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Das deutsche Bildungssystem – stark reformbedürftig

Wikipedia sagt: „Bildungspolitik ist Politik, die auf Gestaltung, Legitimation und Administration des Bildungswesens zielt.“ Soweit so gut, oder auch nicht. Wenn ein Bildungssystem zum Spielball der Politik wird, dann endet das so wie in Deutschland, in einem To-hu-wa-bo-hu.
Die Verwaltung der Schulen und Hochschulen obliegt in Deutschland im Wesentlichen den jeweiligen Bundesländern, in denen sich diese Bildungseinrichtungen befinden. Zumeist tragen die Kultusministerien auf Länderebene dafür die Verantwortung.
Da wir 16 Bundesländer haben, haben wir auch 16 unterschiedliche Bildungssysteme, denn so will es das Grundgesetz mit seinem Föderalismus. Und schon beginnen unsere Probleme, denn sechzehn Mal wird die Bildungspolitik zum Spielball der Landespolitiker. Diese haben auf viele bundespolitische Entscheidungen und Gesetzgebungen keinen oder nur geringen Einfluss und üben ihre Machtspielchen daher im Kleinen auf Landesebene aus: mit fatalen Folgen.
Da die Kulturhoheit bei den Bundesländern liegt, sind die Kultusministerkonferenzen eingeführt worden. Diese regeln einige Dinge, wie die Dauer und die Zeit der Schulferien, also nichts wirklich Bedeutendes, bei großem Aufwand. Die für Schüler und Studenten wirklich wichtigen Dinge werden jedoch nicht angefasst: Das wären die Lehrpläne, das Fächerangebot, die Schultypen, die Abschlussprüfungen, der Übergang von einer Schulform in eine andere, die länderübergreifende Anerkennung von Abschlüssen und vieles mehr. Über alle diese Unterschiede in den einzelnen Bundesländern könnte man noch lächelnd hinwegsehen, wenn denn die jeweiligen Schul- und Studienabschlüsse aus den einzelnen Bundesländern auch überall gleichermaßen anerkannt werden würden. Ein Zustand der innerhalb eines Landes einfach unakzeptabel ist. Solche grundlegenden Dinge konnten jedoch bisher nicht geregelt werden, was für mich nicht verfassungskonform ist. Dass sich die Bundesländer dabei auf ihre Kulturhoheit berufen, ist einfach nur peinlich und zudem Machtmissbrauch, da diese Praxis Millionen von Menschen in ihrer persönlichen Freiheit beschneidet. Dazu sagte schon der große Abraham Lincoln: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gibt ihm Macht“ und ein anders Sprichwort besagt dazu „Gib den kleinen Leuten Macht und sie werden sie missbrauchen“.
trusted blogs - Marktplatz für Influencer MarketingSeit Jahren und Jahrzehnten wird zu diesem Thema verhandelt, doch vorzeigbare Ergebnisse gibt es bisher nicht: ein echtes Armutszeugnis, dass Politikverdrossenheit zudem erheblich fördert.
Will die Politik nicht weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, sollte sie in der Bildungspolitik bald zu Lösungen finden, die nicht nur Lippenbekenntnisse sind.
Ein großes Defizit stellt auch die vorschulische Betreuung dar, die auf den Schulbesuch vorbereiten soll. Die Zuständigkeit ist dennoch typischerweise nicht im Kultusministerium, sondern im Sozialministerium angesiedelt, was in der Regel zu erheblichen Abstimmungsproblemen führt.
