Trumpokratie – oder unser übertriebener Moralismus?

Der Führer der „freien Welt“ wendet sich zunehmend von dieser ab – steht uns eine Neuordnung der Welt bevor?
Deutschland ist wohl einer der führender Moralapostel weltweit. Wobei nicht die deutsche Bevölkerung, sondern deren Politiker und teilweise auch Geisteswissenschaftler sowie Medienvertreter, diese Position gern einnehmen. Das Wahlvolk – der Bürger – spielt in dieser emotionalen Debatte kaum noch eine Rolle. Soll er umerzogen werden? Wo soll da hinführen? Zwar ist Moral, also praktische Wertevorgaben, wohl die bedeutendste Handlungsrichtlinie der menschlichen Gesellschaft, sie uneingeschränkt umzusetzen ist hingegen eine ihrer größten Herausforderungen überhaupt. Moral kann natürlich auch anmaßend werden, wenn sie einerseits als Handlungskriterium ohne Abstriche eingefordert wird, von den Verfechtern selbst jedoch nicht immer so genau genommen wird. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass zahlreiche unserer deutschen Politiker es mit ihrer Moralkeule seit längerer Zeit übertreiben, was bei der Bevölkerung nicht nur auf Zustimmung stößt.
Vornweg: Ich bin kein Fan von Donald Trump. Doch wir haben in Deutschland und Europa eine andere politische Kultur entwickelt. Die der US-Amerikaner verstehen wir wohl nicht wirklich.
Dennoch: Als Demokraten, die wir ja alle sein wollen, haben wir das Wahlergebnis in den USA einfach nur zu akzeptieren. Auch wenn es uns nicht gefällt und auch, wenn uns die Person Trump und sein Handeln zum Teil missfallen. Wir können dazu unsere Meinung frei äußern. Steinmeier nennt Trump „Hassprediger“, Gabriel nannte ihn einen „Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen“, Schulz bezeichnet den US-Präsidenten als „unverschämt und gefährlich“. Derlei Aussagen von deutschen Politikern aller „etablierten Parteien“ ließen sich noch lange fortsetzen – sie sind zwar erlaubt, förderlich sind sie jedoch nicht.
In Anne Wills Sendung vom 05.02.17 wurde als Titel die neue Wortschöpfung Trumpokratie geschaffen. Insbesondere die moralisierenden Links-, Grünen- und Sozial-Parteien arbeiten sich derzeit an Trump und seiner Regierung ab. Auch mit gefällt seine Politik nicht immer. Dennoch muss ich erkennen, dass die bisherige Politik der „Westlichen Welt“ so nicht fortzuführen ist. Auch wenn die Mehrheit unserer Politiker gern daran festhalten würden.
Die Schwerpunkte der internationalen Politik wurden in den letzten Jahrzehnten durch die USA gesetzt. Seit dem Ersten Weltkrieg erstarkten sie zusehends wirtschaftlich wie auch politisch, was sich im Zweiten Weltkrieg fortsetzte. Die Wirtschaft florierte, besonders weil sich Großbritannien und auch Frankreich enorm in Amerika verschuldet hatten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, den Deutschland zu verantworten hat, waren die USA endgültig die Weltmacht Nummer 1. Unsere deutschen Ingenieure in der Raum- und Luftfahrt sowie auch in der Nukleartechnik, trugen einen nicht unerheblichen Anteil dazu bei, dass die USA auch militärisch das Maß aller Dinge wurden. Alle USA-Regierungen sonnten sich allzu gerne in der Position der Weltmacht. Das dabei die vielgepriesenen Menschenrechte oftmals auf der Strecke blieben ist wohl unbestritten. Die Kriege die von den USA in den letzten Jahrzehnten geführt worden, waren keine Beiträge zum Weltfrieden und auch nicht zu den angestrebten Demokratisierungsprozessen. Sie diente ausschließlich machtpolitischen Gesichtspunkten sowie wirtschaftlichen. Besonders der enorme Bedarf an Rohstoffen und Erdöl waren Triebfedern die Gebiete des Nahen Ostens unter der Kontrolle und dem Einfluss der USA zu halten. Stellt sich nur die Frage, wie das amerikanische Erdöl unter den muslimischen Wüstensand kam.
Unvorstellbare Summen gaben die USA für ihre Militär- und ihre Außenpolitik aus – Steuergelder der amerikanischen Bevölkerung. Die hatte nicht nur die toten Soldaten zu beklagen, auch fehlte das Geld um notwendige Maßnahmen im eigenen Land umzusetzen. Ob Demokraten oder Republikaner an der Macht waren, die Politik blieb in ihren Grundzügen die gleiche.

