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Der Sibirische Trapp

In der geologischen Geschichte unserer Erde gab es mehrere gewaltige Massenaussterbeereignisse. Über eines davon – dass wohl schlimmste von allen – möchte ich heute berichten.

Dieses Massenaussterben fand vor ca. 252 Millionen Jahren, an der Perm-Trias-Grenze, statt. 96 Prozent aller Meeresbewohner und 70 Prozent aller Landlebewesen sollen ausgestorben sein. Das Ereignis gilt auf der Grundlage paläontologischer und paläoklimatologischer Befunde seit längerer Zeit als wissenschaftlich nachgewiesen. Auch die Wirkungen und Ergebnisse dieses Aussterbeereignisses wurden von der Wissenschaft identifiziert. Nur deren Ursachen blieben lange wage und spekulativ. Dann jedoch wurde die Wissenschaft auf den ausgedehnten Flutbasalt in Sibirien aufmerksam.

Die dort aufgefunden basaltische Lava breitet sich über eine Fläche von etwa 2 Millionen Quadratkilometer aus. Das Gebiet, das Sibirischer Trapp genannt wird, liegt zwischen 50° und 75° Nord sowie 60° bis 120° Ost und umfasst das West- und Nordsibirische Tiefland, das Mittelsibirische Bergland sowie einen Teil der Mitteljakutischen Niederung samt dem Westhang des Ostsibirischen Berglands.

Schon bald machte die Wissenschaft diesen Sibirischen Trapp für das Aussterbeereignis verantwortlich. Doch anfangs war das nur eine Theorie, es fehlten noch die wissenschaftlichen Methoden, die Beweise liefern konnte. Die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte bei den radiometrischen Datierungs- und Nachweisverfahren führten zu einer erheblichen Zunahme der Messgenauigkeit, was eine genauere Datierung ermöglichte.
Sibirischer Trapp - Karte Wikipdia

Besonders Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) machten sich um die Datierung verdient. Dazu analysierten sie Gesteinsproben, Fossilien und Ascheablagerungen aus diesem Lavafeld und lieferten im Jahr 2011 erste Ergebnisse. Die erste Veröffentlichung ihrer Ergebnisse ließ auf ein Massenaussterben schließen, das etwa 200.000 Jahre andauerte.

Dennoch waren die Ursachen für diese Aussterbe-Katastrophe strittig. Neben Impact-Ereignissen, wie Vulkanismus oder Meteoriten-Ereignisse konnten auch Klimaveränderungen ursächlich sein.

Nun hat das MIT unter Leitung von Seth Burgess, und der Mitarbeit von Wissenschaftlern der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, nachgelegt. Sie konnten in den letzten Jahren ihre Datierungstechniken verfeinern. Sie isolierten Zirkonkristalle aus dem Lavagestein und maßen darin das Verhältnis von Uran- zu Bleiisotopen.

trusted blogs - Marktplatz für Influencer MarketingDas Ergebnis: Das Massenaussterben lief noch erheblich schneller ab, als bisher vermutet. Nur 60.000 Jahre dauerte es, bis von der zuvor reichen Tier- und Pflanzenwelt unseres Planeten nur noch spärliche Reste übrig waren. Das ist für geologische und erdgeschichtliche Maßstäben nur ein Augenblick. Dennoch: Dieser Zeitraum reicht wohl nicht für ein Massenaussterben auf Grund von Klimaveränderungen aus.

Es war ein recht schneller Tod – im übertragenen Sinne -, der weder der Fauna, noch der Flora die Change gab, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, um zu überleben. Damit wächst die Erkenntnis, die immer wahrscheinlicher wird, dass anhaltende, unvorstellbar gewaltige Vulkanausbrüche im sogenannten Sibirischen Trapp für das Aussterbeereignis verantwortlich zeichnen. Es wäre auch eine Erklärung für den plötzlichen starken Anstieg von Kohlendioxid in den Weltmeeren. Eine Forschergruppe hat berechnet, dass die Eruptionen des Sibirischen Trapps mehr als 170 Billionen Tonnen CO2 freigesetzt haben könnten, weit mehr als zuvor angenommen. Dieser plötzliche, starke Anstieg von Kohlendioxid (Kohlensäure) machte die Ozeane und Meere sehr schnell sauer und hätte zudem zu einem Anstieg der Wassertemperatur bis zu 10 Grad Celsius und mehr führen können. Alles Bedingungen, denen die Meeresfauna nicht gewachsen waren. Ein folgender Klimawandel war wohl ein weiteres gravierendes Resultat dieser Vulkanausbrüche.




Als Quelle des Sibirischen Trapps wird eine riesige Mantel-Plume angesehen. Diese gewaltige Magma-Blase bildete sich unter der festen Erdkruste des sibirischen Kerngebietes. Über die Ursache des sibirischen Trapp-Vulkanismus wird jedoch in der Wissenschaft noch debattiert: Waren es die eigenen Kräfte der Plume, die den Vulkanismus auslösten, oder öffnete ein mächtiger Asteroideneinschlag das Tor zur Hölle? Die Wissenschaft hat darauf bisher keine eindeutige und belastbare Antwort.

Eines kann jedoch wohl mit Sicherheit gesagt werden: Hätte es dieses wohl größte Aussterbeereignis nicht gegeben, so wäre die Entwicklung von Flora und Fauna auf der Erde sicherlich ganz anders verlaufen. Und mit großer Wahrscheinlichkeit würde es den Menschen, in seiner heutigen Form, wohl dann auch nicht geben. Wir können also in den nächsten Jahren sicherlich mit spannenden neuen Erkenntnissen zum Sibirischen Trapp rechnen.