Der letzte Versuch den 2. Weltkrieg zu verhindern – 5. Teil

Am Morgen des 7. August 1939 fuhr Birger Dahlerus nach Bredstedt, um Hermann Göring und seine Begleiter in Empfang zu nehmen. Göring kam mit einem Sonderzug und wurde begleitet von Ministerialrat SA-Oberführer Görnert, Staatssekretär Paul Körner, General Karl-Heinrich Bodenschatz und Dr. Böttcher.
Dahlerus begrüßte Göring und seine Begleiter und fuhr sie nach Sönke Nissen Koog, wo sie freundliche von den anwesenden Engländern empfangen wurden. Man nahm im großen Wohnzimmer Platz, Dahlerus begrüßte die Vertreter beider Länder und dann begann man das beabsichtigte Programm abzuarbeiten. Zunächst stellten die Engländer ihre Position dar, dann die Deutschen.
Es kam zu einer lebhaften Diskussion, die Stimmung war bestens. Die Diskussionsteilnehmer, allen voran Hermann Göring, prosteten sich zu und man trank auf den Frieden. Die Besprechung dehnte sich bei gutem Einvernehmen bis in frühen Abend aus. Als Resümee wurde von beiden Parteien zum Schluss zusammengefasst, dass Möglichkeiten für eine friedliche Lösung aller Probleme bestehen würden. Ein Zusammentreffen von bevollmächtigten Vertretern beider Regierungen müsse zu einem Einverständnis führen können, so die einhellige Meinung. Beide Seiten wollten ihrer Regierung empfehlen, baldmöglich eine Konferenz auf neutralem Boden, am besten in Schweden, dazu durchzuführen.
Gegen 18.30 fuhr Göring mit dem Auto nach Niebüll und von dort weiter nach Sylt.
Am nächsten Morgen Frühstückte Dahlerus mit der englischen Delegation. Diese teilte ihm mit, dass sie ausgiebig über das Gespräch mit den Deutschen nachgedacht hätten und nun eine andere Lösung favorisierten: Statt eine Zweierkonferenz zwischen England und Deutschland sollte eine Viererkonferenz durchgeführt werden, an der auch noch Frankreich und Italien teilnehmen sollte. Dahlerus versuchte sofort Göring zu erreichen und ihm diesen neuen Vorschlag mitzuteilen. Inzwischen war jedoch General Bodenschatz nach Berchtesgaden geflogen um Hitler über die Gespräche und Ergebnisse zu informieren. Am Nachmittag traf Dahlerus erneut mit Göring zusammen, diesmal auf Sylt. Inzwischen schien Hitler sein Einverständnis erteilt zu haben, denn Göring teilte ihm mit, das eine Viermächtekonferenz durchaus für die Deutschen annehmbar sei. Jedoch verwies Göring ausdrücklich darauf, dass diese Konferenz keinesfalls ein negatives Ergebnis bringen dürfte; das wäre einer Katastrophe gleich zu setzen.
Die diesbezüglichen Verhandlungen zur Konferenzvorbereitung liefen zunächst auf Hochtouren. Doch dann kamen die Verhandlungen ins Stocken, einem verhängnisvollen Stocken, wie sich später zeigen sollte. Lord Spencer teilte Dahlerus mit, dass mit einer englischen Entscheidung nicht „vor Ablauf einiger Zeit gerechnet werden dürfte“. Der Grund für das Stocken war, dass die maßgeblichen englischen Personen im Jahresurlaub waren.
Nichts bewegte sich mehr bei den Alliierten und in dieser Zeit verschlechterte sich die politische Lage zusehhens. Am 21. August wurde dann ein Handelsvertrag zwischen der Sowjetunion und Deutschland bekannt und am 22. August zudem, dass am Folgetag ein Nichtangriffspakt zwischen den beiden Ländern geschlossen werden sollte.
Der Pakt wurde am 24. August unterzeichnet und ging als Hitler-Stalin-Pakt in die Geschichtsbücher ein. Eigentlich hatten die Sowjets lange mit den Alliierten über einen Verteidigungspakt verhandelt, doch nun brachen sie diese Verhandlungen ab. Der Hitler-Stalin-Pakt garantierte dem Deutschen Reich die sowjetische Neutralität bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Polen und den Westmächten und brüskierten diese damit zudem, denn eigentlich wollten diese die Vertragspartner der Sowjets sein. Auch damals hatte der viel später getätigte Ausspruch von Gorbatschow „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ seinen Wahrheitsgehalt unter Beweis gestellt.
Am Mittwoch den 23. August hatte Göring Dahlerus angerufen und um ein dringendes Treffen in Berlin gebeten. Am darauf folgenden Tag flog Dahlerus nach Berlin und traf in Carinhall mit Göring zusammen. Dieser bat Dahlerus, trotz der für Deutschland verbesserten Situation durch den Hitler-Stalin-Pakt, nach England zu fliegen. Dort sollte er für Verständigungsgespräche zwischen Deutschland und England bei deren Regierung werben. Göring äußerte dabei gegenüber Dahlerus, dass er seine ganze Autorität einsetzen werde, um diese Ziel zu erreichen. Weiterhin brachte er zum Ausdruck, dass das deutsche Auswärtige Amt keine hinreichenden Beziehungen zum Foreign Office habe, um zu einer friedlichen Lösung zu gelangen, die er wünsche.
Dahlerus erfüllte Görings Wunsch und flog am nächsten Tag nach London, wo er mit seinen Freunden, die auch in Sönke Nissen Koog anwesend waren, zusammentraf. Auf Wunsch von Sir Spencer verfasste er dort einen schriftlichen Bericht der sofort in die Downingstreet weitergeleitet wurde.
Bereits am selben Tag um 17 Uhr informierte Spencer Dahlerus, dass der englische Botschafter in Berlin, Sir Nevile Henderson, gebeten worden sei, in die Reichskanzlei zu kommen, um mit Hitler Verhandlungen einzuleiten. Zu 18.30 Uhr war Dahlerus in das Foreign Office zu Lord Halifax eingeladen worden und es wurde ihm dort mitgeteilt, dass offizielle Verhandlungen für eine friedliche Lösung aufgenommen worden waren.
Anschließend traf Dahlerus erneut mit seinen englischen Freunden zusammen. Das Dinner erfolgte in allerbester Stimmung, denn es bestand die begründete Hoffnung, dass die großen Probleme gelöst werden könnten.
Im nächsten Teil erfahren Sie wie lange die gute Stimmung anhielt.




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