Einen weiteren Schwerpunkt in der Bildungspolitik stellt die Personalpolitik dar. Laut aller Statistiken, die mir zugänglich waren, hat die Anzahl der Lehrer in den letzten Jahren ständig abgenommen. Das wird von der Politik mit den sinkenden Schülerzahlen begründet, was zunächst schlüssig klingt. Jedoch steigt seit vielen Jahren die Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund stetig an, ganz besonders seit der Flüchtlingswelle 2015. Derzeit geht man davon aus, dass etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben. Genaue Zahlen sind dazu nicht verfügbar. Auch sagen Statistiken wenig, denn es ist für einen Lehrer ein erheblicher Unterschied, ob ein Kind bereits halbwegs Deutsch spricht, oder wie bei den Flüchtlingskindern kaum ein Wort. Zudem sind es teilweise viele verschiedene Muttersprachen, die da in einer Schulklasse aufeinandertreffen: von den kulturellen Unterschieden gar nicht zu reden. Einem Lehrer in einer Klasse 20-50 Prozent Migrantenkinder zu zumuten, ist eine Bildungskatastrophe. Diesen Schülern müssen die Lehrer besonders viel Zeit widmen, die dann für die anderen Schüler fehlt. Das ganze Klassenniveau sinkt, was keinen Bildungspolitiker wirklich zu interessieren scheint. So werden Lehrer verschlissen und Schüler um die ihnen zustehenden Bildungschancen gebracht. Auch die Inklusion wird durch die Politik ständig vorangetrieben, was zu weiteren erheblichen Problemen führt. Die Lehrer sind zudem in der Regel weder in Sonder- noch in Migrationspädagogik ausgebildet. Ich möchte beides nicht in Abrede stellen, jedoch muss dafür auch Personal zur Verfügung stehen und außerdem fachlich qualifiziert sein. Zudem ist verkannt worden, dass junge Lehrer, wenn sie denn benötigt werden, nicht von heute auf morgen zur Verfügung stehen. Die Ausbildung von Lehrern und Erziehern und artverwandten Berufen ist jedoch unzureichend geplant worden, das Resultat: Lehrermangel. Gute Bildungspolitik sieht anders aus! Bezahlen müssen diese Bildungsmisere die Kinder der deutschen Steuerzahler mit endsprechenden Bildungsdefiziten. Wer kann, schickt seine Kinder auf Privatschulen.




Dringlich sind auch Reformen des Abiturs. Es kann nicht sein, dass die Qualität dieses Hochschulreife-Zeugnisses derart unterschiedlich in seiner Qualität ist, wie in Deutschland. Die einen brauche 12 Jahre, andere 13 Jahre und der Schulstoff ist in den einzelnen Bundesländern sehr verschieden. Auch ist es kein gutes Signal in die Zukunft, wenn immer mehr Abiturienten Naturwissenschaften und Mathematik als Prüfungsfächer zu Gunsten geisteswissenschaftlicher Fächer abwählen. Dadurch begrenzen die Abiturienten ihre Studien- und Berufsmöglichkeiten schon sehr zeitig. Zudem nehmen die geisteswissenschaftlichen Studiengänge immer weiter zu, zu Lasten von natur- und technikwissenschaftlichen Studiengängen. Das kann nicht durch Druck oder Zwang geändert werden, sondern nur durch Information, Aufklärung und eine andere Bildungspolitik. Ein Land verliert seine Zukunft, wenn es nur auf Geisteswissenschaften aufbaut, dass sollten die Bildungspolitiker endlich begreifen und mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern.
Ein weiters Dilemma liegt im Erhalt und der Ausstattungen von Bildungseinrichtungen. Die Kulturhoheit der Länder führt zu einer zunehmenden Verrottung von Bildungseinrichtungen und das in Zeiten in denen die Steuereinnahmen sprudeln, wie nie zuvor. Schulen zu sanieren und zu erhalten bringt wohl den Politikern nicht die gewünschte Aufmerksamkeit. Dass der Bund dabei nicht gezielt helfen darf, setzt dem Ganzen die Krone auf. Zudem geben die Landespolitiker lieber Geld für Prestige-Projekte aus, als für Schulsanierungen. So hätte als Beispiel Berlin mit dem Geld für den Neubau des Stadtschlosses, der mit rund 600 Millionen Euro geplant ist, lieber seine Schulen sanieren sollen. Zudem reichen die eingeplanten Investitionskosten für derartige Großprojekte grundsätzlich nie aus: Das fehlende Geld wird dann gern und regelmäßig aus anderen Haushaltsbereichen wie Kultur und Bildung abgezweigt. Nun kommen sicherlich die Argumente, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann, was wohl zutrifft. Dennoch liegt es allein in der Verantwortung der Politik, die Steuergelder nach Prioritäten einzusetzen und da kann ein Stadtschloss nicht vor der Schulsanierung stehen.