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So wie auch bei uns in Deutschland und in den meisten anderen Ländern Europas an dieser Politik festgehalten wurde. Wir wollten unsere Demokratievorstellungen in alle Welt exportieren. Kultur, Glaube und Befindlichkeiten anderer Nationen spielten dabei keine Rolle. Dann setzte die Globalisierung ein, vernichtete Millionen Arbeitsplätze in Amerika und auch in Europa. Die Bankenkrise folgte, auch sie war von Bürgern und Steuerzahlern zu tragen. Eine andere Politik: Fehlanzeige, nur an einigen unbedeutenden Stellschrauben wurde etwas gedreht.
Deutschland und Europa fühlten sich im Sicherheitsnetz der NATO gut aufgehoben, die Kosten dafür wurden gern auf die USA abgewälzt und auch die Verantwortung.
Auch hat die Einwanderungspolitik wohl in keinem Land der Westlichen Welt wirklich funktioniert. Die Probleme, die Kriege, falsche Einwanderungs- und Integrationspolitik, verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik, Globalisierung und vieles mehr, verursacht haben, fallen uns heute auf die Füße. Dennoch wollen große Teile der Politik in den USA, in Europa und auch in Deutschland diese Politik fortsetzen. Sie rufen damit überall die Nationalisten auf den Plan, die mittlerweile in breiten Bevölkerungsschichten Unterstützung finden. Die Antworten des politischen Etablissements sind durchweg undemokratisch. Immer nach dem Motto, wer unsere Moral und unsere Werte nicht akzeptiert ist kein Demokrat. Doch Demokratie steht für ein politisches System, in dem alle Macht vom Volke ausgeht. Wenn jedoch große Teile der eigenen Bevölkerung auf diese Weise ausgegrenzt werden, führt das zwangsweise zu einer Spaltung der Gesellschaft. Diese Entwicklung können wir in fast allen europäischen Ländern derzeit beobachten. Doch von Selbstreflexion der Etablierten keine Spur.
Schon seit längerer Zeit findet diese gesellschaftliche Spaltung besonders extrem in den USA statt. Nun hat dort in einer freien, demokratischen Wahl ein politisch unerfahrener Milliardär die Präsidentenwahl gewonnen. Ein Ereignis das niemand vorausgesehen hat. Er tritt nun angeblich für die Millionen der „Abgehängten“ ein, will Arbeitsplätze schaffen, Bürokratie abbauen, die Infrastruktur erheblich verbessern. Er will nicht länger die Welt „missionieren“ sondern vorrangig das eigene Land stärken.
Es gibt in unserer Zeit zahlreiche große Probleme und Konfliktherde: Globalisierung, Ukrainekrieg, Syrienkrieg, IS, Flüchtlingsströme aus Afrika und Asien, EU-Krise und vieles mehr. Ich kenne keinen Politiker, der realisierbare Konzepte und Lösungen für diese Probleme anbieten kann. Politische Phrasen bestimmen die Debatte, ohne Substanz und Konzept – Wunschdenken. Aber weiter so, es fällt uns ja nichts Besseres ein.
Nun haben wir die Trumpokratie, woraus schon bald Trumpolismus werden könnte : Ein US-Präsident der sagt „Amerika first“ und „I do what i say und say what i mean“.
Was ist daran zu verurteilen, wenn ein Staatspräsident sein Land an erster Stelle sieht? Das ist kein Nationalismus, dafür ist er gewählt worden – grundsätzlich. Was ist zudem falsch daran, wenn ein Politiker seine Wahlversprechen einlöst, oder es zumindest versucht. Das wir eine solche Realisierung von Wahlversprechen kaum noch gewöhnt sind, ist das die Regel, ist das normal?
Unsere deutschen Politiker spielen derzeit zusammen mit vielen Medien die Moralapostel und betreiben ein fortwährendes Trump-Washing. Gut ist das nicht und richtig ist das auch nicht! Diese Akteure maßen sich an, über Trump und seine Weggefährten Urteile zu fällen, die bis ins psychologische/psychiatrische gehen, ohne jedoch bisher auch nur ein persönliches Wort mit dem US-Präsidenten gewechselt zu haben.
US-Präsident Donald Trump muss uns nicht sympathisch sein. Obama war das, doch war er auch ein erfolgreicher Präsident? Ich habe da meine Zweifel. Trump ist mir nicht sympathisch, daran möchte ich keinen Zweifel aufkommen lassen. Jedoch haben da die Amerikaner eine andere Mentalität als wir Deutschen. Lassen wir sie doch: Sie werden ihre Demokratie zu verteidigen wissen.
Trump hat erkannt, dass ein weiter so in der Innenpolitik, wie auch der Weltpolitik, wenig erfolgversprechend ist, besonders auch für sein eigenes Land. Er agiert ungewöhnlich, zum Teil populistisch und auch fremdenfeindliche und sexistisch. Doch darüber denken die Amerikaner anders als wir. Es ist zu früh über seien Politik der Abschottung zu resümieren. Neue Wege müssen gegangen werden, sie nur zu planen bringt keine Ergebnisse. Wer weiß schon, wie lernfähig Trump ist. Schon ein uraltes Sprichwort besagt: Versuch macht klug. Natürlich müsste er erkennen, wenn er Fehler gemacht hat, doch Fehler sind zu korrigieren. Auch und besonders da haben die Amerikaner eine grundsätzlich andere Lebenseinstellung, denn ein Misserfolg in Amerika bietet, im Gegensatz zu unserer Mentalität, immer eine zweite Chance.
Immer wieder wird Trump als Narzisst abgetan. Doch welcher einflussreiche Politiker, Wirtschaftsführer oder Künstler ist im Sinne der Narzissmus-Definition kein solcher? Die Gleichung sympathischer Politiker = gute Politik, unsympathischer Politiker = schlechte Politik, geht so nicht auf. Sehen wir Trump und die „Trumpokratie“ also lieber als Chance und nicht als Bedrohung – was bleibt uns auch weiter übrig.
Gelassenheit würde uns gut tun!




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