Große Entdecker und Erfinder – Erdölpionier Georg Hunaeus

Erdöl ist für uns ein fossiler Energieträger. Entstanden ist Erdöl aus Biomasse, die vorrangig aus Algen und Meereskleinlebewesen bestand. Besonders in den Randbereichen der Kontinente, die von Ozeanen bedeckt waren – von sogenannten Schelfmeeren, die besonders nährstoffreich waren – sank diese Biomasse auf den Meeresgrund ab. Unter bestimmten Bedingungen zersetzt sich die Biomasse nicht vollständig, es entstand ein Faulschlamm, der von Tonpartikeln und Sedimenten bedeckt wurde. In vielen Jahrmillionen entstanden so Sedimentfolgen mit hohem organischen Anteil. Zum Teil wurden in der Folge diese Sedimentstapel in tiefere Regionen der Erdkruste verschoben. Dadurch erhöht sich der Druck und damit auch die Temperatur, die auf die organischen Substanzen einwirkten. Bei Temperaturen bis etwa 60 Grad Celsius entstehen aus dieser Biomasse Kohlenstoffverbindungen, die als Kerogene bezeichnet werden. Erhöhte sich die Temperatur weiter – bis auf etwa 170 Grad Celsius – werden aus den Kerogenen flüssige Kohlenwasserstoffe: Erdöl. Bei Temperaturen, die 170 Grad Celsius überschreiten bildet sich in der Regel Erdgas.
Erdöl besitzt eine relativ geringe Dichte, die noch unter der von Wasser liegt. So kommt es häufiger vor, das beim Fehlen einer nach oben abdichtenden Gesteinsschicht das Erdöl auch aus größeren Tiefen bis an die Erdoberfläche aufsteigt. Dort wandelt sich das normalerweise relativ dünnflüssige Öl durch die Reaktion mit Sauerstoff und den Verlust leicht flüchtiger Bestandteile in eine teerartige Substanz, sogenanntes Bitumen oder Asphalt, um.
In dieser Form ist es den Menschen schon vor tausenden von Jahren augenscheinlich geworden. Und nicht nur dass, sie fanden zudem Anwendungen für diesen Bitumen. So wurde es durch vermischen mit anderen Substanzen zum Abdichten von Bootsplanken eingesetzt. Bei Griechen, Römern und Byzantinern kam es sowohl als Schmierstoff wie auch als Brennstoff zum Einsatz.
Über fast 2000 Jahre fand beim Erdöleinsatz kaum eine Weiterentwicklung statt. Den Menschen fehlte wohl auch eine Erklärung, woher dieses klebrige Material stammte.
Am 24. März 1802 wurde in Goslar Georg Christian Konrad Hunaeus geboren. Er entstammte einer alten Bergmannsfamilie, sein Vater war Bergfaktor und sein Großvater Zehnter beim Bergamt. Nach Abschluss der Schule ging Hunaeus 1819 nach Clausthal um an der dortigen Berg- und Forstschule zu studieren. Nach Abschluss seiner Studien als Markscheider wurde er um 1821 in dieser Funktion bei der Clausthaler Bergbauverwaltung eingestellt. Ein Markscheider war damals eine Art Vermessungsingenieur, spezialisiert auf Bergbauaufgaben.




Hunaeus drängte es jedoch nach Weiterbildung und so nahm er 1823 ein Studium an der Universität Göttingen auf. Sein Studium der Mathematik, Geometrie und Geodäsie schloss er 1825 ab. Neben seiner Tätigkeit als Markscheider wirkte er als Lehrer an verschiedenen Bildungseinrichtungen. 1834 siedelte Hunaeus als Oberlehrer nach Celle über. Obwohl er auf Grund seiner Lehrtätigkeit den Doktortitel erhielt, galt sein Interesse auch weiter der Geologie. Er vermass und kartierte seine Heimat und erlangte dadurch großes Ansehen. Später lehrte er am Polytechnikum in Hannover und wurde 1857 als Professor berufen.
Georg Hunaeus - ErdölpionierNachhaltig in die Geschichtsbücher brachte sich der Professor aus dem Harz aber durch seine praktischen bergbaulichen Kenntnisse. Die setzte er in der Lüneburger Heide, in Wietze bei Celle, ein. Dort waren schon seit Jahrhunderten kleine Teiche bekannt, die nicht mit Wasser sondern mit einer dickflüssigen, bläulichen Flüssigkeit gefüllt waren. Diese zähe Flüssigkeit – Erdöl – war zu bis zu dieser Zeit noch nicht verifiziert. Das „Erdpech“ wie es bezeichnet wurde, fand verschiedensten Einsatz als Arznei, Schmier- und Dichtmittel. Mehr aber wusste man nicht. Daher waren diese „Erdpechseen“ für Hunaeus und seinen Studienfreund, Salineninspektor Hahse, von grundlegendem wissenschaftlichen Interesse. Es muss allerdings erwähnt werden, dass zu jener Zeit nicht nach Erdöl, sondern nach Braunkohle Ausschau gehalten wurde. Und die beiden Bergbauspezialisten vermuteten unter den „Erdpechseen“ entsprechende Braunkohlelagerstätten. So wurden sie vom Innenministerium in Hannover mit entsprechenden Bohrungen beauftragt, deren Leitung Georg Hunaeus übertragen wurde. Diese Tiefbohrungen in Wietze in den Jahren 1857 bis 1859 waren garantiert die ersten ihrer Art in Deutschland. Und sie waren mit großer Wahrscheinlichkeit auch die ersten weltweit! Dennoch brachten sie nicht den gewünschten Erfolg, denn statt Braunkohle fand man Erdöl.
Ein Harzer Bergbaufachmann hat also Bergbaugeschichte geschrieben und einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erdölentdeckung und somit zur Industrialisierung geleistet. Die praktische Auswertung und die wirtschaftliche Nutzbarkeit fanden zwar erst etwa 20 Jahre später statt, was den Leistungen von Prof. Dr. Hunaeus aber keinen Abbruch tut. Schließlich gingen die Bohrungen, mit den einfachen technischen Möglichkeiten, über 40 m tief und waren zudem wohl die ersten ihrer Art.
Für seine Verdienste wurde Prof. Dr. Hunaeus zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Kurz nach seinem 80. Geburtstag starb Georg Hunaeus 1882 in Hannover. Sein Name bleibt für immer mit der Entwicklung der Erdölindustrie verbunden, die vor über 150 Jahren in der Lüneburger Heide begann.

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