Im Jahr 2016 wurden laut Statistischem Bundesamt von Bund, Ländern und Kommunen 129 Milliarden Euro für Schule und Bildung ausgegeben. Laut der Sondierungsverhandlungen der potentiellen Jamaika-Koalition soll nun wohl erheblich mehr Geld für Bildung bereitgestellt werden. Warten wir es ab und hoffen wir. Doch Geld allein behebt die Bildungsmisere noch lange nicht, es muss auch in die richtigen Kanäle fließen. Ein wichtiges Thema bei der Bildung stellt immer aufs Neue die Digitalisierung dar. Die sollte jedoch nicht zu einer Digitalen Demenz führen. Denn digitale Investitionen ersetzen keinesfalls sanierte Schulen, Lehrer in ausreichender Zahl, die zudem gut ausgebildet und motiviert sind, denn die Lehrerschaft muss auch mit der digitalen Technik umgehen können, was kein Selbstverständnis ist. Immer öfter hört man Stimmen, in denen zum Ausdruck gebracht wird, dass man vieles nicht mehr stupide lernen muss, denn man es ja Googeln kann. Jedoch benötigt qualifiziertes Googeln mehr Wissen als je zuvor, denn der Rechercheur muss schon die Ergebnisse werten können. In diesem Sinne sollten wir Mal öfters über unseren Tellerrand hinausschauen und Benchmarking nicht nur ein Werkzeug für die Wirtschaft betrachten. Doch das trifft wohl auf alle Politikfelder zu. Visionen sind auch in der Politik von sehr großer Bedeutung – auch wenn diese kaum noch vorhanden sind, weil das visionäre Denken kaum über eine Legislaturperiode hinausreicht -, dennoch sollte das Machbare im Vordergrund stehen.

Hartz IV und Sozialhilfe oder Grundeinkommen?

Täglich vernehmen wir aus den Mündern unserer Politiker das Modewort Digitalisierung. Zunehmend muss man jedoch den Eindruck gewinnen, dass viele dieser Redner, mit ihren einstudierten Phrasen, die Bedeutung dieses Begriffes höchstens ansatzweise verstanden haben.
Es ist richtig, wir werden zunehmend abhängig von Einsatz digitaler Geräte und deren Software. Für diese reale Veränderung unserer Lebenswirklichkeit musste ein neuer Begriff gefunden werden: Digitalisierung.
Die Automatisierung aller unserer Lebensbereiche durch digitale Geräte – wir können diese auch als programmierbare oder programmierte Rechenwerke bezeichnen – wird unser aller Leben radikal verändert werden. Konzepte und Lösungen dazu: Fehlanzeige. Wie lassen es immer noch auf uns zukommen.
Besonders deutlich wird die Situation beim sogenannten Humankapital. „Dieses bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft die personengebundenen Wissensbestandteile in den Köpfen der Mitarbeiter. In der Humankapitaltheorie der Volkswirtschaftslehre wird Humankapital unter dem Gesichtspunkt von Investitionen in Bildung betrachtet“, so Wikipedia. Für mich ist diese Humankapital-Definition jedoch zu kurz gegriffen. Humankapital beinhaltet neben Wissen auch soziale Kompetenz, sowie vor allem auch Erfahrungen, emotionale Intelligenz, Wissensmanagement und Loyalität.
Humankapital wird zwar im Studium von Betriebswirten und Volkswirten, sowie verwandten Fachrichtungen, gelehrt, in der Praxis werden die Lehren jedoch kaum angewandt und bewertet wird das Humankapital bis heute kaum.
Die Bilanzen von Kapitalgesellschaften enthalten aus rechtlicher Sicht systematische Aufstellungen von geldwerten Rechten (Vermögen) und Pflichten (Schulden). Zudem weist eine Unternehmensbilanz das Nettovermögen aus, also die Summe der geldwerten Rechte abzüglich der Schulden. Nettovermögen und Eigentumsrechte werden aufaddiert als Eigenkapital bezeichnet. Weiter möchte ich das Bilanzrecht nicht erläutern.
In diesem Eigenkapital sind Fertigungsanlagen, Werkzeuge, Vorrichtungen, Ausrüstungen und auch Betriebsgebäude und Betriebseinrichtungen enthalten. Jedoch sind diese Werte nur blanke Buchwerte. Ob sich diese bei einem Verkauf erzielen lassen ist fraglich, heute sehr oft sogar oftmals unrealistisch.
Das Humankapital der Mitarbeiter eines Unternehmens hingegen findet in keine Bilanz und auch keine andere betriebswirtschaftliche Auswertung Eingang. Dabei sind das Wissen, die Erfahrung und die Sozialkompetenz heute wichtiger denn ja. Unqualifizierte Mitarbeiter werden kaum noch benötigt. Somit ist das Humanpotential eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung und je weiter die Digitalisierung voranschreitet, je wichtiger wird es für den Erfolg einer Firma.
Dennoch ist es bisher kaum möglich das Humankapital der Mitarbeiterschaft einer Bank als Sicherheit für einen Kredit vorzulegen. Umdenken ist hier wohl zukünftig angesagt.
