Der Elsbett-Motor

Elsbett-3-Zylinder-Reihenmotor Sie haben noch nie vom Elsbett-Motor gehört? Denn werden ich Ihnen dieses Motorenprinzip, des weltweit ersten Pflanzenölmotors mit Direkteinspritzung, wohl hier vorstellen müssen.

Der Elsbett-Motor wurde nach seinem Erfinder Dr. h.c. Ludwig Elsbett benannt. Der Ingenieur, der im Jahr 1913 in Salz/Unterfranken geboren wurde, arbeitete seit dem Jahr 1937 an der Entwicklung von Verbrennungsmotoren in den Junkers-Werken. Dort wurden Diesel-Gegenkolbenmotoren mit der Bezeichnung Jumo 205 und Jumo 207 entwickelt und gebaut, die in Flugzeugen und Flugbooten zum Einsatz kamen.

Nach Ende des 2. Weltkrieges machte sich Elsbett mit der Produktion von Zweitakt-Dieselmotoren in Salzgitter selbstständig. Seine Entwicklung präsentierte er 1951 auf der IAA in Berlin und sorgte in der Fachwelt damit für großes Aufsehen. Trotzdem erzielte er keine nachhaltigen Erfolge und verdingte sich von 1959 bis 1965 bei MAN in Nürnberg als Motorenentwickler. Danach wagte er zusammen mit seinen Söhnen Günter und Max erneut den Schritt in die Selbstständigkeit. In Hilpoltstein, südlich von Nürnberg, betrieb er die Elsbett-Konstruktion, ein Ingenieurbüro zur Optimierung von Diesel-Verbrennungsmotoren. Im Jahr 1973 stellte die Elsbett-Konstruktion die weltweit ersten serienmäßig hergestellten, turboaufgeladenen, direkteinspritzenden PKW-Dieselmotoren vor, die von Elsbett die Abkürzung TDI erhielten. Später wurden 3-Zylinder-Reihenmotoren und 6-Zylinder-V-Motoren hergestellt. Diesen Elsbett-Motoren wurde in den 1980er Jahren eine große Zukunft vorhergesagt, aber anscheinend hatten Auto- und auch Mineralölindustrie kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Elsbett und setzten ihre eigenen Strategien durch.

Nach der Wiedervereinigung boten sich neue Chancen für Dr. Ludwig Elsbett und seine Söhne. Es kam zu einer Kooperation zwischen der Elsbett-Konstruktion und der Antriebs- und Maschinentechnik GmbH in Schönebeck/Elbe. Die Schönebecker hatten diesbezüglich eine lange Tradition und schon für die Junkers-Werke Motoren gebaut. Es wurde ein Lizenzvertrag geschlossen und es begann eine vielversprechende Zusammenarbeit – bis zum Produktionsstart 1991. Das Elsbett-Museum in Salz schriebt darüber: „Am 1. Januar 1991 war bereits der Produktionsanlauf für den 3-Zylinder TDI Pflanzenölmotor mit der Leistung des bisherigen 6-Zylinder perfekt. Erprobt bei Elsbett und bei DMS in Schönebeck mit 500 Stunden Dauerläufen und in Schlepper-Feldversuchen, war dieser sparsame 3-Zylinder, mit der Leistung des bisherigen 6-Zylnders, der wirtschaftlichste Motor der Welt“. In dieser Situation löste die Treuhandgesellschaft die bisherige Schönebecker Geschäftsführung ab und setzte eine neue ein, die aus Geschäftsleuten der alten Bundesländer bestand, ein. Diese verfügten einen sofortigen Produktionsstopp für die Elsbett-Lizenzmotoren. Dr. Elsbett war dadurch mit seinen vielversprechenden Motorenkonstruktionen erneut ausgebremst worden. Diesmal endgültig! Die Deutsche Bank als Kreditgeber verkaufte daraufhin ihr Elsbett-Engagement an die Citybank Sao Paulo. Es folgte der Verkauf der Elsbett-Konstruktion und deren Insolvenz.

Es stellt sich die Frage: Was hatte der Elsbett-Motor, was andere Motoren nicht hatten und warum verwehrte man Elsbett seinen Erfolg? Das ist in wenigen Worten und ohne „Fachchinesisch“ nicht ganz einfach zu erklären – ich versuche es dennoch.

Allgemein betrachtet, arbeitet der Elsbett-Motor nach dem Dieselprinzip. Das Besondere an diesem Motor ist seine Konstruktion und damit in direktem Zusammenhang stehend, dass er ohne Zwangskühlung auskommt. Das charakteristische Merkmal ist somit der optimierte Verbrennungsprozess der im Kolbenraum rotierenden Verbrennungsluft mit dem eingespritzten Kraftstoff. Das Elsbett-Verbrennungsprinzip kann unabhängig von Bauweise und Arbeitsverfahren der Motoren eingesetzt werden. Es hier im Detail zu erläutern würde meinen Rahmen sprengen. Festgehalten werden kann jedoch, dass Ludwig Elsbett durch Optimierung von Ladungswechsel, Gemischbildung, Direkteinspritzung und Thermomanagement einen Motor mit sehr hohem Wirkungsgrad erfunden hat. Zahlreiche Quelle, so auch das Elsbett-Museum, geben sogar an, dass der Wirkungsgrad des Elsbett-Motors bis heute unerreicht ist und somit kein Motor kraftstoffsparender fährt als er. Übrigens soll auch die Lebensdauer dieser Motoren die herkömmliche bei weitem übertreffen. Verantwortlich dafür sollen die Stahlkolben und Stahlzylinder sein, einhergehend mit geringerer thermischer Belastung. Wenn wir uns heute den VW-Abgasskandal ansehen, so wäre VW in der Vergangenheit – eventuell auch noch in der Zukunft? – vielleicht nicht schlecht beraten gewesen, seine Energie nicht in Manipulationssoftware zu investieren, sondern diese für eine Kooperation mit Elsbett einzusetzen. Die Zukunft wird es uns lehren, ob auch unsere Großkonzerne lernfähig sind.




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