und am 17. April nach Frankfurt/Main gefahren. Da die ganze Aktion der US-Amerikaner mit einer Ausgangssperre für die Bevölkerung verbunden worden war, bildeten sich neue Spekulationen über das, was dort eilig und geheim weggeschafft wurde.
Den wahren Bestand von Merkers kennen wir bis heute nicht. Auch der Verbleib großer Teile des Schatzfundes ist gelinde gesagt weitgehend „unaufgeklärt“. Zwar beauftragte in den 1990er Jahren die US-Regierung eine Historikerkommission mit Untersuchungen zum Stand der Rückerstattung von enteignetem Besitz im Zweiten Weltkrieg. Die Kommission unter Leitung von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat listete in ihrem Bericht von 1997 erstmals öffentlich detailliert die Funde von Merkers auf, der Verbleib blieb jedoch weiter unklar. Der amerikanischen Armee waren demnach neben Goldbarren auch weitere Edelmetalle wie Platin und Silber sowie stapelweise Banknoten unterschiedlicher Währungen in die Hände gefallen. Zudem wurden kistenweise Schmuck und Zahngold von ermordeten Juden aufgefunden, was die SS geraubt hatte. Kisten enthielten zudem einmalige Skulpturen, so die weltbekannte Büste der Nofretete. Zum Merkers-Fund gehörten außerdem Gemälde berühmter Meister wie Rembrandt, Dürer und Riemenschneider.
Der Wert des Nazi-Schatzes von Merkers wird auf etwa 238,5 Millionen damaliger US Dollar geschätzt, was heute etwa 2,5 Milliarden Euro entsprechen würde.
Der Verbleib des Nazi-Schatzes sorgt bis heute für viele Spekulationen. Es heißt, dass sich Soldaten und Offiziere umfangreich bedient haben sollen. Auch hält sich das Gerücht, dass ein amerikanisches U-Boot Teile des Schatzes nach Argentinien geschafft haben soll. Andere behaupten, dass ein Teil des Marshall-Planes von dem Nazi-Gold bezahlt worden sein soll.
Dem allen widersprechen zahlreiche Historiker ohne jedoch Beweise vorlegen zu können. Die Experten glauben fest daran, dass die 1946 von den Alliierten gegründete Tripartite Gold Commission das Gold der Reichsbank an die betreffenden Nationalbanken zurückgegeben haben. Zudem bestätigt die National- und die Gemäldegalerie Berlin die Rückkehr von Kunstwerken Mitte der fünfziger Jahre.
Jedoch ist mir keine Bestätigung von einer Nationalbank bekannt, gestohlenes Gold zurückerhalten zu haben. Und wo alle die Schatzgegenstände verblieben sind, deren Besitzer nicht eindeutig zu ermitteln waren, ist auch völlig offen. Der Schatz von Merkers war alles Raubgut der Nationalsozialisten. Wenn man jedoch Raubgut erneut raubt so tritt dadurch noch lange nicht das Gesetz der doppelten Negation in Kraft: Raubgut bleibt Raubgut. Eine eindeutige Aussage zum Verbleib des Naziraubgoldes wäre daher sehr Vertrauensbildend.
Demnächst Teil: der Goldzug

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