Das Humankapital ist jedoch nicht nur in und für Unternehmen wichtig. Es ist auch im öffentlich-rechtlichen Bereich von großer Bedeutung und insbesondere bei der individuellen Entwicklung jedes einzelnen Menschen.Reiseführer kostenlos anfordern
Es ist vorhanden das Humankapital – bei jedem Einzelnen – jedoch muss es auch genutzt werden. In dieser Hinsicht muss ich der Politik Recht geben: Es fehlt häufig an Chancengleichheit. Aber kann es die jemals geben. Es werden immer Unterschiede zwischen Stadt und Land herrschen und auch zwischen industriell oder landwirtschaftlich geprägten Regionen.
Zudem schafft es unser Staat zunehmend Eigenverantwortung abzuschaffen sowie auf der anderen Seite mit einer Regelungswut Eigeninitiative auszubremsen. Alles wir geregelt oder soll es zumindest werden. Ich möchte diesen Punkt nicht in allen Einzelheiten erläutern – das wäre ein eigener Beitrag.
Das trifft meiner Meinung besonders auf Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger, aber auch auf Existenzgründer und Geringverdiener zu. Unser Staat deckt insbesondere die ersten beiden Gruppen zu mit Regelungen. Die Menschen müssen, um Sozialleistungen zu erhalten, alles offenlegen, zudem ist deren Möglichkeit auf einen Zuverdienst (max. 100 Euro im Monat anrechnungsfrei) sehr begrenzt. Natürlich können diese Menschen auch mehr hinzuverdienen. Die Differenz wird ihnen jedoch von den Sozialleistungen wieder abgezogen – eine Einkommenssteigerung ist so kaum zu erzielen. Zudem gibt es auch eine nicht unerhebliche Anzahl von sogenannten Aufstockern: meistens Geringverdiener oder Selbstständige. Alle diese Gruppen fühlen sich ungerecht behandelt, zurückgesetzt, und sie sind zunehmend unzufrieden.
Mein Vorschlag zur Schaffung eines fairen Systems für alle, mit Chancen, Risiken und Eigenverantwortung ist ein bedingungsloses Grundeinkommen. Sie haben sicherlich schon von dieser Idee gehört. In Deutschland findet sie jedoch in der Politik kaum Fürsprecher und gilt zudem als unbezahlbar.
Jedoch unser derzeitiges Sozialsystem ist wohl nicht zukunftsfähig. Die bisherige Sozialhilfe motiviert Menschen nicht, einen schlecht bezahlten Job anzunehmen. Aufgrund der Steuerabgaben haben sie am Ende des Monats oft weniger Geld raus, als wenn sie gar nicht arbeiten würden.
Sicherlich besteht zu einem solchen Modell sehr viel Diskussionsbedarf: Wer bekommt das Grundeinkommen, wie hoch soll es sein, wo setzen Sozialversicherungspflicht und Steuerpflicht ein und vieles mehr.
Die Sozialausgaben der Bundesrepublik steigen von Jahr zu Jahr, 2016 betrugen sie gewaltige 918 Milliarden Euro und sie werden weiter steigen: Im Jahr 2021 könnten die Sozialausgaben demnach die Billionengrenze überschreiten.
Ein Großteil dieser Gelder fließt als Zahlungen an die Bevölkerung. Ein nicht unerheblicher Teil der Gelder wird jedoch durch Verwaltungsaufgaben verbraucht: Arbeitsagentur, Sozialämter, gesetzliche Versicherungssysteme, Qualifizierungen, Weiterbildungen usw.
Die Auszahlung von Sozialhilfen ist zudem mit vielen Repressionen verbunden.
Zahlt der Staat nun jedem Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen – sagen wir von 650,- Euro – so könnte sich folgende Situation ergeben:
Allen arbeitsfähigen Bürgern stehen keine weiteren Sozialleistungen zu. Wer arbeitsunfähig ist, was von einer Ärztekommission bestätigt werden muss, kann Sonderregelungen in Anspruch nehmen. Bei Besserverdienenden würde das Grundeinkommen zum Arbeitseinkommen/ steuerpflichtiges Einkommen hinzugerechnet werden, entsprechende Steuern fallen an. Vieles von dem Geld würde ausgegeben werden; dem Staat fließt Mehrwertsteuer zu.
Kindergeld, Müttergeld, Erziehungsgeld, Wohngeld, Hartz IV, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld usw. würden entfallen.



Wo liegt jedoch der Vorteil des bedingungslosen Grundeinkommens? Es könnten enorme Verwaltungskosten eingespart werden. Die Menschen können und müssten mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung übernehmen. Menschen können Ideen, Talente, Begabungen und Hobbys leben, umsetzen und als Chance begreifen. Dazu ein Beispiel: Jemand ist musikinteressiert und möchte mit Singen und Gitarre spielen sein Geld verdienen. Er könnte seine Idee umsetzten, denn er hätte ein Grundeinkommen und könnte durch Auftritte weiteres Geld verdienen. Der Musiker wir besser und bekannter, er bekommt zunehmend mehr Auftritte und kann erste Tonaufnahmen machen. Er hat es irgendwann geschafft, kann davon leben und auch Steuern und Sozialabgaben zahlen. Vielleicht wird er sogar ein Star und füllt die Steuerkassen?
Ein weiteres Beispiel: Jemand hat sich ein umfangreiches Wissen über Heilpflanzen und Kräuter angeeignet. Er möchte derartige Exkursionen anbieten. Zunächst bekommt er nur eine Exkursion über das örtliche Tourismusamt sowie eine über ein großes Hotel pro Woche organisiert. Er hat sein Grundeinkommen. Zudem nehmen an jeder Tagesexkursion 10 Personen teil, die ihm je 10 Euro bezahlen. Er würde als pro Woche 200 Euro hinzuverdienen. Die Exkursionen kommen an und nach zwei Jahren finden fünfmal in der Woche Exkursionen mit je 10 Personen statt. Somit wäre ein Einkommen von etwa 2.000 Euro + Grundeinkommen vorhanden und es würden Steuern und Sozialabgaben gezahlt.
Diese Beispiele lassen sich beliebig fortführen. Der positive Effekt wäre ein insgesamt höheres Einkommen, erheblich mehr Zufriedenheit bei den Bürgern und die Chance sich selbst eine Zukunft aufzubauen. Selbstverwirklichung ist ein Thema, von dem viel gesprochen wird, wovon aber große Teile der Bevölkerung ausgeschlossen werden.
Viel gibt es diesbezüglich zu besprechen, zu berechnen, zu diskutieren und auch zu regeln. Jedoch wir machen nichts dergleichen.
Finnische Flagge - Wikipedia - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bc/Flag_of_Finland.svg/150px-Flag_of_Finland.svg.pngFinnland befindet sich derzeit in einem Test zu einem bedingungslosen Grundeinkommen und nimmt damit eine Pionierrolle ein: Anfang 2017 hat das Land mit 2.000 Menschen begonnen einen diesbezüglichen Test durchzuführen. Die ersten Zwischenergebnisse sind überraschend positiv und dürften viele Kritiker zum Schweigen bringen.
Der Testlauf sollte eine Reihe von Fragen beantworten. Soll das Grundeinkommen alle Sozialhilfen ersetzen oder nur einen Teil davon? Und wie hoch soll es sein?
Die Teilnehmer des Experiments erhalten monatlich 560 Euro, ohne nachweisen zu müssen, dass sie aktiv auf Arbeitssuche sind. Sie müssen nicht einmal nachweisen, dass sie das Geld brauchen. Sie können mit dem Geld tun und lassen, was auch immer sie wollen.
Inzwischen sind 9 Monate vergangen und die Resultate sie sind überraschend. Das Grundeinkommen macht die Menschen nicht faul und genügsam. Ganz im Gegenteil. Die Teilnehmer berichten davon, dass sie mehr Lust haben, einen Arbeitsplatz zu suchen und mehr Zeit zu finden, um Geschäftsideen zu verfolgen. Doch um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, ist es wohl noch etwas verfrüht. Also warten wir ab, und verfolgen mit Interesse das finnische Projekt.

Abbildung Flagge von Finnland aus  Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Flag_of_Finland.svg

Die Digitale Revolution

Überall geistert die Begrifflichkeit „Digitale Revolution“ derzeit durch die Medien, so als hätte diese erst in den letzten Monaten eingesetzt und würde uns demnächst alle den Arbeitsplatz kosten. Die Digitalisierung könnte sogar zu einem Wahlkampfthema für die anstehende Bundestagswahl 2017 werden, sofern sich Politiker finden, die wissen wovon sie reden. Das scheint jedoch eher unwahrscheinlich, denn außer Ängste zu schüren ist diesbezüglich von den Parteien noch nichts gekommen.
Die Digitaltechnik arbeitet mit digitalen Signalen, den sogenannten Binärzahlen 1 und 0. Alle Schaltzustände werden mit diesen zwei Zahlen kodiert. Nicht besonderes also könnte man denken.
Die ersten Maschinen mit sogenannter NC-Steuerung (Numerical Control) wurden um 1950 gebaut und revolutionierten Fertigungstechnik und Produktion. Als ich vor über 40 Jahren als Werkzeugmacher ausgebildet wurde, mussten wir noch lernen Lochkarten für derartige Werkzeugmaschinen zu programmieren und dann die Lochkarten stanzen. Das hört sich heute simpel und auch altmodisch an, damals war es eine erste „Digitale Revolution“. Später dann, in meinen Ingenieurstudien, mussten wir bereits an CNC-Maschinen unser Können unter Beweis stellen. Mikroprozessoren hatten die Lochkarten abgelöst (Computerized Numerical Control). Das Programmieren dieser rechnergesteuerten Werkzeugmaschinen war kompliziert und von den Facharbeitern nicht mehr ohne weiteres auszuführen. In der eigentlichen Produktion wurden nun weniger Zerspaner und Werkzeugmacher benötigt als zuvor. Dafür entstanden jedoch Arbeitsplätze für Programmierer, die die Maschinen einrichteten, und auch für Messtechniker, die ständig die Qualitätskontrolle an den Werkstücken durchführen mussten. Und auch bei den Werkzeugmaschinenherstellern änderte sich die Personalstruktur.
Nach und nach hielten Computer sowie CNC-gesteuerte Maschinen und Anlagen in allen Wirtschaftsbereichen Einzug. Auch CNC-gesteuerte Industrieroboter kamen immer mehr zur Anwendung. Die gab es zwar schon vor der Mikroprozessoren-Technik, sie wurden jedoch pneumatisch gesteuert.
Alle diese kleinen technischen Revolutionen führten dennoch nicht zu Arbeitsplatzverlusten. Es mussten in der Regel nur Fachkräfte durch andere Fachkräfte ersetzt werden. Die Mikroprozessoren machten die Produktion effizienter und auch die Produktqualität konnte erheblich gesteigert werden. Der Wohlstand in den Industrienationen wuchs rasant.
Doch schon damals wurde es versäumt sich auf diesen technologischen Wandel einzustellen: in Ost wie in West. Die Politik kann den technischen Fortschritt nicht aufhalten und auch nicht verändern. Ihre Aufgabe ist es jedoch in den Bereichen Bildung und auch Sozialem den sich ändernden Bedarf zu erkennen und Strategien zu entwickeln sowie Maßnahmen einzuleiten.
Dann, vor etwa 20 Jahren, folgten Internet und PC und die sich daraus entwickelnden Informationstechnik, kurz IT, hielt Einzug in alle gesellschaftlichen und produktiven Bereiche. Schnell trat extremer Fachkräftemangel auf, die Bildungspolitik hatte schlichtweg versagt. Manch einer mag sich noch erinnern: Inder sollten für die deutsche IT-Wirtschaft gewonnen werden, doch sie kamen nicht. Deutschland hat die die IT-Revolution mit allen ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten verschlafen. Einzig SAP hat es zum internationalen Schwergewicht geschafft. Deutschland hat weiter seinen Schwerpunkt in der Automobilindustrie gesehen, dass ist jedoch ein anderes Thema.




Bis heute ist der öffentliche Sektor weit hinter den Möglichkeiten der Informationstechnologien zurückgeblieben: Wir müssen uns nur die Flüchtlingsregistrierung ansehen, um das ganze Dilemma zu erkennen. Die Politik ist weitgehend ahnungslos, fehlendes Wissen wird durch Populismus ersetzt. Ich mag dieses Wort eigentlich nicht, jedoch wie soll man Reden, Kommentare, Aussagen und auch Gesetze bezeichnen, die voll am eigentlichen Problem vorbeigehen. Der neuste Akt in diesem unendlichen Drama: Die geplanten Gesetze von Justizminister Heiko Maas zu Hasskommentaren in sozialen Netzwerken. Seinen Vorschlägen entsprechend sollen soziale Netzwerke Hasskommentare innerhalb von 24 Stunden löschen. Die angedrohten Strafen sollen in den Millionen Euro gehen. Doch sollen in Zukunft IT-Experten und Online-Redakteure die Arbeit von Richtern machen? Ein Gesetz also, was wieder Mal am eigentlichen Problem vorbeigeht, aber auch das ist ein anderes Thema.
Nun soll die Digitalisierung der Arbeitswelt kommen, die diese grundlegend verändern wird, so zumindest die Aussagen von Politik und auch Medien. Eine Umfrage des Bundesbildungsministeriums besagt angeblich, dass acht von zehn Deutschen befürchten, dass immer mehr Beschäftigte abgehängt werden. Doch wie der Wandel in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungsbranche aussehen wird, vermag noch keiner zu sagen.
Auf jeden Fall wird er erheblich langsamer vorangehen, als allgemein vermutet wird. Es wird ein langer, ein sehr langer Entwicklungs- und Einführungsprozess, bis Roboter Menschen vollständig ersetzen können. Es wird in diesem Zusammenhang von künstlicher Intelligenz gesprochen und von selbstlernenden Programmen. Dabei verkennen jene, die mit solchen Begriffen hantieren die Realität. Auch ein Roboter ist nur eine Maschine, die von einem Computerprogramm gesteuert wird. Diese Programme werden von IT-Fachleuten und Ingenieuren erstellt und beruhen auf naturwissenschaftlichen Fakten und mathematischen Berechnungen. Technisch realisiert werden Roboter hauptsächlich im Zusammenspiel der Disziplinen Mechanik, Elektrotechnik , Elektronik und Informatik. Roboter können nur das machen, was die Programmierung ihnen vorgibt und selbstlernende Programme auch nur das Lernen, was zuvor als Lernfähig programmiert wurde. Das ist für feststehende Roboter in der Industrie kein Problem, denn es sind fixe Arbeitsabläufe vorgegeben. Bei den autonomen mobilen und den humanoiden Robotern haben wir eine ganz andere Sachlage. Diese Roboter müssen nicht nur Arbeitsprozesse verrichten, sie müssen sich auch im freien Raum bewegen. Somit müssen sie immer für den entsprechenden Raum programmiert werden, der zudem unendlich vielen Unwägbarkeiten aufweist. Einen Roboter also ohne menschliche Kontrolle arbeiten zu lassen, ist nicht absehbar, sicherlich jedoch in ferner Zukunft denkbar.
Betrachten wir diesbezüglich einfach das Internet, dass seit etwa 20 Jahren unsere aller Leben zunehmend beeinflusst. Trotz gewaltiger Anstrengungen von Softwarefirmen aus der ganzen Welt sind Computer, Netzwerke und auch mobile Endgeräte unendlich weit davon entfernt, als sicher zu gelten. Auch mobile Roboter müssen zwangsweise mit dem Internet, anderen Netzwerken oder Kommunikationsverbindungen in Kontakt stehen. Fremdzugriffe können daher bei ihnen nicht ausgeschlossen werden, sie sind anzunehmen. Jedoch ist ein solcher Einsatz außerhalb der Industrie noch nicht absehbar und dort gibt es die Digitalisierung schon seit vielen Jahren in zunehmendem Maße. Neben den ursprünglichen Werkzeugmaschinen hat sich insbesondere die Logistikbranche dieser Systeme bedient. Im Hamburger Hafen beispielsweise laufen viele dieser Prozesse inzwischen vollautomatisch. Steuerungen über GPS, Laserscanner, Transpondertechnik und vielem mehr sind im Einsatz. Doch in der mittelständischen Wirtschaft, die unser Wirtschaftssystem dominiert, wird die Digitalisierung verhalten vorangetrieben. Dafür gibt es drei Gründe: unausgereifte Technik, große Investitionskosten und fehlendes Fachpersonal.
Letzteres ist ein entscheidender Knackpunkt für die Zukunft der Digitalisierung. Wie brauchen viele gut ausgebildete Experten auf diesen Gebieten, die erst noch ausgebildet werden müssen. Und das ist nicht von heute auf morgen möglich. Hinzu kommt, dass Arbeitskräfte die bisher benötigte wurden, nicht mehr gebraucht werden. Diese müssen für andere Jobs umgeschult werden. Das Berufsleben der Zukunft, teilweise als Industrie 4.0 bezeichnet, wir geprägt sein von ständigem Lernen, vom Berufseinstieg bis zur Rente. Darauf und auf die Anforderungen im Berufsleben müssen die Menschen bereits in der Schule vorbeireitet werden, ihnen muss das nötige Rüstzeug mitgegeben werden. Unser heutiges Schulsystem ist davon weit entfernt. Auch muss die nachschulische Ausbildung, also Berufsausbildung und Studium, besser darauf eingestellt werden. Wenn nötig muss der Staat auch wirksame Steuerungselemente entwickeln.
Aber vor allem darf den Menschen vor diesem tiefgreifenden technologischen Wandel keine Angst eingeredet werden. Sicherlich werden, jedoch über einen langen Zeitraum, viele angestammte Arbeitsplätze wegfallen, vor allem einfache aber auch qualifizierte. Doch diese beschäftigungsstrukturellen Veränderungen gab es schon zu allen Zeiten, besonders jedoch seit der Industriellen Revolution.
Die gute Nachricht ist doch, dass den Menschen schwere und eintönige Arbeiten abgenommen werden. Zudem wird die Produktivität steigen, was auch das Bruttonationaleinkommen erhöhen wird. Den technischen Innovationen müssen zugleich soziale folgen. Geld dafür ist sicherlich genug vorhanden. Natürlich müssen die Steuer- und Abgabensysteme dafür auch grundlegend geändert werden. Vor allem sollte begonnen werden, den Begabungen und Interessen des Einzelnen mehr Augenmerk zukommen zu lassen und diese gezielt zu fördern. Weniger Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Dienstleistungen bedeutet nicht automatisch auch weniger Arbeitsplätze in der Gesamtgesellschaft. Die Arbeit muss nur anders verteilt werden. Bedarf gibt es sicherlich genug: im Pflegesektor, im Gesundheitssektor, im Bildungssektor, im Dienstleistungssektor am Menschen, im Sozialsektor und in vielen anderen Bereichen. Auch im künstlerischen und im innovativ technischen sowie im wissenschaftlichen Bereich gibt es viele Möglichkeiten, von dem Bedarf in der Integrationspolitik, die zukünftige nicht einfacher wird, ganz zu schweigen.
Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber. Sie beschneidet die Lebensfreude und die Lust am Kreativen. Auch müssen wir tatkräftig in den sogenannten Entwicklungsländern helfen, Im Eigeninteresse um die Flüchtlingsbewegungen zu stoppen. All das sind Aufgaben, für die der Staat, also die Politik, die Wege ebnen muss. Doch wir, die Menschen in diesem Land, müssen mitgestalten, Ideen einbringen und einfordern, und wir müssen diese Wege auch gehen.
Ich sehe für die Zukunft ein bedingungsloses Grundeinkommen als eine denkbare Lösung der sozialen Probleme. Wer beispielsweise gern Gitarre spielen möchte hat dann eine Lebensgrundlage, kann sein Spiel verbessern und sich durch kleine Auftritte Erfahrungen aneignen und Gerd hinzuverdienen. Ein geschickter Handwerker könnte aus alten Dingen neue machen ohne von Anfang an Existenzängste zu haben. Überhaupt wird in Zukunft die Selbstständigkeit eine wesentlich größere Rolle spielen. Das Grundeinkommen würde am Anfang etwas Sicherheit geben. Die Pflege von Angehörigen würde einfacher werden, auch die Erziehung von kleinen Kindern. Nur wenigen wird es in Zukunft wohl vergönnt sein immer den gleichen Beruf auszuüben und immer beim selben Arbeitgeber beschäftigt zu sein. Die Menschen müssen flexibler werden. Dazu brauchen sie jedoch den Freiraum sich ausprobieren zu können. Das Grundeinkommen würde da sicherlich helfen.
Heute bekommen wir von klein an die Sozialstaatsmentalität vermittelt. Diese kann in Form von Subventionierung des Nichtstuns von vielen Menschen jedoch keine Zukunftslösung sein. Stattdessen muss unser Bildungssystem komplett umgekrempelt und renoviert werden. Die Begabungen und Interesse eines jeden Einzelnen müssen in den Vordergrund rücken und entsprechend gefördert werden. Das Grundeinkommen würde dazu eine gute Basis darstellen. Zudem würde es zu einer erheblichen Entbürokratisierung beitragen, was wohl außerdem zur Steigerung des Selbstbewusstseins bei vielen Menschen beiträgt; sie müssen sich nicht mehr als Bittsteller des Sozialstaates sehen. Wir verbringen anteilig die meiste Lebenszeit auf Arbeit. Diese kann daher auch nur gut gemacht werden, wenn die Menschen die sie machen, sie gern machen.
Wir Deutschen tun uns allgemein schwer mit Neuem, die Politik ganz besonders. Wenn wir jedoch die Probleme der Digitalisierung der Wirtschaft lösen wollen, so müssen wir auch den Staat und die Gesellschaft neu strukturieren. Und wir müssen bald anfangen, denn dieser Prozess wird auch langwierig sein. Aber ich bin mir sicher, uns gelingt dass, den wir Menschen haben nach jeder Revolution einen positiven Entwicklungsschub gekommen; zudem ist auch der Lebensstandard ständig gewachsen.
Eins sollten wir uns verdeutlichen: Das Humanpotential jedes Einzelnen ist das Kapital einer zukünftigen Gesellschaft, lassen wir es Dienst tun.